Daumen raus und los.

The Road Trip begins. Again.

01.08.2016 | 21:49

Ich sitze im Zelt auf einem Sportcampingplatz in einem Örtchen namens Maleny.
An unserem letzten Tag in Brisbane passierte nicht mehr viel Spektakuläres.
Wir wachten am Morgen auf, gingen auf einen Markt, kauften ein zwei Lebensmittel ein, kamen zurück, machten einen Powernap und dann verließen wir Djukas Heim.
Da wir gebummelt haben und etwas spät dran waren, entschieden wir uns, nicht per Anhalter weiterzureisen, sondern den Zug zu nehmen.
Djuka war so nett und fuhr uns zum Bahnhof.
Nächstes Ziel war eine kleine Stadt am Meer namens Noosa.

Der Zug stoppte irgendwann und alle Leute stiegen aus.
Léa und ich waren beide so in unsere Gedanken vertieft, dass wir die Durchsage des Lokführers nicht mitbekommen hatten.
Ein netter Kerl wies uns dann darauf hin, dass wir ab hier den Schienenersatzverkehr nehmen müssen. Hach ja, mit 30 kg auf dem Rücken ist das ein Spaß.
Der Bus war wesentlich kleiner und ich rempelte beim Durchgehen mit meinem Rucksack so ziemlich jeden Menschen in der Nähe meines Weges an.
Im Stadtzentrum stiegen wir dann in unseren finalen Zug um.
Dort kamen wir ins Gespräch mit einem Typen namens Bayley.

Er meinte, er wohne in einem Örtchen namens Maleny, welches wunderschön sein soll und so entschieden wir uns kurzer Hand, nicht nach Noosa zu fahren, sondern eben dorthin.
Es ist schön, wenn man keine richtigen Pläne hat und einfach spontanen Begegnungen folgen kann.
Das macht die Reise alles andere als reiseführertypisch und man lernt eine Menge lokaler Menschen kennen.
Der Verbindungsbus zwischen unserem Bahnhof und unserer Zielstadt kam nicht, sodass wir von der Bayleys Mama abgeholt und mitgenommen wurden.
Sie machte mit uns noch eine kleine Stadtrundfahrt und setzte uns dann auf dem Zeltplatz ab, auf dem ich mich soeben befinde.

Wir bauten im Dunkeln das Zelt auf, es war kalt und das Gras war pitschenass.
Dass kleine 2 x 1,40 m-Zelt, mit nur einer Membran hat so einige Probleme.
Zunächst ist es megaklein.
Trotz der angegebenen 2 m Länge kann ich mich nicht wirklich ausstrecken, dazu kommt, dass wir so unglaublich viel Gepäck haben, dass das knapp die Hälfte des Zeltvolumens ausgemacht hat.
Weiterhin wird es in diesem Zelt nass.
Sobald man an die Zeltwand kommt, ist es wie in ein Kaltwasserbecken einzutauchen, welches die Schwerkraft nicht mitbekommen hat.
Dazu kam, dass es eisig kalt war, ich schätze zwischen 5 und 7° Celsius.

Die Nacht war also eher semicool.

Am nächsten Morgen haben wir uns so ziemlich mit jedem auf dem Campingplatz unterhalten.
Alle Menschen außer uns sind hier sehr alte Australier, die im Winter vom Süden Australiens hier her geflohen sind.

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es noch nettere Menschen als in Neuseeland geben könnte, aber, hier sind sie es.

Jeder fragte uns, ob wir die kalte Nacht gut überstanden hätten, uns wurde Kaffee angeboten, eine Landkarte geschenkt, Tipps gegeben, überall sind die Menschen ungeheuer nett, es ist Wahnsinn.
Nach Neuseeland und Australien wird es mir ohnehin schwerfallen, keinen Plausch mehr mit der Kassiererin oder dem Kassierer im Supermarkt zu halten, wenn ich denn mal wieder in Europa bin.
Ungelogen, wenn man hier den Bürgersteig entlangläuft unterhält man sich durchschnittlich mit 50 % aller Menschen, die einem begegnen.
Es ist eine tolle Mentalität, die auch Deutschland gut vertragen könnte.

Nachdem wir also von den Nachbarn mit sämtlichen Infos zur Gegend ausgestattet wurden, gingen wir los.
Erst ging es Richtung „Innenstadt“, ich wollte einen Hut kaufen, nachdem mein toller Festivalhut in Opotiki verloren gegangen war.
Ein Hut ist hier dringend notwendig,denn es ist heiß.
Naja, keinen Erfolg gehabt.
Wir folgten einer einfachen Wanderstrecke, in Richtung eines schönen Flussabschnittes mit kleineren Wasserfällen.
Kaum hatte wir die Stadt verlassen, kreuzte auch schon die erste 2 Meter-Schlange unseren Weg.
Ein Diamant-Python, wie uns eine Frau in der Nähe berichtete.
Wohl nicht gefährlich.
Wir gingen weiter, lauschten der unfassbar riesigen Artenvielfalt an Vögeln und kamen irgendwann am Ort des Geschehens an.
Die Wasserfälle plätscherten in Ruhe vor sich hin und während Léa ein wenig schrieb, bewaffnete ich mich mit der Kamera und machte mich auf die Suche nach Schnabeltieren, die man in der Gegend wohl ab und an sehen kann (Wer noch nicht „Dogma“ gesehen hat, möge das bitte tun. Dieser Film beginnt mit einem netten Zweizeiler über das Schnabeltier.).
Leider hatte ich keinen Erfolg.
Auf dem Rückweg kam ich mit einem Australier ins Gespräch, der wohl Spaß daran hatte, ein paar Gruselgeschichten zu verbreiten.
Er meinte, dass hier prinzipiell jedes Tier versucht, einen umzubringen. Er belegte diese These hinreichend mit Anekdoten aus seinem Leben.
Hmmm, in der Tat gehen Léa und ich recht naiv an die Sache ran.
Ich werde demnächst wohl mal ein Überlebenshandbuch lesen.
Auf dem Rückweg haben wir dann in der Abenddämmerung doch noch Schnabeltiere gesehen.
Sie waren recht weit Weg und es gelang mir nicht, ein ordentliches Foto zu machen.
So war es erstmal ein Moment nur für mich. Dennoch ist Urlaubspaparazzo Franz mit Ehrgeiz dabei, im Blog ein Platipusbild abzuliefern 😉
Bei Dunkelheit kamen wir zurück in die Stadt, überlegten gerade, was wir als Abenddinierung zu uns nehmen wollen, da wurde uns auch schon von zwei Frauen Suppe angeboten.
Sie machten eine Aktion für die (36) Obdachlosen der Stadt. Die Kürbis-Linsensuppe war sehr lecker und hat uns super über den Abend gebracht, wir unterhielten uns noch eine Weile und dann gingen wir in einen Supermarkt und zurück zum Zelt.

Während Léa eine Dusche genoss, machte ich ein wenig Zeltorga, denn so wie die vorige Nacht konnte das Zelt nicht bleiben.
Ich nahm den Regenschutz meines Rucksacks und band ihn so weit es ging um meine Gitarre, um sie die für die Nacht nach draußen zu befördern.
Aus meinem großen Rucksack nahm ich alle teuren Sachen und jene, die mir wichtig waren.
Ihn packte ich in meinen Transportregenschutz und dann kam er ebenfalls neben das Zelt.
Mit meinen Percussion-Instrumenten baute ich eine kleine Alarmanlage.
Wenn jemand also meinen Rucksack stehlen will, werde ich es direkt neben meinem Kopf scheppern hören.
Ich hoffe, dass funktioniert im Zweifel.
Aber generell schätze ich diesen Ort hier als sehr vertrauenswürdig und sicher ein.
Naja, morgen werden wir sehen, ob ich recht hatte.

Gute Nacht!

02.08.2016 | 21:40

Ich sitze im Zelt auf einem Campingplatz in einem Örtchen namens Mapleton.
Soeben habe ich mir drei Schichten Creme auf meine Ekzeme geworfen.

Der Tag heute hatte Aufs und Abs. Oder eher Abs und Aufs.

Ich war recht zeitig wach, Léa schlief noch und so versuchte ich mich ruhig zu verhalten.
Als sie auch aufwachte ging ich duschen, in jener Zeit fing es an zu regnen.
Das war sehr ärgerlich, denn eigentlich wollten wir aufbrechen.
Doch das Zelt und alle darin zu organisieren, während es regnet, ist unmöglich, vor allem wenn aufgrund der schlechten Zeltqualität ohnehin einige Sachen nass sind, nur der Bodenfeuchte wegen.
Und so waren wir ein wenig an den Platz gefesselt.

Mit jeder Regenpause packten wir ein wenig mehr zusammen.

Es zeigt sich, dass die Feuchtigkeit ein Feind ist, gegen den wir wohl tagtäglich ankämpfen müssen.

Léa ging in die Stadt, während ich versuchte meinen Krempel weiter zu organisieren.
Ich folgte ihr später und teilte mir den Weg in die Stadt mit einem Mann, den ich am Vorabend am Suppenstand kennengelernt und heute auf dem Campingplatz wiedergetroffen hatte.

Wir wollten den Bus gen Montville nehmen, einer Stadt, die uns von nahezu allen älteren Campern aus unserer Nachbarschaft empfohlen wurde.
Das Zeitfenster bis dahin war kurz. Léa ging in die Stadt und ich folgte ihr, da ich mein Kamerastativ einen Second-Hand-Shop überlassen wollte,was ich auch tat.
Dann ging ich zurück zum Camp um alles einzupacken, denn die Zeit rannte und rannte.
Léa bummelte allerdings so sehr, dass wir den Bus verpassten, was mich richtig wütend gemacht hat.
Wir beschlossen dann zu trampen, was glücklicher Weise recht gut funktionierte.
In Montville angekommen entdeckten wir, dass es starke Unterschiede gibt, zwischen dem, was ältere Australier an Städten schätzen und was unsereins an Städten schätzt.
Montville ist eine Stadt mit einer nette Lage, die bei guter Sicht erlaubt, über Landmassen hinweg bis zum Meer zu schauen.
Man hat ein paar hübsche Häuser gebaut und Touristenläden hineingesetzt. Ein netter Ort, um arm zu werden, aber reichlich unspektakulär.
Den Bereich mit der schönen Aussicht hat man nahezu abgesperrt, denn überall sind Cafés und Bars, in welche man sich erst hineinbegeben muss um dann auf deren Terrassen die Aussicht zu sehen.
Insgesamt also ein Reinfall.
Übernachten konnten wir dort auch nicht, da es weder einen Campingplatz noch ein Hostel gab.
Wir gingen zurück zur Touristeninformation, an welcher wir auch angekommen waren und nahmen unsere Rucksäcke zurück, die wir dort freundlicher Weise für unseren Stadtbesuch dalassen konnten.
Die Damen dort meinten, wir hätten gerade unseren letzten Bus in Richtung nächster Campingplatz verpasst, aber sie bringen uns einfach dort hin.
Das war sehr nett.
Wir hatte zwar eine Alternative, denn eine Dame von einem Opal-Juwelier sagte uns, wo man am besten im Park illegal campen konnte, doch ein offizieller Platz war uns lieber.
Und so fuhren wir mit den beiden Damen, Veronika und Valerie zu dem Ort, in welchem Wir uns jetzt befinden.
Der Campingplatz ist sehr nett, es ist eine in den Regenwald geschlagene Schneise.
Zum Schutz vor Kälte und Nässe haben wir unser Zelt direkt am Rand leicht unter Bäumen aufgeschlagen.

Wir aßen ein wenig, dann gingen wir in den Dorfpub.

Dort war nicht wirklich viel los.
Ab an den Tresen, zwei Bier geordert und mit der Bardame geschnackt.
Durch sie wissen wir auch, was wir morgen machen werden, nämlich eine nette Buschwanderung.

Das Bier war ekelhaft, aber ich kann jetzt sagen, dass ich mal eines der großen australischen Biere getrunken habe.
Wir hatten auch riesigen Hunger und so fragte ich, ob die Pommes in pflanzlichem Öl frittiert würden. Dem war leider nicht der Fall.
Die Dorfköchin, eine liebe, sehr verbrauchte Mitfünfzigerin mit verrauchter Stimme, fragte mich, ob sie etwas anderes für mich tun könne.
Ich traute mir fast gar nicht danach zu fragen, aber ich war so elendig ausgehungert, dass ich sagte, ich suche nach etwas veganem.
„Ohoooo vegan, vegan“ grübelte sie.
„Wir haben einen Falafelsalat. Ach nee, Falafel werden frittiert.
Hmmm, ich kann einen Gemüseteller machen, mit Blumenkohl, Kartoffeln, Erbsen und Kürbis.
Ach neeee, Kürbis wird frittiert.
Obwohl, den kann ich auch in der Mikrowelle warm machen!“

Ich schreckte zurück.

Aber ich war hungrig. Und die Frau war nett.
Also sagte ich zu.

Es gab also in der Mikrowelle erwärmtes Gemüse.
Mit Ketchup.
Es war ein heillos uninteressantes Essen. Was daran schmeckte war die Grübelarbeit, die die Köchin hineinsteckte, sichtlich gewillt mir im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiterzuhelfen.
Es war irgendwie niedlich. Und ich hatte etwas warmes im Magen.

Eigentlich wollten wir im Pub ein paar Kontakte knüpfen, es war aber niemand da, den wir hätten knüpfen können.
Des weiteren schloss die Bar 8.30 Uhr.
Ich fragte, ob es noch ein weiteres Pub im Dorfe gebe.
Nö.
Also ging es recht zeitig zurück zum Zelt.
Und jetzt wird geschlafen.

05.08.2016 | 17:20

Wuhuuu, endlich komme ich zum Schreiben.
Ich wollte eigentlich täglich schreiben, aber irgendwie kam immer was dazwischen.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tage aufbrechen, aber ich habe das Gefühl, dass wir für alles drei mal länger brauchen als geplant.
Es regnete in der Nacht und so mussten wir den trockenen Morgen dafür nutzen unser Hab und Gut zu trocknen, denn uns Zelt hatte in der Nacht ein „Wasser willkommen“-Schild gen Himmel gehängt.

(Okay, und wieder habe ich grad 20 Minuten mit Leuten gelabert)

Während unser Krempel trocknete quasselten wir ein wenig mit unserem Nachbarn Wayne (jaja, Wayne interessierts!?).
Wayne ist korpulenter aber nicht dicker Mitvierziger, der mit seiner knuffigen Hündin Coco dauercampt und als Hausmeister auf dem Campingplatz arbeitet (Hmmm, heißt das dann Campmeister?)

07.08.2016 | 18:52

(Ja, es ist echt schwer hier mal zum Schreiben zu kommen. Die nächsten hatten mich dann abgelenkt.)

Nach einem Motorradunfall, den er hatte, weil er betrunken fuhr, was er war, weil seine Frau ihn verlassen hatte, geht er aus gesundheitlichen Gründen alles etwas ruhiger an.

Aber darum geht’s hier ja gar nicht :-)

Er bot uns an, uns zu einem Fluss zu bringen, zu einem seiner Lieblingsplätze in der Umgebung.
Ich diskutierte kurz mit Léa und wir schlossen uns ihm an.
Er erzählte viel aus seinem Leben zeigte uns ein paar nette Aussichten und dann kamen wir am Fluss dem sogenannten Obo Obi Creek an.
Getreu dem Motto „Alles in Obi“ packte er auch direkt nach Ankunft drei eisgekühlte Bierdosen aus seinem Kofferraum aus, in dem sich sonst nur Holzstücke, eine Axt und Coco befanden.
Ein gelungener zweiter Start in den Tag, nach dem ganzen Regenzeug.

Nach einiger Zeit quatschen und spielen mit Coco, die eine wohlerzogene Hündin ist, brachte uns Wayne wieder zurück zum Campingplatz.

Léa und ich beschlossen in die „Stadt“ zu laufen, etwas zu essen und dann weiterzuziehen.
So richtig geklappt hat das nicht.
Wir aßen zunächst bei einem niederländischen Italiener.
Dort verquatschen wir uns mit dem deutschen Mitarbeiter.
Dann ging es zum „Super“-Markt, ein wenig Nahrungsmittel kaufen.
Es war mittlerweile dunkel und wir wussten schon, dass es wohl mit Aufbruch am selben Tage nichts mehr werden würde.

Da wir selbst nichts haben um Nahrung zu erwärmen, und es nach Sonnenuntergang richtig kalt geworden war, machte ich den Vorschlag, in den Pub, welcher auf dem Heimweg lag, einzukehren um dort (ich schwöre: nur) einen Tee zu trinken.

Léa willigte ein.

Wir gingen in den Pub, begaben uns an den Tresen, der menschenleer war, bestellten einen Tee (im Angebot: schwarzer Tee oder schwarzer Tee). Und wärmten uns ein wenig auf.

Es gesellten sich ein paar lokale Biernasen an den Tresen und schon waren wir wieder in Gespräche verwickelt.
Wir redeten über alles, wo wir herkommen, wo wir hinwollen, was sie uns empfehlen und einer, der wohl von dem Anblick, dass zwei Menschen in einem Pub sitzen und einen schwarzen Tee trinken, so ergriffen war, gab uns für den Rest des Abends fleißig Biere aus.

Wir waren angetüdelt.

Später sahen wir in einem anderen Bereich des Pubs ein Klavier und eine Gitarre stehen, wir erkundigten uns, ob wir erlaubt waren, darauf zu spielen und machten eine kleine Jamsession.
Die Menschen, die dabei aßen, erfreuten sich sehr daran, einer kam sogar dazu und spielte mit Léa vierhändig Klavier.

Zurück am Tresen wurde uns das nächste Bier ausgegeben.
Man kann ja schlecht „nein“ sagen.

Pünktlich zur Pubschließung (wieder um 8.30 Uhr) verließen wir den Laden und nach einiger Laufzeit am Zelt ankommend empfing uns auch schon Wayne und lud uns zum Filmabend in seinem Wohnanhäger ein.
Er machte dort eine Zweimannparty mit Peter, einem 60-jährigen dicklichen Kameramann mit schräg-sexistischem Humor.
Wir schauten zwei Horrorfilme, redeten und lachten dabei die meiste Zeit und irgendwie wurden uns dort auch dauerhaft kalte Biere vor die Nase gehalten.

Man so was wohl als „Glückstag“ bezeichnen :-)

Irgendwann nach Mitternacht, viel zu spät um am nächsten Tag früh aufbrechen zu können, angetüdelt, ging es dann zurück ins Zelt.
Es goss aus Kannen.

Am nächsten Morgen, wieder Hab und Gut getrocknet, kam dann gegen 12 Peter vorbei und bot an, uns in die nächste größere Stadt zu bringen.
Wir nahmen dankbar an.

Dort besuchten wir zunächst einen Outdoorladen in der Hoffnung etwas zu finden, was uns trocken hält. Leider fanden wir nichts zufriedenstellendes.

So gingen wir mit unseren vielen Kilogramm an Gepäck zum Stadtrand und versuchten weiter nach Norden zu trampen.
Ein nettes Mädel nahm brachte uns raus aus der Stadt bis zum Beginn des Highways.
Wir wartetet ewig, erhielten viel zusprechendes Hupen und Winkereien, jedoch hielt keiner an.
Außer nach einer Dreiviertelstunde ein Polizist auf nem Motorrad.

„Seid ihr Australier?“
– „Nö, Europäer“
– „Trampen ist hier verboten.“
– „Was? Wirklich?“ flunkerten wir
– „Ja. Das geht einige Jahre zurück, als einige Backpacker ermordet wurden. Ihr kriegt ne Verwarnung und geht zurück in die Stadt!“

Och nööö.
Zu Fuß war die Stadt zwei Stunden entfernt.
Das macht mit 30 kg auf dem Rücken keinen Spaß.
Zudem mussten wir auf dem zu Stadt eine Brücke passieren, die nur für motorisierten Verkehr ausgelegt war (wir umgingen sie am Ende durch eine Buschwanderung).
Ewigkeiten später kamen wir komplett erschöpft in der Stadt an, in der wir mittags begonnen hatten.
Wir erkundigten uns nach dem Zug und stellten fest, dass wir drei Stunden warten müssen.
Eigentlich aus Geldspargründen forciert Restaurants zu vermeiden, war ich so demotiviert und ausgelaugt, dass ich irgendwo etwas dinieren musste.
Es ging zum Mexikaner.

Am Abend fuhr dann also der Zug zum nächsten Ort, eine Stunde Fahrt.
Ein Shuttle brachte uns zu einem Campingplatz, wir liefen noch ein wenig desorientiert durch die Gegend und irgendwann schliefen wir dann auch.

Am nächsten Tag hieß es Aufbruch am frühen Morgen. Überraschender Weise brauchten wir auch nicht so lange und verließen gegen 10 den Campingplatz.
Nach 5 Minuten hielt auch schon ein nettes Mädel für uns und brachte uns zu unserem Zielort: Hervey Bay.
Von hier wollten wir zu Fraser Island, der weltweit grüßten Sandinsel weiterreisen.
In Hervey Bay angekommen, haben wir den ersten Tag nicht viel gemacht, die hässliche Stadt angeschaut und einen Zeltplatz gesucht.
Am Abend wollten wir Lebensmittel einkaufen. Keine Chance, in diesem Kaff macht jeder Laden gefühlt am frühen Vormittag zu.
Wieder kraftlos und hungrig sagte ich zu Léa, dass ich ne Runde indisches Restaurant springen lasse.
Puh, das war ne Erfahrung.

Im Restaurant hingen noch die Gardinen des offensichtlich italienischen Vorgängerrestaurants (grün-weiß-rot).
Es lief ein Fernseher, der indische Musik darbot.
Der Tisch war war mit Kunstblumen und einem elektrischen (!!!) Teelicht garniert.
Die Bedienung wirkte, als käme sie frisch von der Serviceschule, roboter-artig fragte sie uns aus, was wir haben wollen.

Das Essen war hundeteuer, aber gut.

Wieder mal waren wir die letzten.

Als sämtliche Gäste außer uns abgezogen waren kam der Koch (der als einziger in dem Restaurant aussieht als könne er indischer Abstammung sein), und schaltete am Fernseher zu einem Kanal, der einen indischen Krimi (oder so) zeigte.
Léa und ich wollten eigentlich unsere Fraser Island-Tour planen, doch der Fernseher war so penetrant, dass ein Gespräch unmöglich war.
Wir verließen das Restaurant, liefen noch ein wenig umher, in der Hoffnung, noch eine nette Lokalität für einen Absacker zu finden und gingen dann doch letztlich schlafen.

Am nächsten Morgen haben wir dann unseren Trip zur Insel gebucht.
Mit dem Flugzeug rüber und dann nen Jeep mieten.
Wir waren erleichtert, dass wir endlich etwas gefunden hatten, was nett klang und in unserem Budget lag.
Wir wuschen Wäsche und machten uns am Strand breit.
Dort genossen wir das Nichtstun, ich spielte die ganze Zeit Gitarre.

Baden konnten wir leider nicht, man dient in dieser Gegend wohl schnell als Haifutter.
Und ehe ich dem Hai das mit meinem Veganer-Karma erklärt habe, hat er sich mich wohl schon längst zwischen die Kiemen geschoben.
Am späten Nachmittag ging es dann letztlich zum Supermarkt, am Abend aßen wir und dann ging es früh ins Bett, denn der Wecker sollte am nächsten Morgen um 5.45 klingeln.

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