Klischeebild. Sollte ich für Facebook verwenden.

Zurück in die Zukunft

16.06.2016 | 16:45

Es schaukelt.
Ich sitze im Aufenthaltsbereich der Fähre gen Nordinsel.
Ich schreibe recht langsam, denn meine Finger sind kalt.
Ich stand zweieinhalb Stunden auf dem Außendeck und habe mich nett mit einem Kiwi unterhalten, der mich prompt nach Tauranga eingeladen hat.
Im Falle, dort ist Arbeit zu finden, ist das sogar gar nicht mal so unrealistisch.

Wir haben uns Ewigkeiten über alles mögliche unterhalten, nebenbei Wildschweine, Albatrosse, Robben und Delfine gesehen.
Jetzt wurde es jedoch zu kalt und so haben sich Léa und ich ins Warme begeben.

Ich bin müde.
Der gestrige Abend war großartig, ein letztes Mal Jamsession, wir haben super gemeinsam musiziert, gefeiert und nette Unterhaltungen gehabt.
Ich habe der Jamsession mein Cajon gespendet, ich habe das Gefühl, dass es dort sehr gut aufgehoben ist.
Nachdem die Bar geschlossen hatte, haben wir letzten noch Überlebenden beschlossen, in eine weitere Bar zu ziehen.
Gelandet sind wir in einer Bar, die einen Karaokeabend hatte.
Großartig, ich hab meinen Karaokeklassiker Smoke on the Water zum besten gegeben und Enter Sandman nachgelegt.
Gegen 3 (was für NZ-Verhältnisse sehr spät ist) ging es zum Auto.
Ach ja, da war ja was.
All der Inhalt der Beate war ja nun im Van Rouge.
Hmmm, wir entschieden uns, auf den Vordersitzen zu schlafen.
Was in meinem Fall 0 Stunden Schlaf bedeutete.

Am Morgen also „aufgewacht“ und nicht wirklich lebendig gewesen.
Léa war so nett und machte den Abwasch und dann ging es schon los Richtung Picton, zur Fähre.
Auf der Fahrt döste ich ein wenig.
Auf dem Parkplatz kochten wir fix ein Frühstück, es gab Couscous mit Bohnen und Grünkohl.
Dann ging es auch schon aufs Schiff.
In einer halben Stunde kommen wir in Wellington an, derzeit suchen wir noch einen Schlafplatz.
Eigentlich wollen wir morgen gleich weiter gen Arbeit ziehen.
Mal sehen ob das klappt…

21.06.2016 | 16:19

Ich sitze am Esstisch meiner WG in Opotiki und höre das neue Album „Magma“ von Gojira.

Die letzten Tage sind Léa und ich von Wellington bis hier her gedüst.

Was ist also in jener Zeit passiert?

Angekommen in Wellington waren wir reichlich kaputt und zu nicht mehr viel imstande.
Wir suchten zunächst vergebens nach einem Schlafplatz und brachen die Suche aufgrund von Hunger ab und begaben uns in das vegane asiatische Restaurant in welchem ich schon mal mit Stefan speiste.
Eine tolle Stadt. Diese Atmosphäre.
Neuseelands Leipzig, würde ich sagen.
Ich wusste ich muss mich zwingen, diese Stadt zu verlassen um vernunftsgemäß gen Arbeit weiterzuziehen.
Und so zwangen wir uns am nächsten Tage.
Wir schliefen in der Nähe der Stadt auf den Frontsitzen von Léas Jeep (das sind die Momente, an denen mich mein Rücken daran erinnert, dass ich fast 30 bin), bestiegen am nächsten Morgen einen Berg in Wellington, der uns eine schöne Aussicht über die Stadt bereitete und verließen mittags die Stadt.

Es ging Richtung Norden.
Mir fiel während der Fahrt auf, dass Nina, eine der Hippiemädels aus Christchurch, in Hunterville bei einer Familie hauste, was auf unserem Weg lag.
Ein cooler Anlass, um sie noch mal wieder zu treffen und nach einer Schlafmöglichkeit zu fragen, da die Alternative sonst wieder Vordersitz gewesen wäre.
Nina sagte netter Weise einem Treffen zu, nur wollte ihre Gastfamilie an jenem Tage niemanden in Empfang nehmen.
Schade.
Der einzige Platz, an dem wir uns in diesem kleinen Kaff im Nirgendwo treffen konnten war, drei Mal dürft ihr raten, ein Pub.

Nina fragte ihren Gastpapa, welches Pub zu empfehlen ist.
Nun ja, es gab zwei. Er meinte, in dem einen ist es recht rau, deswegen empfahl er uns das andere.

„Weniger rau“ war also das Qualitätsmerkmal.

Und so begaben wir, drei europäische Touristen, uns in ein Pub in der Mitte des Nirgendwos.
Ziemlich blöde, denn eigentlich wollten wir Geld sparen und nur Nina sehen und einen Schlafplatz haben, aber naja.

Wir stiefelten also zum Pub, öffneten die Tür und es war wie im Film: Die Gespräche verstummten, die Einheimischen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit alle miteinander verwandt waren, schauten uns an, während wir eintraten.
Nina führte einen Hippiestab mit sich, der erste Kommentar eines untersetzten Mannes war, ob sie nicht damit auf dem Tisch tanzen wolle, er würde ihr die Stange auch halten.
Nun ja, ein gelungener Einstieg.
Ich begab mich zur Bar, eine ältere Frau stand dahinter, und wagte einen Blick über die Zapfhähne.
Puh…
Speights, DB, Tui, all die neuseeländischen Biermarken, die dafür bekannt sind, dass sie statt Bier eher Pisse mit Spuren von Bier verkaufen.
Ich entschied für ein „DB Draft“.
Pissig im Geruch, harnig im Antrunk und urinesk im Abgang.

Wie auch immer, wir begaben uns zu einem Tisch, der nicht zu weit vom Tresen entfernt war und spürten, wie wir, ungelogen, von allen angestarrt wurden.
In dieses Kaff scheinen wohl wirklich niemals nie Fremde zu kommen.
Kaum hatten wir begonnen, erste Anekdoten auszutauschen, wurden wir von den Einheimischen des Nachbartisches gefragt, ob wir uns nicht zu ihnen gesellen wollten.
Die Tatsache, dass sie dabei halb an uns vorbeischauten und lallten, machten den Gedanken des „Zu-ihnen-gesellens“ nicht gerade sonderlich verführerisch.

Wir gesellten uns zu ihnen.
Es folgten die Klassikergespräche, wo kommen wir her, was haben wir schon gesehen, warum sind wir in diesem Kaff gelandet…
Als eine Frau auf dem Klo verschwand, sagten uns die anderen, man könne ihr nicht vertrauen, sie sei von außerhalb. Höhö.
Als ich an der Bar eine Packung gesalzene Nüsse kaufte, fragten sie mich, ob ich Vegetarier sei, ich antwortete ehrlich mit „ja“. Puh, es folgten zwei Stunden mit unverständlichen Vorträgen, wie ungesund das doch sei und dass ich Eisenmangel ohne Ende haben müsste.
Joar, ich hörte geduldig zu.
Und trank dabei mein zweites Bier, ein Tui Gold Lager.
Es hatte sämtliche urinalen Eigenschaften des Vorgängerbieres.

Es folgten weitere lustige und absurde Gespräche und irgendwann kam die Frage, wo wir denn schlafen.
Tada, mein Moment, die lang geübte Backpackertheadralik und den Dackelblick auszupacken und „Im Auto“ zu sagen.

Hat geklappt.

Eine der Frauen lud uns ein, ihr am Ende des Abends zu ihrem Haus zu folgen, welchen 25 km entfernt liegt.

Yippie!

Halt! Ihr folgen? 25 km? Mit dem Auto? Öhm, die gute Dame hatte 4 Bier seit meiner Anwesenheit getrunken und war schon, sagen wir, stark angetüdelt, als wir ankamen.

Nun ja. Ich stieg um auf Ginger Beer, was entgegen des Namens eine alkoholfreie Ingwerlimonade ist, die nebenbei bemerkt tausend Mal besser schmeckte als das „echte“ Bier dort. Die Frau, Joe ihr Name, trank noch zwei weitere Biere und dann ging es zu ihrem Heim.

Sie machte sich noch eine Flasche Bier für die Fahrt auf und dann ging es los.

Es war regnerisch, finster wie ein Bärenarsch und nicht möglich, Joe in der Geschwindigkeit zu folgen, mit der sie durch die Kurven steuerte.
Aller fünf Minuten stoppte sie und wartete auf uns.
Irgendwann kamen wir dann auch an.

Joe besitzt eine riesige Farm, wohnt dort mit Mann, Kind und haufenweise Tieren.
Sie schlachtet selbst und hat mehrere Kühltruhen voll Fleisch. Vieles davon zeigte sie mir stolz nachdem wir das Haus betraten und sie ihre leere Fahrtbierflasche gegen eine volle Heimbierflasche austauschte.
Mann und Sohn schauten Fern.
Wir warfen unsere Utensilien in unser Schlafgemach und genossen eine heiße Dusche, mit warmen Wasser, was direkt vom Kamin im Wohnzimmer erhitzt wurde.
Die Familie war megafreundlich, sie boten uns an, länger zu bleiben und meinten, wir könnten alles an Essen und Trinken benutzen, was wir finden.

Delikat: Joe erzählte mir, dass die in Neuseeland Pferdefleisch total eklig finden und das für überteuerte Preise nach Europa exportieren, weil es dort als Delikatesse gilt.

Nach der Dusche trockneten wir unsere Haare am Kamin und dann ging es auch schon ab ins Bett.
Am nächsten Morgen weckten sie uns, meinten, dass sie weg müssen, betonten noch mal, dass wir uns wie zu Hause fühlen sollten und gern länger bleiben können und dann verschwanden sie auch.

Wir standen auf, machten uns Frühstück und unseren Abwasch.
Zwischendurch kamen Joes Mama und Papa vorbei, brachten uns Mandarinen von deren Mandarinenbaum und quatschten mit uns.

Im Kühlschrank und in den Regalen bemerkte ich einige Vitamin- und Medizinpräparate.
Jaja, Mangelernährung durch Vegetarismus dachte ich mir 😉

Nun ja, kurz vor der Abreise noch ein paar Fotos geknipst und dann ging es weiter Richtung Norden.
Zunächst unzählige Kilometer Gravel Road, wir waren ja weiterhin im Niemandsland.
Es wurde sehr spannend, denn der Tank war so gut wie komplett leer und Zivilisation war nicht in Sicht.
Es ist cool, diesen Blog zu schreiben, denn hatte ich ob des nicht vorhandenen Tankinhalts schon einige Schweißperlen auf der Stirn, dachte ich mir am Ende, dass ich es schon irgendwie überleben würde und dann wenigstens eine lustige Anekdote für den Blog hätte.
Nun ja, ganz unspektakulär erreichten wir in letzter Minute fahrenden Autos eine Tankstelle und alles war gut.
Weiter ging es dann Richtung Tongariro, auf dem Weg sahen wir eine große Rübe eines Mohren, die unbedingt wegen ihrer Hässlichkeit fotografiert werden musste.
Am Tongariro wartete dann der Teich an dem die Gollum-Szene des zweiten Herr der Ringe-Teils (Eltern, habt ihr den endlich mal gesehen!?) gedreht wurde.
Naja, mal wieder typisch, kamen wir an, als die Sonne bereits am untergehen war.
Eigentlich fürn Arsch (Arschzähler: 2 (Nun: 3)), hat sich daraus eine coole Sache entwickelt.
Wir waren so langsam, dass es während unseres Aufenthalt dunkel wurde und der Mond das Himmelsreich emporkletterte.
Ich konnte das mit meiner Kamera nutzen und durch eine lange Belichtungszeit die Bewegung des Wassers aufnehmen.
Das Potenzial sah man bereits in den ersten Bildern, doch das Licht war noch nicht perfekt, also warteten wir zwei Stunden in Eiseskälte für ein paar ordentliche Fotos.
Ich hoffe, dass sie so cool aussehen, wie es mein kleines Kameradisplay es erahnen lässt.

Dieser Abend hat meine Reise- und Fotografiefreude wieder stark entfacht.
Nach dem Shooting ging es Richtung Lake Taupo zu einem kostenlosen Campingplatz.

…Der komplett voll war. Also ging es 20 Minuten in die entgegengesetzte Richtung in ein Waldstück, ein richtig schöner menschenleerer Ort.

Des nächsten Morgens war ich zeitig wach (mit nem Lenkrad im Rücken schläft es sich halt nicht so gut), ging alleine ein wenig im morgendlichen Frost spazieren und dann ging es später weiter Richtung Taupo.
Direkt zu Beginn machten wir Halt an einem alten Staudamm, das war ein richtig interessanter Ort.
Eine alte Anlage, die aus einer vergangenen Ära zu stammen scheint und doch aktuelle Aufgaben bewältigt. Kein Mensch dort.

Ich machte ein paar Schnappschüsse.

Dann also Taupo, hmmm, kannten wir schon, also weiter.
Hinter Taupo schauten wir uns einen weiteren Staudamm an, der zu der Zeit als wir dort waren, geöffnet wurde, was sehr interessant war, denn die Wassermassen füllten einen See dahinter in nur wenigen Minuten, was einen nur erahnen lässt, in welcher Windeseile (Hmmm, welch unpassendes Wort) dass Wasser durch die Gegend sauste.
Kurz vor Anbruch der Dunkelheit ging es in eine heiße Quelle baden. Es waren vielleicht 3 Grad Außentemperatur, das Wasser der Quelle war Badewannenwarm!

Tags darauf trennten sich Léa und ich voneinander, sie trampte Richtung Rotorua und ich schaute mir eine Gegend mit geothermischen Aktivitäten an, auf die ich Lust bekommen hatte, nachdem ich Fotos davon von Rastine gesehen habe, die mich neidisch machten, weil die richtig cool aussahen.
Es war ein cooler Trip, ich lernte einen Australier und seine Freundin kennen und wir quatschten ganz viel, während wir durch die Gegend tingelten.
Leider konnte ich nicht so coole Fotos wie die Rastine machen, zu viel Qualm.
Interessant war es dennoch, ich stand an einem See, der so tief ist, das er praktisch das Tor zur Unterwelt darstellt.
Am Nachmittag fuhr ich gen Rotorua, sackte Léa ein und ab ging es zu unserem neuen Zuhause in Opotiki.

[Es folgen sage und schreibe 48 Bilder (Und 48 dämliche Bildunterschriften)]

PS.: Ich hab jetzt Wifi. Wenn ihr skypen wollt, schreibt mich an!

2 Gedanken zu „Zurück in die Zukunft“

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