Cider!

The Ecstasy of Gold

22.06.2016 | 10:07

Ich sitze im Bett in meinem WG-Zimmer. Léa regt sich gerade auf, dass Facebook sie bezüglich der neuen Game of Thrones-Folge gespoilt hat.
Ich habe ihr versichert, dass ich sie langsam und qualvoll töten werde, sollte sie es ausplaudern.
Die letzte halbe Stunde habe ich ein wenig mit meinen Eltern geschrieben, die Hochzeitstag hatten und gerade im Urlaub in Meck Pom verweilen.
Nun komme ich dazu, über die letzten zwei Tage in meiner neuen Behausung zu berichten.

Wir kamen also des Abends in der WG an und wurden nett von unseren neuen Mitbewohnern begrüßt.

Da wären:

Peter (D), Pavel (CZ), Theresa (CZ), Thibault (F), Joé (C), Jennifer (C) und naja, Léa (F).

Viel weiß ich noch nicht über die Menschen, mit denen ich die nächste Zeit auf engem Raum verbringen werde.
Nur Joé, der ist veganer Koch.
Wuhuuuuu!!!
Bis gestern habe ich mich noch nie mit jemandem über eine Stunde fast ausschließlich über Kräuter und Gewürze unterhalten 😀

Was passierte ansonsten?

Genau, angekommen, guten Tag gesagt, Essen gekocht, das war nötig!

Direkt danach ging es auch schon in die Koje.
In der ersten Nacht im neuen Bett träumte ich von Mandy.

(Traum: Sie machten Urlaub in Paris, was gar nicht so weit weg von Christchurch entfernt war, deshalb entschieden sie sich, mich zu besuchen.
Leider hatten Mandy nur einen Tag Zeit, in denen ich ihnen Akaroa zeigen wollte, wo in meinem Traum aber nur ein Zug hinführte. Wir gesellten uns in die Schlange des Ticketschalters, doch die war so lang, dass wir es am Ende nicht mehr schafften. Traum Ende.)

Des nächsten Tages wollte ich ein wenig die Stadt erkunden.
Als ich mit jenen Worten die Wohnung verließ, meinte Peter, dass ich dann ja in einer Viertelstunde wieder da wäre.
Naja, so unrecht hatte er nicht.
Das „Stadtzentrum“ Opotikis besteht aus einer Straße.
Flache Gebäude zieren das Dorfbild, es gibt viele Secondhand- und Schnulliläden und ein paar Fastfoodbuden.
Das wars auch.
Eigentlich im Ansatz schön, scheinen die Opotikianer leider das Städtchen mit Müll in der Gegend zu ärgern, was sehr deutlich auffällt.

So, erstmal aufstehen, Frühstück einnehmen und dann später weiterschreiben.

27.06.2016 | 18:20

Sohoooo, ich sitze inem Sessel in der WG. Heute bin ich nun eine Woche hier.
Grundlegend ist seitdem nicht wirklich viel passiert. Eigentlich wollen wir ja arbeiten, aber seitdem wir in Opotiki sind, ist es die ganze Zeit nur am Durchregnen.
Also gab es bisher keine Möglichkeit, auch nur im Ansatz irgendwie Geld zu verdienen.
Damit uns die Wohnung nicht auf den Kopf fällt (und ein Teil der Mitbewohner, der wirklich kein Grund ist, sich in der Wohnung aufzuhalten), haben Léa und ich beschlossen einen kleinen Roadtrip zu machen.
Und so packten wir unsere Siebensachen und machten uns auf zum östlichsten Punkt der Nordinsel (vielleicht auch Neuseelands, ich bin aber grad zu faul, das zu googeln, daher möchte ich es nicht als verifizierten Fakt schreiben).
Auf dem Weg dahin besuchten wir ein paar Kirchen und ein paar Maorigebäude, die außer ein paar Schnitzereien nicht sooooo megaspannend waren.
Kurz nach Eintritt der Dunkelheit waren wir endlich auf der finalen Straße, die uns zum East Cape (so der Name dieses östlichsten Punkts) bringen sollte.
Es ging nur langsam voran, denn die Straße war voller Kühe, was sehr niedlich anzuschauen war.
Eine Kuh wollte uns partout keinen Platz machen und bei näherem Betrachten sahen wird, dass sie sich in ein Stück Zaundraht verwickelt hatte.
Wir hatten die Befürchtung, es würde sich um Stacheldraht handeln (was sich zum Glück nicht bestätigte) und so eilte ich ihr zur Hilfe.
Mit großem Respekt und seeeehr langsamen Bewegungen näherte ich mich der Kuh und half ihr, die Beine aus dem langen Drahtgeflecht herauszubekommen.
Sie bedankte sich freundlich und lud mich am nächsten Tage auf ne warme Milch bei ihrer Familie ein.
(Okay, der letzte Satz war ausgedacht.)
Wie auch immer, das interessante an dem Kapp ist, das man dort den ersten Sonnenaufgang der Welt sehen kann.
Also jeden Tag aufs Neue, was das Ganze wiederum relativ beliebig macht, aber ich meine so steht das halt im Touristenführer.
Wir stellten also den Wecker auf 6 Uhr der Campingplatz des Kapps war ungefähr 10-15 Fahrtminuten vom Kapp an sich entfernt.
Und jaaaa, hier im Winter geht die Sonne etwas später auf, als bei euch zur Zeit 😉

6 Uhr, der Wecker klingelte.
Ich war absolut nicht in der Verfassung, auf den Alarm zu reagieren.
Miss Baguette sah das ähnlich.
Naja, nach längerer Diskussion entschließen wir uns doch, uns aufzurappeln, was uns selbstverständlich Zeit kostete.
Schnell warfen wir alle Utensilien in den Van Rouge und los gings, Turbomodus, ich fuhr.
Am Ende der Straße angekommen bemerkten wir ein Schild, was darauf hinwies, dass der Aussichtspunkt für den Sonnenaufgang am Fuße des Leuchtturms liegt.
Und dieser war von uns zu jenem Zeitpunkt 800 Stufen entfernt…
Puhhh.
Also los, die Stufen hochgejagt, mit der Befürchtung, dass wir gerade zu spät oben ankommen werden.
Oben angekommen haben sich meine Lungen verhalten, wie üblicherweise der Abfluss der Badewanne, nachdem ich meine Haare gewaschen habe (das ist doch mal ein schönes Gleichnis).
Immerhin, die Sonne war noch nicht aufgegangen.

Und ist sie auch nicht mehr.

Es war bewölkt.

Ich werde nie mehr in meinem Leben früh aufstehen.

Naja, irgendwann die Stufen wieder runtergewatschelt, die Straße zurückgefahren und auf dem Campingplatz von dem wir kamen, gefrühstückt.
Danach sind wir die Straße weiter zurückgefahren um wieder zur Hauptstraße zurückzukehren.
Plötzlich erkannte ich in der Mitte der Straße meine geliebte Mütze (ihr wisst schon, die, die mich komplett bescheuert aussehen lässt) wieder.
Ich musste sie wohl verloren haben, als ich der Kuh in Not half.
Also ausgestiegen, nach ihr gegriffen und…. iiiiiiihhhhhhhhhhhhhhhh!!!!!!!!!!11111einseinself
Sie war voller Kuhsabber!!!

Also ne Plastetüte geholt und meine Mütze von der Straße aufgehoben wie üblicherweise andere Menschen das Stoffwechselendprodukt ihrer Vierbeiner aufheben.

Weiter ging es zu einer Tankstelle.

Ich schwatzte ein wenig mit der Frau von der Tankstelle, die eigentlich die Frau eines Minimarktes war, an dem wiederum aber eine Zapfsäule angeschlossen war.
Ich sagte ihr, dass wir gerade von Opotiki kommend eine kleine Tour machen.
Und sie meinte, dass es sehr beachtlich ist, dass ich „Opotiki“ korrekt ausgesprochen habe.
Ich war sehr sehr stolz (auf mich).

+ + + Maoriauspracheinfokasten + + +

Als wir in der Bar in dem Kaff Hunterville waren und ich Joe, der betrunkenen Frau, die uns in ihrer Farm schlafen ließ, erzählte, dass wir nach Opotiki wollen, fragte sie: „Wo wollt ihr hin?“
Ich: „Nach Opotiki“ Sie: „Wohin?“ – „Opotiki“ – „hä, wohin?“ „O-p-o-t-i-k-i“ – „Ach, Opotiki“ Das spricht man so aus: “Opotiki““
Ahhh, ja, danke.
Seitdem übte ich die Aussprache von Opotiki mehrmals täglich, teils zur Belustigung von Léa, meist jedoch zum Rauben ihrer Nerven.

Wie auch immer, nachdem mich die nette Minimarkttankstellenfrau für meine vorzügliche Aussprache lobte, kann ich den Namen dieser Stadt nun stets erhobenem Hauptes sagen.

Wenn ihr wollt, könnt ihr an dieser Stelle mal „Opotiki“ sagen, eine Aufnahme davon machen und es mir an franz.uhlig.le@gmail.com senden.
Ich stelle mir das lustig vor.
Bei mehr als 0 Einsendungen, werde ich die Ergebnisse hier veröffentlicht.
Und wer Andy dazu kriegt, dass ich von dem ne Einsendung kriege, dem werde ich, sobald ich wieder da bin, ein persönliches alkoholhaltiges Getränk brauen.
Hmmm, eigentlich ist das unfair, ich kann die Aufgabe direkt an Marie geben.
Okay, alle dürfen mitmachen, aber nur Menschen, die nicht Marie sind, können den Gewinn erhalten.
Die hat ja schon genug im Leben gewonnen.
Nämlich Einfluss auf Andy.

(Ist das eigentlich Datenschutzkonform, was ich hier tue!?)

Wie auch immer.

Wenn ihr „Opotiki“ laut vor euch hergesagt habt, seid ihr ermächtigt, euch die richtige Aussprache hier anzuhören:

(Sorry, sitze grad inem Restaurant, um Wifi zu haben. Und hier ists laut)

+ + + Ende Infokasten + + +

Und ja, das war kein richtiger Kasten.
Ich hab jetzt aber auch keine Lust, in ein html-Nerdforum zu schauen, wie ich hier nen Kasten einfüge.

Ich habe das Gefühl, ich schweife ab.

Nach dem Tanken ging es weiter nach Gisborne.
Diese Stadt ist für nichts bekannt.
Naja, außer für ihre Straßengangs.

Eigentlich wollten wir Geld sparen und uns selbst Essen zubereiten, es hat aber so sehr aus Kannen geschüttet, dass wir beschlossen bei einem Inder zu dinieren.
Das war ein eher ernüchterndes Erlebnis.

Ich trank dort ein amerikanisches Craft Beer, was das Highlight des Aufenthalts war.
Der Kellner war aufgesetzt fröhlich, die Preise des Essens, was am Schaufenster beworben wurde waren die günstigen Zum-Mitnehmen-Preise und die des dortigen Dinierens waren wesentlich teurer.

Nun ja, hätte beim Essen wenigstens alles gestimmt.
Die Portionen waren zu klein für einen ausgehungerten Backpackermagen, was aber auf der anderen Seite gar nicht so schlimm war, denn das Essen war schlicht nicht lecker.
Ich bestellte frisches Gartengemüse in Weiß-der-Fuchs-was-Inder-Cashew-Spezialsauce und bekam am Ende Reis mit in Tomatensauce ertränktem Tiefkühlgemüse.
Die Karotten des Gemüses waren geriffelt.

Geriffelt!

Das war so maximal Ost.

Aber wir haben es überlebt, suchten danach einen Schlafplatz und warfen uns in die Koje.

Des nächsten Tages ging es zum Baumarkt, ich kaufte Silikon und zwei Meter Schlauch.

Ich dachte mir, dass ich mal versuchen möchte, Cider zu brauen.
Man brauch ja nicht viel.
Saft, Zucker, Hefe.

Die drei Stunden Rückfahrt nach Opotiki waren sehr cool.
Es ging entlang eines Flusses, während es so stark regnete und hagelte, dass wir des öfteren anhalten mussten.
In den kurzen regenfreien Minuten genossen wir die schöne Aussicht auf das Flusstal.

Zum Anbruch der Dunkelheit kamen wir wieder zu Hause an.

Was dann passierte werde ich später schreiben, denn jetzt bereite ich Burger mit Kumarapommes vor.

See ya!

28.06.2016 | 18:25

Boar, womit soll ich anfangen!?

Eigentlich wollte ich das Geschehene chronologisch fortführen.
Aber ich habe auch grad erfahren, das Carlo Pedersoli, einer meiner Jugendhelden gestorben ist.
Und ganz nebenbei habe ich heute 9 Arbeitsstunden auf der Kiwiplantage hinter mich gebracht.
Hmmm…

Okay, über den Arbeitstag berichte ich in meinem nächsten Beitrag, über Bud Spencer gibt es nicht viel zu sagen, außer, dass er mir viele irrwitzige Stunden bereitet hat und noch bereiten wird und so fahre ich einfach mit der Chronik fort.

(So, jetzt hab ich noch mal gelesen, an welcher Stelle ich gestern aufgehört habe und nun kann es auch schon mit weiteren Anekdoten aus meinem überaus interessanten Leben losgehen)

3…

2…

1…

(Habt ihr auch in Gedanken „21, 22, 23“ gezählt? Dann wären das nämlich genau 3 Sekunden)

Okay, es geht doch noch nicht los. Ich muss mich in dem ich das schreibe, daran erinnern, so schnell wie möglich die letzte Game of Thrones-Episode der aktuellen Staffel zu schauen, damit ich nicht aus Versehen auf Facebook gespoilt werde,

Jetzt aber:

Wir kamen also des Abends an und es passierte eigentlich nicht mehr viel (oder vielleicht passierte viel, ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern).
(Sorry, das liest sich heute bestimmt unwahrscheinlich angenehm)

Es ist aber auch egal, was nicht mehr viel passiert, denn es passierte nämlich ein was:

Zuhause angekommen, öffnete ich eine neu erworbene 2,8 l-Flasche Birnen-Apfelsaft (verdammt, jetzt, wo ich darüber schreibe, fällt mir auf, dass es gar kein Pfirsisch-Apfelsaft ist (Birne = Pear, Pfirsich = Peach, aber egal, macht das Ganze noch besser) und goss zwei Tassen voll (Stimmt, schmeckte beim Trinken nicht nach Pfirsich, und da ist auch kein Pfirsich auf dem Bild).
Weiterhin aktivierte ich ein wenig Trockenhefe, löste Zucker auf und gab dies, sowie Zitronen-Holunderlikör in die Flasche, in der sich der restliche Saft befand.

In den Deckel hatte ich zuvor ein Loch geschnitzt, einen Schlauch hindurchgeschoben, alles mit Silikon abgedichtet, das andere Ende des Schlauchs in die Dose meiner Vitamin B-Pillen gesteckt, welche ich vorher mit Wasser befüllte und nun warte ich.
Der Plan ist, einen gut schmeckenden alkoholischen Cider herzustellen.
Naja. Mir würde es auch schon reichen, wenn ich von dem Zeug nicht blind werde.
Ich werde wohl meine Mitbewohner zuerst probieren lassen.

Anfänglich hatte ich Angst, dass die Hefe wohl nichts machen wird, weil sie sich einige Stunde in der Mische ruhig verhielt, doch in der Nacht wurde ich von beständigen Blubbergeräuschen geweckt, es sieht also gut aus.
Gerade trinke ich auch ein Ginger Ale, eines von wenigen Getränken neben Wein, die man hier in einer wiederverschließbaren Glasflasche erwerben kann.
Und die brauche ich schließlich für meinen Cider.

Ich halte euch auf dem Laufenden, wie das Experiment „Franzencider“ ausgeht.
Also für den Fall, dass ich die Verkostung überlebe.

Am nächsten Morgen, also gestern ging es dann 8 Uhr zur Kiwiplantage.
7:45 wollten wir gemeinsam von der Wohnung aus starten.
Peter war der einzige, der wusste, wo sich die Plantage befindet, so waren wir darauf angewiesen, ihm zu folgen.
Er und die zwei Tschechen verließen die Wohnung 7:43 ohne uns.
Sehr nett.
Ich vermisse das Hippiecampleben sehr.
Die zwei Kanadier, die in unserer Wohnung leben, sind großartige Leute, aber mit Peter und den Tschechen werde ich nicht warm. Die sind ein wenig wie ein Dreierpärchen, die schon seit Urzeiten zu sämtlichen Uhrzeiten in dieser Wohnung wohnen und niemand anderen in ihre Gemeinschaft hineinlassen wollen.
Zu Beginn habe ich stark versucht mit ihnen in Gespräche zu kommen, sie haben mich aber stets auffällig abblitzen lassen, so spare ich meine Energien nun lieber und konzentriere mich auf die netten Menschen in der WG.
Wie auch immer, ganze anderthalb Stunden wurden wir nach Eintreffen in der Kiwiplantage ins Kiwibaumschnippeln eingeweiht, bevor es anfing, aus Kannen zu gießen und wir uns wieder nach Hause begeben mussten.
Dort organisierte ich ein wenig meinen Krempel, spielte Gitarre, kochte Pasta mit Oliven und Kapern (und noch mehr), spielte wieder Gitarre, schrieb Blog und dann begann ich das Abendessen vorzubereiten.
Es gab selbstgemachte Burger bei denen rundum alles selbstgemacht war.
Die Burgerpatties, das Brot und die Mayonnaise wurden in müheseliger Kleinstarbeit von mir angefertigt, die Kanadier spendierten Pommes mit leckeren Gewürzen.

Es war ein Festessen!

Leider hatte ich mich so maßlos überfressen, dass ich die ganze Nacht nicht schlafen konnte und so war ich heute morgen, als 6:45 der Wecker klingelte entsprechend müde.

Wie es war, könnt ihr im nächsten Artikel lesen.
Ich gehe jetzt duschen und danach gibt es kanadischen Shepherds Pie.

21.07.2016 | 10:37

Ich sitze auf einem Segelboot in der Bay of Islands.
[Ich sehe gerade, dass ich im vorigen Beitrag eine Versprechung gemacht habe, die ich nicht halten werde (Anm. d. Frnz.)]
Wie es dazu kam, werde ich wohl im nächsten Blogbeitrag berichten.
Zunächst möchte ich euch noch ein wenig über meine Zeit in Opotiki erzählen.

Die Tatsache, dass zwischen meinem letzten Beitrag und diesem einige Wochen vergangen sind, rührt daher, dass es nicht wirklich viel berichtenswertes in Opotiki gab und dass die gesamte Atmosphäre dort nicht wirklich meine Lust zum Schreiben gefördert hat.
Auch jetzt hält sich meine Lust immer noch in Grenzen aber ein paar High- bzw. Lowlights jener Zeit sollen ja nicht fehlen.
Die Arbeit war ganz in Ordnung, es war klassische Gartenarbeit, bloß im Akkord.
Nach einigen Tagen jedoch, begann mein Rücken so sehr zu schmerzen, dass ich nur noch mit Schmerzmitteln arbeiten konnte, was ich auch tat.
Die lieben Kanadier hatten die Wohnung verlassen, um ihre Reise fortzusetzen, sodass die Quote an unnetten Mitbewohnern deutlich zunahm.
Es ist wirklich schade, dass ich ausgerechnet mit den unfreundlichsten Menschen, die ich in Neuseeland kennengelernt habe auf engem Raum zusammenleben musste.
Die Details lasse ich jetzt mal aus, sonst rege ich mich nur wieder auf.
Neben nervendem Rücken und nervenden Mitbewohnern kam noch hinzu, dass meine Neurodermitis immer weiter fortschritt, was einem mal auch mal ganz schnell den Tag versauen kann.
Wahrscheinlich hat auch das eine das andere beeinflusst, schließlich habens ja Krankheiten stets leichter, wenn man sich nicht in einer optimalen positiven Verfassung befindet.
Wie auch immer, Léa und ich beschlossen, dass wir insgesamt nicht länger als drei Wochen an diesem Ort bleiben wollten.
Die Arbeit war in Ordnung und das Geld halbwegs vernünftig, das war der einzige Grund, dieses Kaff nicht unverzüglich zu verlassen.

Inkludiert man die Tatsache, dass es in Opotiki keine Sandflies gab, lassen sich die Highlights immer noch an einer Hand abzählen.

Das coolste was in Opotiki passierte, war wohl meine hauseigene Ciderherstellung.

In der ersten Runde machte ich einen Apfel-Birnen-Holunder-Cider mit Zitronennote, aufgrund des hohen Gehalts an Holundersirup, den ich hinzugab, wurde der Cider sehr stark.
Lecker war er durch und durch, auch wenn ich mich bei der Zuckerkalkulation bei der Flaschenabfüllung etwas verschätzt hatte und der Cider durchaus etwas mehr Kohlensäure hätte vertragen können.
Der zweite Cider war milder, eine Mischung aus Apfelssaft und selbstgepresstem güldenen Kiwisaft, welcher wiederum von selbstgepflückten goldenen Kiwis kam.
Als Kollateralralprodukt ergab sich dann noch etwas feines, denn ich hatte vom Kiwiquetschen ja noch einige Früchte übrig.
Also sammelte ich alle mir zur Verfügung stehenden Einmachgläser und machte 3 kg Kiwikonfitüre, wobei ich feststellen muss, dass für meine allererstes Mal Konfitürenherstellung das Ergebnis sehr zufriedenstellend war und ist.

Des Weiteren waren Léa und ich einige Male in der Wohnung von zwei Kollegen, Jenny und Philipp, um dort des Abends gemeinsam zu kochen und den Cider zu verkosten.
Die beiden sind zwei sehr angenehme Menschen, die einfach wie es ihnen passt durch die Gegend reisen ohne einen Plan oder ein Ziel zu haben.
Der ausschlaggebende Anlass, Opotiki zu verlassen war dann ein Morgen, an dem wir feststellten, dass einigen von uns die Schuhe aus dem Waschraum an der Rückseite des Hauses gestohlen wurden.
Meine Wanderschuhe, deren Kauf mit den Worten des Verkäufers „Mit denen wirst du viele, viele Jahre Spaß haben“ begleitet wurden, waren natürlich auch weg.
Generell wurden nur die teuer aussehenden und nicht schmutzigen entwendet.
Ich sollte mir also echt mal Gedanken machen, warum meine Schuhe so sauber waren.
Nun ja, der erste Gedanke, nachdem sie weg waren, war die Umrechnung in Zeit, die ich in Opotiki verbringen musste, um den Geldwert wieder einzubringen.
Ne halbe Woche…
Nachdem wir unserer Chefin davon berichteten, kam sie des Morgens zu unserem Haus und holte Marc und mich (die zwei, die es getroffen hat) ab, denn ohne Schuhe konnten wir nicht arbeiten.
Sie fuhr mit uns in einige Second-Hand-Shops, in denen wir erzählten, was passiert war.
Ein weitere Frau hatte ebenfalls angemerkt, dass ihre Schuhe in der letzten Nach gestohlen wurden.
Die Verkäuferin erwiderte darauf „Hach ja, typisch Ferienzeit!“.
Nun denn, ich fand keine Schuhe, lieh mir aber Gummistiefel für meinen letzten Arbeitstag.
Am Nachmittag kam unsere Chefin dann wieder an unserem Haus vorbei und brachte uns Schuhe, die der Besitzer der Kiwiplantagen spendete, nachdem er gehört hatte, was passiert ist.
Glücklicher Weise passte mir ein paar.
Es sind zwar keine Wanderschuhe sondern der Optik nach zu urteilen eher Bowlingschuhe, aber die Tatsache, dass wenn was beschissenes passiert, dies wiederum sofort Gutes generiert ist wieder mal eine schöne Erfahrung.

 

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