Letztes Selfie mit Beate.

Be-adé

15.06.2016 | 15:57

„Ich sitze in Beate und…“

Diesen Satz werdet ihr nie wieder von mir lesen.

Beate ist von uns gegangen. In den Beatenhimmel, freigegeben zur Organspende.

Das ist der Lauf der Dinge. Alles ist vergänglich, auch die Beate.
Damit ist Mr. Basilo, der, entgegen Facebookgerüchten, immer noch lebt, definitiv der Travelmate, der mich in Neuseeland am längsten begleitet.
Seit dem Tourstart mit der Eisernen Lady ist er mit von der Partie.

Wie auch immer.

Aus finanzieller Sicht ist die Geschichte mit Beate eine Verkettung falscher Entscheidungen.
Das ist zumindest die Perspektive des arroganten Gegenwarts-Ichs auf das Vergangenheits-Ich.

Da ich jene Gedanken gerade in mir trage, möchte ich sie gern mit euch teilen.

Alles begann mit der Entscheidung für die Eiserne Lady.
Ohne einen Pre-Purchase-Check, weil die 150 Dollar zu teuer schienen.
Lachhaft, aus heutiger Sicht.
Sie ging also kaputt, es hörte sich grausig an, wir haben aber nie geprüft, wie viel die Reparatur kosten würde.
Wir kontaktierten also die zwielichtigen Verkäufer, fuhren viele, viele Kilometer zurück und hatten die Möglichkeit die Autos zu tauschen.
Das taten wir, und es war m.E. zu dem Zeitpunkt sinnvoll, da sich Beate in einem offensichtlich besseren Zustand befand.
Dann so weit alles gut, aber wieder hatten wir ein Fahrzeug, was nie durchgecheckt wurde und was definitiv auch keinen legalen WOF erhielt.
Dann kaufte nachdem er der Arbeit wegen die Reise mit mir nicht gemeinsam fortsetzen konnte Brownie, den Van der Franzosen und bei Beate gingen die Probleme los.
Viele Hundert Euro fürs Getriebe und die Entscheidung mit Ivo, Beate erst zu verkaufen, wenn wir abreisen, da zu jener Zeit die Preise extrem niedrig waren und der Gedanke sinnvoller erschien, Beate zu verkaufen, wenn wieder Anreisezeit ist, womit ja in der Regel auch die Preise steigen.
Dann in Dunedin mehrere Hundert Euro für neue Reifen und Spureinstellung bezahlt, da ich dachte, dass wir Beate nicht loskriegen werden, wenn das nicht gemacht ist und es war ein guter Zeitpunkt dafür, da die Vorderreifen schon recht abgefahren waren.
Aber im Nachhinein hätte man keine neuen draufziehen lassen müssen.
Nun ja, dann lange Christchurch, der WOF war dran und ich entschied, Christchurch zu verlassen, da mich die Zeit da verrücktzumachen drohte und zog nach Nelson.
Dann das WOF-Protokoll.
Und die Erkenntnis, dass niemand in Nelson ein Auto braucht, was in Christchurch womöglich anders ausgesehen hätte.
Kevin wollte sie nicht haben, mehr Interessenten gab es nicht.
Ich hatte ein paar Kontakte zu Kiwis bekommen, die Beate evtl. hätten haben wollen, aber auch die waren nicht interessiert.
Ich dachte mir, dass das Worst Case-Szenario sein würde, sie zum Schrotthändler zu bringen und wenigstens noch 300 Dollar zu bekommen, aber kein einziger Schrotthändler in Nelson wollte Beate…
Heute habe ich also jeden Schrotthändler in den umliegenden Städten angerufen, denn ich will Nelson endlich verlassen um auf der Nordinsel arbeiten zu können.
Um das heute noch zu können habe ich beschlossen, Beate demjenigen zu geben, der mehr als hundert Dollar bietet.
Und so war es auch.
200 Dollar gab es von einen unfreundlichen Neuseeland-Ludolf.
Kein gutes Gefühl, aber eines, was mir meine Nerven retten sollte, da dies den Weg ebnete noch heute auf die Nordinsel fahren zu können und ein neues Kapitel zu beginnen.
Nun sitze ich in der Bibliothek, habe festgestellt, dass alle Fähren für heute ausgebucht sind, obwohl mir mehrere Kiwis sagten, dass man zu Zeit auch einfach spontan hinkommen könnte.
Kurzum, ich hätte noch all die anderen in aller Ruhe anfahren können, die ich heute anrief und den besten Preis für Beate rausholen können, aber auch damit bin ich gescheitert.

Das ist irgendwie ein ganz beschissenes Gefühl.
Auf der anderen Seite verspüre ich Erleichterung.
Ich muss mir keine Gedanken mehr um das Schicksal von Beate machen, ich weiß, dass ich morgen auf die Nordinsel übersiedle und bald Arbeit haben werde.
Heute Abend geht es zur Jamsession.

Doch kommen wir zu dem Positiven, und so ziemlich alles, was nicht das Finanzielle betrifft, war mit Beate positiv.
Sie hatte Charakter, sie war zuverlässig unzuverlässig, ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, eine Küche auf Rädern.
Sie beherbergte bis zu 9 Menschen gleichzeitig, sie war ein Lebensgefühl. Jeder, der mich auf meiner bisherigen Reise traf, hatte auch Beate in sein Herz geschlossen.
Und da für bin ich der alten Schrottkiste dankbar.
So dankbar, dass wohl mal wieder ein Gedicht her muss:

Beate

Hinter vielen Autoteilen
stand Beate, wollt‘ verweilen.
Sie war einsam, man konnt‘ es sehen,
doch nicht verstehen, sie war so schön.
Diente wohl auf ihre Weise,
vielen Menschen auf deren Reise.

Jenen Tage sprach Beate
„Leute, kauft mich, denn gerade
fühle ich mich nicht sehr wohl,
ohne Fahrer bin ich hohl.“
Wir folgten ihren leisen Worten,
verließen mit ihr jene Pforten.

Sie war war Gefährtin auf allen Wegen,
sie hielt durch mit ihren Streben.
Ihr liebstes Hobby war das Starten,
nur mit Hilfe, wenn alle warten.
Am Ende war die Rote Beate,
zu krank und ohne Gnade musst sie weg.
Schade.

Hinter vielen Autoteilen
steht Beate, muss verweilen.

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