Jepp.

Von der Regenwalder Mühle

19.08.2016 | 22:26

Ich sitze im Zelt in einem Örtchen namens Kuranda.
Es ist megawarm. Das Zelt öffnen geht aber nicht wirklich, von draußen klopfen schon die Moskitos an.
Die letzten Tage ist gefühlt viel passiert, ob dem tatsächlich auch so ist, werden ich und ihr beim Betrachten der nächsten Zeilen feststellen.

Wir betraten von der Fähre kommend wieder Festland.
Der Plan war, mit nem Bus die Stadt gen Norden zu verlassen und von dort aus zu trampen.
Dummer Weise hatten wir nicht die Rechnung mit den ÖPNV-Netz gemacht.
Der nächste Bus in unsere Richtung fuhr erst am Nachmittag.
In der Stadt trampen ist aber nicht erfolgsversprechend und außerdem erweckt das nur die Neugierde der Polizei.
Also schlossen wir mit dem Gedanken ab, dass wir an jenem Tage weit gen Norden kommen würden und warteten brav auf den Bus.
Dieser brachte uns raus aus Townsville zu einem Campingplatz am Highway.
Dort quasselten wir mit älteren Menschen in der Campingküche und dann ging es recht zeitig ins Bett.

Am nächsten Tage registrierten wir, dass trampen auch von dort schwer werden könnte.
Man konnte am Highway nicht entlanglaufen aber an der Stelle, an welcher wir uns befanden, hatten Autos auch keine Möglichkeit für uns anzuhalten.
Also gingen wir zu einer kleineren Straße nebenan.
Ebenfalls keine gute Stelle, aber immerhin sicher.
Wir warteten sehr lange.
Wir versuchten Rumblödeln, Gitarre spielen und und und.
Erst nach anderthalb Stunden hielt jemand an mit den Worten: „Das ist hier aber ne ganz schlechte Stelle zum Trampen.“

21.08.2016 | 18:58

Er brachte uns schließlich ein, zwei Kilometer auf den Highway, was ein wesentlich besserer Platz war.
Nach schon 5 Minuten hielten zwei Inder für uns an, die uns einige hundert Kilometer gen Norden brachten.
Trampen mit Indern!? Ist ein wenig wie Taxi fahren 😉
Wir redeten nicht sehr viel mit ihnen aber sie waren sehr freundlich.
Der Inderpapa brachte uns sogar zwei Dosen Cola von der Tankstelle mit.

Während der Fahrt konnten wir weiter beobachten, wie sich die Landschaft des Landes ändert.
Mit Eindringen in die feuchte Tropenzone waren am Rande des Highways unzählige Zuckerrohr- und Bananenplantagen zu sehen.

Das ist eine Sache, die sich vom Reisen mit dem eigenen Auto doch stark unterscheidet:
War es sonst möglich, überall Halt zu machen, wo man wollte, ist man nun an die Menschen gebunden, die einen mitnehmen. So geht womöglich einiges Interessantes verloren. Die menschlichen Kontakte, die wir aber machen, gleichen dies jedoch definitiv aus.
Wie es mit den nächsten Menschen der Fall war, die uns mitnahmen.

Geoff und Trixie, zwei Rentner aus dem Süden Australiens.
Sie hielten für uns an mit den Worten, dass sie wollen, dass wir sicher sind und nicht mit irgendwelchen Deppen mitfahren.
Sie fragten uns, wo wir hinwollten. Cairns war das Ziel.
Sie meinten sie können uns bis circa hundert Kilometer davor mitnehmen, dann müssen sie gen Landesinneres abbiegen. Das war uns recht.
Wir redeten viel auf der Fahrt, die beiden reisen in ihrem Rentnerleben fröhlich durch die Gegend und machen das, was viele im Süden lebende Australier tun: Sie flüchten vor dem Winter und reisen gen Norden.
Ihr Ziel war ein kleines Örtchen namens Ravenshoe, welches inmitten von Feldern und Regenwald liegt.
Die beiden waren waren sehr nett und wir waren ein wenig zu träge um am selben Tage noch einmal zu trampen. Also beschlossen wir, uns ihnen einfach anzuschließen.
Und so ging es nach Ravenshoe…
Dort angekommen checkten die beiden in ihrem Hotel ein, an welchem auch ein Pub angeschlossen war.

Wir fragten, ob wir im Hinterhof unser Zelt aufschlagen dürfen und tadaa, kein Problem.
15 Dollar mussten wir dafür geben, das war ein fairer Preis.
Geoff und Trixie gaben uns ein Bier aus und dann beschlossen wir, den Rest des Abends miteinander zu verbringen.
Wir speisten gemeinsam im Restaurant des Hotels und hatten später auf der Terrasse ihres Zimmers ein kleine Jamsession und schwätzelten viel.
Die beiden sind wirklich tolle Menschen. Geoff ist Vegetarier und die beiden sind politisch links einzuordnen. Sie kämpfen in Australien für eine bessere Flüchtlingspolitik.

Am nächsten Morgen trafen wir uns zum Frühstück, es gab Geoffs selbstgemachtes veganes Müsli mit Mandelmilch.
Danach fuhren wir zu einer Wanderung in den Regenwald.
Es regnete den ganzen Tag. Deswegen heißt das wohl Regenwald…
Die Wanderung selbst war magisch.
So viele verschiedene Pflanzenarten, Wahnsinn!
Ob des starken Regens haben wir leider nicht so viele Tiere gesehen, aber das war okay.
Am Nachmittag hieß es Abschied nehmen.
Wir wollten den 16 Uhr-Bus gen Norden nehmen, um dann von dort weiter zu trampen.

Susan, die nette Kellnerin des Restaurant hatte uns sämtliche Buszeiten aufgeschrieben und einige Tipps für die Gegend gegeben.
Wir begaben uns zur Bushaltestelle, nahmen Abschied und…
… und kein Bus kam.
So waren wir mehr oder minder gezwungen, noch einen weiteren Tag zu bleiben.
Es ging zurück ins Hotel.
Dort fragten wir den Barkeeper, ob es okay sei, wenn wir auf der Couch auf der Terrasse schlafen, denn das Zelt bei Regen aufzubauen ist wirklich nervig.
15 Dollar mussten wir zahlen und dann ging es klar.

Die älteren Herrschaften aßen Abendessen im Restaurant, Léa und ich entschieden uns aus Budgetgründen, nur etwas vom Supermarkt auf der Terrasse zu essen.
Später kam Trixie hinauf und sagte, das im Restaurant zwei Leute spontan Musik machen.
Ein Duo, aus Melbourne, welches dort eigentlich nur essen wollte und dann aber das Klavier sah und mit feinsten Musikstücken loslegte.
Trixie wollte, dass ich zum jammen mit herunterkomme, sie hätte den beiden schon von mir berichtet.
Ich lehnte ob meiner Schüchternheit gegenüber professionellen Musikern dankend ab.
Sie sagte darauf, dass sie mir auch ein Bier ausgeben würde.
Ich sagte ob meiner Liebe zu gutem Bier zu.
Also ging es runter, das komplette Restaurant voll mit Menschen, die dem Duo lauschten.
Ich stolzierte mit meiner Klampfe herein, suchte mit ein Plätzchen und dann ging es auch schon los. Die beiden sagten mir die Tonarten und dann hieß es: mithalten.
Bluesige Stücke waren kein Problem, beim Jazz, den ich gern höre, aber eigentlich nicht zu spielen vermag, habe ich mich offen gestanden irgendwie durchgemogelt.
Immer wieder haben die beiden Passagen eingebaut, in denen ich drüber solieren sollte.
Ich hatte ganz schöne Schweißperlen auf der Stirn.
Doch die Leute waren begeistert.
Ich musste an dem Abend für kein Getränk mehr zahlen.
Nach unzähligen Gesprächen mit so ziemlich jeder Person im Raum ging es dann auch irgendwann spät ins Bett.
Die Besitzerin, welche mitbekam, dass wir auf ner Couch schlafen wollen, bot uns an, dass sie uns auch eine Matratze in den Wäscheraum werfen können, wo es wärmer sei, doch wir lehnten dankend ab.
Gern wollte sie uns auch ein Zimmer geben, aber das Hotel war komplett ausgebucht.

Der nächste Morgen startete wieder mit Packen, noch einer spontanen Minijam mit mir und zwei Ukulelen und dann ging es mit Geoff und Trixie weiter, die zu einem Teil in unsere Richtung fuhren.
Wir schauten uns einen Wasserfall an, und zwei Vulkankraterseen.
In einem von den beiden haben wir unsere ersten wild lebenden Schildkröten gesehen :-)

In einem Pub auf dem Weg gaben uns die beiden ein letztes Bier (genau genommen: Cider) aus und dann warfen sie uns auf einer Landstraße raus.

Von dort aus trampten wir mit zwei älteren Hippies nach Kuranda, einer Hippiestadt, die uns von vielen Menschen empfohlen wurde.

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