Hier kommen wieder die Léabilder. Hier: Beim Trampen.

Und weiter ging’s

11.08.2016 | 17:57

Ich sitze in einem Auto.
Ein lieber Kerl, dessen Namen ich leider vergessen habe, chauffiert uns seit über 4 Stunden durch das Land.
Weitere 4 Stunden wird die Fahrt noch dauern, bevor wir an unserem Zielort, namentlich Townsville, ankommen.

Vor einigen Tagen haben wir Hervey Bay verlassen, ich versuche mal zusammenzukriegen, was seitdem passierte.
Zunächst waren wir uns nicht schlüssig, ob wir von Hervey trampen wollten oder nicht.
Denn die Lage und Größe der Stadt war nicht gerade rosig fürs Trampen.
Nach langer Diskussion entschieden wir uns, mit dem Bus Richtung Agnes Waters zu fahren.
Was uns dort erwarten würde, wussten wir nicht, es wurde uns aber von einigen Menschen empfohlen.
Im Bus saßen einige Backpacker, niemand sprach mit irgendjemandem.
Waren vermutlich alles Deutsche :-)
Die Fahrt an sich war wenig spektakulär.
Der Bus machte irgendwann eine Pause, in der Léa und ich ins Gespräch mit einem Mädel kamen.
Anne heißt sie und ist gebürtige Dresdnerin.
Wir quatschten auf ner Wiese während der Bus pausierte und dann geschah es!

Trommelwirbel

Wir sahen unsere ersten Kängurus!
Die beiden hopsten fröhlich über ein Feld.
Das wars auch schon.

Der Bus fuhr später fort.
Und wir mit ihm, natürlich.
Irgendwann kamen wir dann auch an.

Anne wurde von einem Shuttle ihres Hostels abgeholt und Léa und ich hatten noch gar keinen Plan.
Neben den Menschen des Hostels von Anne waren noch andere Hostelmenschen vor Ort.
Sie rochen, dass wir eventuell zahlende Kunden sein können.

12.08.2016 | 11:42

So warben die Hostels mit ihren Konditionen, wir wollten jedoch eigentlich nur zum günstigen Zeltplatz.
Am Ende hat uns das Hostel von Anne mitgenommen, die haben geprüft, ob man bei ihnen zelten kann, was nicht ging und dann haben sie uns netter Weise zum Zeltplatz gefahren.
Alles sehr nette und entspannte Leute.

Der Zeltplatz war komplett voll, aber mit unserem 3 m²-Zelt sollte es ja wohl irgendwie möglich sein, sich niederzulassen.
Ich fragte in eine Runde ältere Leute, die um eine Feuer saßen, ob sie wüssten, wo wir unser Kompaktzelt aufschlagen können und prompt bot uns einer von ihnen an, das er seinen Platz gern mit uns teilen kann.
Gesagt getan, wir schlugen unser Zelt auf und fanden nach dem Wasser im Zelt einen neuen Feind:
Sand.
Zelten auf sandigem Boden ist wirklich gemein.

Aber zumindest kriegt man ein Gratispeeling, während man schläft.
Das taten wir jedoch noch lange nicht.
Wir schnappten alle Instrumente, trafen uns mit Anne, kauften ein paar Bier und ein paar Cider und begaben uns an den Strand.
Der quasselten wir und machten Musik.
Später kamen ein paar andere Leute hinzu und machten ein Feuer, für was ich im Vorfeld zu faul gewesen bin.
Bis tief in die Nacht genossen wir die gemeinsame Zeit bis es dann kurz vor der Morgendämmerung zurück ins Zelt ging.

Des nächsten Tages passierte nicht viel.
Ziel war es, zum 1770-Strand zu kommen, der uns von unzähligen Menschen empfohlen wurde.
1770 heißt dieser, da an 1770 an jener Stelle James Cook zum ersten Mal auf das australische Festland kam.
Wir trafen uns wieder mit Anne, kauften ein paar Habseligkeiten ein und trampten zum Strand, der ca. 10 km von uns entfernt war.
Mit zwei Mädchen im Schlepptau geht das doch sehr schnell, wir haben nicht mal eine Minute gewartet.
Dort angekommen haben wir uns einfach an den Strand gehauen und komplett so einfach überhaupt nichts gemacht, was richtig gut tat.
Es war mein erstes Mal Baden in der See vom australischen Festland aus.
Das Wasser war frisch, keine Haie, keine Quallen, keine Krokodile, insgesamt also recht gute Badekonditionen für australische Verhältnisse.
Am Abend ging es wieder zurück, erneut kauften wir ein.
Ich fragte in Annes Hostel, ob es okay ist, wenn wir dort kochen, was komplett klar ging.
Richtig entspaaaaaaaannt!

Wir kochten ein wenig Gemüse-Kartoffelzeug, quatschten mit tausend Leuten, verabschiedete uns von Anne und dann ging es recht zeitig ins Bett.
Denn am nächsten Tag wollten wir zeitig aufbrechen um einige Kilometer gen Norden zu machen.

Nach aufstehen, Zusammenpacken, Zeltabbau, Frühstückseinkauf, Frühstücksverspeisung starteten wir dann auch schon gegen 13 Uhr mit dem Trampen…

Es klappte erstaunlich gut, erst nahm uns ein Mädel raus aus der Stadt.
An der nächsten Station warteten wir ein wenig, ein leerer Schulbus kam.
Ich scherzte noch, dass es cool wäre, in einem Bus zu trampten, Léa meinte, dass Busse nie anhalten und schon stoppte der Bus und fragte quo vadis.

Ein Hoch auf unser’n Busfahrer!
Allein in einem Schulbus zu trampen hat schon richtig Stil.
Er nahm uns ca. eine halbe Stunde mit, bis zur nächsten taktischen Kreuzung.
Dort warteten wir vielleicht zwei Minuten, bis ein älteres Paar für uns anhielt.
Sie sahen nicht so aus, als würden sie oft Tramper mitnehmen, waren aber super lieb und haben uns einige Tipps für unsere Tour gegeben.
Und nicht nur das!
Der Mann, welcher am Steuer saß, bot uns an, eisgekühltes Bier aus der Kühlbox zu unseren Füßen zu nehmen, welches er auch selbst während der Fahrt trank.
Columbianisches Bier war es, gar nicht mal so schlecht.
Nach circa einer Stunde ließen sie uns kurz vor der Ausfahrt raus, die sie zu ihrer Heimat bringt und wieder haben wir nur 2 Minuten auf das nächste Auto gewartet.
Ein Ingenieurstudent, der zur Zeit seine Masterarbeit für das Thema erneuerbare Energien schreibt, machte halt.
Er war niedlich. Nicht sehr gesprächig, aber offen zu reden, wenn man ein paar Themen anschnitt.
Als Tramper bezahlt man nicht mit Geld, sondern meiner Meinung mit Geschichten und guten Gesprächen.
Durch den Chewbacca-Wackeldackel auf dem Armaturenbrett ließ sich doch schnell ein Thema finden, zu dem unser Fahrer viel zu erzählen hatte.
Nach 2 Stunden ließ er uns in einer Stadt namens Rockhampton raus.
Das erste, was wir mit dieser Stadt verbanden, waren die Worte, der Frau, welche wir im Flugzeug gen Fraser Island kennenlernten, die in Rockhampton geboren worden war, dass wir auf keinen Fall unter der Brücke schlafen sollten, da man das wohl nicht überlebt.
Hmmmm.
Es war gegen 17 Uhr, eine Stunde bevor es dunkel wurde.
Wir versuchten also unser Glück und hielten wieder den Daumen raus, in der Hoffnung, diese Stadt schnellstmöglich gen Norden verlassen zu können.
Doch niemand machte Halt.
Mit unserem Krempel begannen wir nach einer Stunde Erfolglosigkeit zurück gen Stadt zu laufen.
An den Bushaltestellen gab es leider keine Informationen, ob und wann ein Bus fährt.
So liefen wir weiter zu nem kleinen Fast Food-Dorf, in dem ich einen Mann fragte, wie man denn am besten zu Innenstadt käme, weil wir dort einen Schlafplatz suchen müssen.
Der Mann, Greg, mitte 40, pummelig, erkannte die Botschaft meines Backpackerhundeblicks sofort und bot uns, nachdem er feststellte, dass kein Bus mehr fuhr, uns zu einem Campingplatz zu fahren.
Perfekt.
Mit 5 verschiedenen Menschen an einem Tag mitzufahren ist unser bisheriger Rekord.
Greg erzählte uns ein wenig über Rockhampton, es ist wohl die Beef-Hauptstadt und man könne auch Touren in den Zuchtbetrieben machen.
Er ist Angestellter in einem Baumarkt.
Er schien sehr stolz zu sein, auf seine Heimatstadt, auf seinen Betrieb, er erfreut sich am Wachstum der Stadt, an feindlichen Übernahmen durch die Firma, für die er arbeitet, nur die Indigenen in der Stadt mag er nicht so und warnte uns vor ihnen.
Er wirkte auf mich, wie ein Mensch, der super ins kapitalistische System passt, bei dem die Gehirnwäsche des Kapitals bestens funktioniert hat.
Ebenso, ist er ein sehr netter und hilfsbereiter Mensch, der uns jenen Abend gerettet hat.

Generell (um mal einen kleinen Schwung in meine Gedankenwelt zu machen) merke ich doch immer mehr, wie unwohl ich mich im System des Kapitalismus fühle, wie traurig es mich macht, dass Menschen ihre Freude und ihre Zufriedenheit von Geld abhängig machen und das mit dem Geld auch dessen Werte vermittelt Werten, die üblicher Weise selten auf empathischen Grundsätzen beruhen.
Ich sehe es auch bei einigen meiner ehemaligen Klassenkameraden, mit denen ich nicht mehr wirklich viel zu tun habe aber dennoch via Facebook verbunden bin.
Sie veröffentlichen Stolz ihre beruflichen Erfolge, das Berufsleben scheint immer mehr zum Privatleben zu werden, geht es der Firma gut, geht es ihnen gut.
Mir gehen bei dem Gedanken einige Sachen durch den Kopf.
Man könnte nun sagen, dass es doch egal ist, warum Menschen glücklich sind.
Ob es nun ein Check mit einer hohen Summe ist oder eine Umarmung oder ein neues Auto oder ein gutes Essen, Hauptsache man ist glücklich.

Grundsätzlich stimme ich dem schon zu, ich freue mich für Menschen, wenn sie glücklich sind.
Was mich stört, ist, dass im derzeitigen System das Glück einiger zulasten vom Glück vieler wird.
Es ist ein ganz klassisches Ausbeutungsprinzip.
Und es geht nicht darum, dass man anderen einfach eine Portion Glück wegnimmt, nein man beschert ihnen Elend.
Ist es also nicht anzustreben, Wege des Glücklichseins zu finden, die zulasten von niemanden gehen?

12.08.2016 | 23:02

Man speist und stärkt dieses Modell doch durch dessen Teilnahme.
Oder nicht?
Und speise ich selbst dieses System? Speisen wir alle dieses System?
Ich versuche Wege daraus und Ausflüchte zufinden.
Oder Ruhe ich mich auf dem Protest aus, den ich verübe, und bin dabei immer noch systemkonform genug?
Ich meine, auch mit meiner Anwesenheit geht’s dem Kapitalismus ja recht gut.
Und eine Satirikerin sagte vor gar nicht allzu langer Zeit, als sie jenes System kritisierte: „Solange das Publikum sich unterhalten fühlt und der Satiriker seine Satire bezahlt bekommt ist mit dem System doch alles in Ordnung, oder?“
(Das war jetzt sehr frei übersetzt)

So, das was jetzt mit meinem kurzen Gedankenausflug, welcher, als ich begann auch stärker ausgeprägt war, als er es jetzt ist, denn eventuell habe ich schon das ein oder andere Bier getrunken :-)

Nun aber wieder zurück zur Geschichte:

Wir kamen also Dank Greg am Campingplatz an.

14.08.2016 | 09:23

Das Zeltareal war am Ende des Campingplatzes positioniert.
Direkt neben der Brücke des Highways. Neben einem Strommast.
Naja.

Schilder wiesen darauf hin, dass man den am Fluss gelegenen Campingplatz nicht Richtung Fluss verlassen soll.
Die Krokodile würden sich wohl darauf freuen.

Mal wieder im Dunkeln bauten wir unser Zelt auf, warfen unser Zeug rein und begaben uns in die Innenstadt um wenigstens ein wenig was von der Rindshauptstadt gesehen zu haben.
Okay, eigentlich wollten wir nur was essen und waren zu faul zum Kochen.

Wir entschieden uns für die traditionelle australische asiatische Küche, Leá hatte Sushi und ich ein paar Reisnudeln.
Wir saßen uns auf ein Bank und beobachteten die Menschen, die sich des Abends noch auf die Straße trauten.
Größtenteils nur Spinner, die mit ihren Pick-Ups irgendwelche rennen fuhren.

Am nächsten Morgen waren wir mal wieder drei Stunden später dran als eigentlich geplant.
Mittags nahmen wir einen Bus raus aus der Stadt.
Wir warteten 40 Minuten, in dieser Zeit sahen wir unzählige Laster, die Rinder deportierten.

Die Endhaltestelle des Busses war perfekt zum Trampen.
Die Fahrerinnen und Fahrer konnten uns schon langfristig vorher sehen und hatten genügend platz zum Anhalten.
Nach vielleicht 10 Minuten machte auch schon jemand halt.
Karl oder Carl, keine Ahnung, wie er sich schreibt.
Er machte eine lange Tour Richtung Townsville, was cirka 9 Stunden fahrt bedeutete.
Wir wollten eigentlich zum Airlie Beach, der nur 4 Stunden entfernt war.
Nach einiger Bedenkzeit entschieden wir uns aber, mit nach Townsville zu kommen, der Gedanke, einige Kilometer zu machen, war recht nett.

Die Fahrt war recht lustig, auch wenn ich euch sagen muss dass ich jetzt wesentlich mehr tote Kängurus auf der Straße gesehen habe, als lebendige irgendwo rumhüpfend.

Gegen 22.30 Uhr kamen wir in Townsville an.
Wir hatten Kcarl angeboten, in einem Pub ein paar Bier auf unsere Kosten zu trinken.
Vorher suchten wir jedoch nach einem Campingplatz.

Es gab zwei.

Der erste hatte ein Schild an der bereits geschlossenen Eingangstür, dass Check-Ins nach 22 Uhr nicht mehr möglich seien.
Wir wunderten uns, denn eigentlich ist es Gang und Gebe, wenn man später kommt, dass man sich irgendwo hinwirft und den Papierkram dann am nächsten Morgen macht.
Doch wir hatten Glück, dachten wir.
Den ein Mann mit dem Campingplatzemblem auf dem Poloshirt hüpfte noch durch die Gegend herum.
Der sagte erst, das alles belegt sei. Als ich darauf hinwies, dass wir lediglich ein 3 m²-Zelt besitzen überlegte er kurz und meinte, dass es nicht geht, weil wir alle anderen aufwecken würden.

Schönen Dank auch.

Kcarl war so nett und fuhr uns noch zum zweiten Campingplatz.
Dort war kein Mensch und alles tot.

Wir entschieden uns also in den sauren Apfel zu beißen und für viel Geld ein Hostel zu buchen.
Ich rief bei ein paar Hostels an, die meisten hatten schon zu.
Es war schließlich mittlerweile zwischen 23 Uhr und Mitternacht.

Eines hatte noch offen und so so Checkten wir dort ein.
Das Hostel an sich war sehr schick.
Es hatte eine Poolterasse mit Bar und war gar nicht sooo teuer, mit 25 Dollar pro Nase.

Wir wurden direkt von ein paar Leuten empfangen, die mit uns quatschen wollten, wir jedoch wollten Kcarl nicht zu lang vorm Hosten warten lassen.
Sie fragten uns, welches Zimmer wir gebucht hätten, ich sagte „12“ und sie meinten oh oh oh, da wird gerade Geschlechtsverkehr ausgeübt, weswegen sie sich draußen aufhalten.
Nach 11 Stunden unterwegs sein war mir das recht herzlich egal, ich wollte einfach nur meine 30 Kilogramm abwerfen und ein Bierchen schlürfen.
Ich klopfte also langsam drei Mal und dann gings rein.
Die beiden hatten sich glücklicher Weise in die Dusche begeben.

Wir warfen in dem 6-Mann-Raum unser Zeug ab, trafen wieder auf Kcarl und hatten ein paar Bier inem Pub.

Der nächste Tag war recht entspannt.
Ich hatte nur 5 Stunden Schlaf, doch fühlt mich sehr ausgeruht.
Es ist ein riesiger Schlafqualitätsunterschied, zwischen Zelt und Bett.

Wir frühstückten am Flussufer und beschlossen noch eine Nacht in dem Hostel zu bleiben, weil wir ein paar soziale Kontakte schließen wollten.
Wir liefen ein wenig durch die Stadt, ich war auf der Suche nach einer neuen Sonnenbrille.
Da meine vorherige leider ihren Geist aufgegeben hat.
Es ist schon witzig, wenn man einen so kleinen Kopf hat, dass man gezwungen ist, ausschließlich nach Kindersonnenbrillen zu suchen. Ich hatte jedoch Erfolg, wir gingen zurück zum Hostel und dann recht schnell weiter um einen Spaziergang auf einen Hügel zu machen.

Leider wurde es zu schnell dunkel und so beschlossen wir, uns einfach am Hafen in einen riesigen Baum zu setzen und ein wenig abzuhängen.
Das war eine großartige Idee.
Wir saßen dort für etwa zwei Stunden ohne einen Laut von uns zu geben und beobachten eine Vielzahl ein Eichhörnchen, die überall im und unter den Baum nach Nahrung suchten.
Danach ging es zum Inder essen.
Ich habe das Gefühl, dass wir nahezu jedes indische Restaurant in Neuseeland und Australien besucht haben….
Danach noch zwei Bier auf der Poolterrasse getrunken und ins Bett, für soziale Kontakte waren wir zu müde.

Kcarl hatte uns den Besuch von Magnetic Island, einer Tropeninsel empfohlen.
Und so beschlossen wir, am nächsten Tag die Fähre zu jenem Eiland zu nehmen.

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