Tänzelnd.

Smells like Hippie Spirit

25.08.2016 | 18:45

Ich sitze im Zelt auf einem Campingplatz in Cairns, einem unserer großen Etappenziele.
Bevor ich aber von der Gegend hier erzähle, komme ich erstmal zu unserer Zeit in der Hippiestadt Kuranda.

Wir kamen dort am späteren Nachmittag an und landeten auf einem Campingplatz mitten im Regenwald.
Gemütlich haben wir unser Zelt aufgebaut, sämtliche Nachbarn haben uns freundlich begrüßt.
Der Weg vom Campingplatz in die Stadt war interessant.
Man musste erst durch den Wald, dann 10 Minuten Bahngleise entlanglaufen, die laut der Dame von der Rezeption nicht mehr genutzt werden, dann noch ein wenig Weg durch einen Waldabschnitt und dann war man auch schon da.
Für uns war es besonders spannend, denn es war bereits dunkel, als wir losmarschierten.
Wir mussten in die Stadt, denn wir hatten einen Bärenhunger und unsere Vorräte waren komplett aufgebraucht.
Mit Léas Stirnlampe bewaffnet machten wir uns also auf und erkundetet den Weg zur Stadt.
Unzählige Kröten und Spinnen hatten sich auf dem Weg breitgemacht, insgesamt kam uns alles wesentlich länger vor, als von der Rezeptionsdame geschildert.

Gegen 19 Uhr in Kuranda angekommen, fiel uns auf, dass die Stadt komplett wie ausgestorben wirkte.
Nirgendwo war mehr Licht, die Läden waren alle geschlossen.
Unglücklicher Weise hatte ebenfalls der Supermarkt bereits geschlossen.
Wir fragten in einer Bar (einer von zwei geöffneten Bars) wo man denn in dieser Stadt was zu Essen kriegen kann.
Zwei Möglichkeiten gab es: Fish ’n‘ Chips oder nen Pizzamann. Und wir sollten uns beeilen, denn beide haben nur bis 20 Uhr geöffnet.
Wir entschieden uns für den Pizzamann und sündigten: Es gab Käse oben drauf.

25.08.2016 | 22:33

Dann haben wir uns zurück zum Campingplatz gedunkelt und es ging ins Bett.

Des nächsten Tages nahmen wir uns am Morgen Zeit und begaben uns dann wieder in die Stadt.
Es war zunächst sehr interessant, den gleichen Weg bei Tageslicht zu bestreiten.
Alles kam uns kürzer vor und auf einmal nicht mehr so geschützt.

In der Stadt angekommen war diese nicht mehr wiederzuerkennen.
Hunderte Touriläden hatten geöffnet und Tausende Touristen watschelten hindurch.
Die Stadt an sich war nett aufgemacht, sie hatte schon zu einem großen Teil eine Hippieatitüde.
Kleine Gassenmärkte und Passagen waren überall zu finden.
Doch diese Menge an Touristen!

Puhhh.

Das war also Kuranda, das Hippiedorf, von dem so viele geschwärmt hatten…

Wir waren zunächst enttäuscht, hatten wir doch ob der Erzählungen anderer ganz andere Erwartungen.
Dennoch machten wir uns auf und erkundeten ein wenig die Läden.
Wir aßen großartige Falafel.
Und vergaßen diese zu bezahlen.

Zufälliger Weise entdeckten wir ein Plakat, welches ein Festival ganz in der Nähe bewarb.
Léa und ich waren hin und weg.
Wir beschlossen, die Stadt vorzeitig zu verlassen, unseren Krempel zusammenzupacken und zum Festival aufzubrechen.
Auf dem Rückweg passierte etwas interessantes: Wir liefen barfuß die Bahngleise entlang und plötzlich sahen wir zwei Meter von uns eine riesige Schlange.
Wir schauten sie an, sie schaute uns an. Wir schauten zurück, sie schaute zurück zurück.
Dann packte sie die Panik und sie flüchtete so schnell sie konnte.
Ich schlug später nach, um welche Schlange es sich handelte.
Nett: Sie war auf einer Website über die 10 giftigsten Schlangen in Australien vertreten.
Immerhin nur auf Platz 10.
Dennoch, ist es ein sehr komisches Gefühl, so einem Wesen spontan barfuß zu begegnen.

Dann ging es zum Zelt.
Wir packten alles ein und fragten die Dame an der Rezeption ob wir die bereits gebuchte Nacht später nachholen können.
Sie willigte ein.

Dann watschelten wir mit all unserem Hab und Gut zurück in die Stadt und versuchten jemanden zu finden, der uns zum Festival bringen konnte.
Auf der Straße kamen wir dann ins Gespräch mit einer deutschen Familie, die uns kurzerhand bereitwillig zum Festival brachte.

Dort angekommen, trafen wir direkt wieder auf ein liebes Holländerpaar, welches wir auf Magnetic Island kennengelernt hatten.
Wir bauten unser Zelt auf, quasselten mit ein paar Leuten und dann erkundeten wir das Festivalgelände.
Die Lokalität war wirklich schön.
Irgendwo im Nirgendwo gelegen, an einem Teich, in dem es vor Schildkröten wimmelt.

So, jetzt geht es erstmal in die Heia.
Morgen habe ich einen großen Tag vor mir.

26.08.2016 | 20:28

Wir tranken ein wenig was und schwangen das Tanzbein.
Anfangs tat es arg an den Füßen weh, denn ich war die ganze Zeit barfuß unterwegs und die Fläche vor der Bühne bestand nur aus Schotter.
Aber dann irgendwann tief im Abzappeln vertieft ging es dann ganz gut.

Ein wahnsinnig großartiger Musiker, der zeitgleich Gitarre, Drums und Didgeridoo spielte, begeisterte mich sehr.
Generell waren wir von vielen netten Menschen umgeben.

Gegen Mitternacht wurde es dann für mich ein wenig unspektakulär.
Léa hatte ein wenig zu tief ins Glas geschaut und war verschwunden.
Ich suchte 2 Stunden lang nach ihr.
Es stellte sich heraus, dass sie sich es in einem Busch gemütlich gemacht hatte.

Den nächsten Morgen haben wir mit den Holländern und ein paar anderen Leuten abgebummelt, bevor sie uns dann wieder zu unserem Campingplatz brachten.
Wir bauten mal wieder unser Zelt auf und machten uns erneut in die Stadt.

Leider hatten alle Läden schon geschlossen, obwohl es erst gegen 16 Uhr war.
Immerhin konnten wir einige Lebensmittel kaufen.
Weiterhin trafen wir noch den Falafelmann an, bei dem wir vergessen hatten, zu bezahlen.
Wir wiesen ihn darauf hin, er bedankte sich nett für unsere Ehrlichkeit und ließ uns nur den halben Preis bezahlen. Das war nett :-)
Zurück im Zelt, haben wir dann angefangen ein wenig zu schreiben, doch mir fielen zügig die Augen zu.

Nächster Tag, nächster Versuch mit dem Markt.
Was soll ich sagen, das war teuer.

Zunächst gönnten wir uns ne deutsche Speise inklusive deutschem Bier als Frühstück.
Dann kam ich zu einem Didgeridoostand auf einem der Märkte.
Ich testete einige, eines war wie für mich gemacht.
Doch bei einem Preis von 300 Dollar musste ich vor der Entscheidung einen Spaziergang zum Überdenken machen.
Zumal so ein Didge einfach mal schweineschwer ist, was sich insbesondere bemerkbar macht, wenn man nur mit nem Rucksack reist.

28.08.2016 | 21:00

Ich sitze in einem 6-Personen-Wohnmobil, welches in einem Dorf im Regenwaldgebiet geparkt habe.
Wie ich dazu gekommen bin, erzähle ich später.
Puhhh, es ist so viel in der letzten Zeit passiert, ich mache einfach direkt weiter.

Der Überdenkungsspaziergang war lang.
Währenddessen kauften meine werte Reisekumpanin und ich uns gegenseitig einen Opal.
Meine alte Kindheitsnerdader zu Edelsteinen und Mineralien wurde während meiner bisherigen Reise wieder gespeist.
In Neuseeland und Australien scheint man viel von schmucken Steinchen zu halten und so findet man hier überall etwas entsprechendes.
Weiterhin trank ich einen Becher frisch gepressten Zuckerrohrsaftes.
Naja, letzen Endes, kann ich euch sagen, hab ich das Didgeridoo gekauft.
Es ist ein sehr tolles Instrument.
Es Ist recht leicht, einen Ton rauszukriegen, die große Kunst ist aber die Zirkularatmung.
Was bedeutet, dass man einen endlosen Ton auf dem Didgeridoo spielen kann und dabei wieder einatmet.

Es ist ein beruhigendes und meditatives Instrument, hat man den Dreh raus, kann man mit den Vibrationen spielen, die man im gesamten Körper spürt.
Weiterhin ist das Didgeridoo nicht maschinell ausgehöhlt worden.
Termiten haben in jenem Stück massiven Eukalyptusholz ihr Unwesen getrieben.
So ist das Didgeridoo doch ein sehr naturbelassenes Instrument, was mir sehr gefällt.
Ich versuche nun fleißig die Atmung zu üben.
Bis ich das richtig beherrsche werden wohl aber noch ein paar Monate ins Land gehen.

Auf dem Rückweg kaufte ich noch ein Zuckerrohr, via Telefon verabredeten wir uns dann mit den Holländern, die uns zu einem entlegenen Platz am Fluss mitnehmen wollten.
Dummer Weise stand unser Zelt noch auf dem Campingplatz und Checkoutzeit war 10 Uhr. Ich traf den Boss und fragte, ob es okay sei, wenn wir so spät auschecken.
Er gewährte.
Ich hängte unsere elektrischen Geräte an die Stromdose eines leeren Stellplatzes mit Strom und wir packten unseren Kram zusammen.
Als ich unsere Geräte wieder mitnehmen wollte, waren jene Weg und ein Wohnmobil stand auf dem Platz.
Ich klopfte und fragte ob sie unsere Geräte gesehen hätten.
Sie meinte, der Campingplatzboss habe sie erbost mitgenommen.

Ich ging also zur Rezeption, fragte nach den Geräten und wurde gehörichst von dem nicht mehr nüchternen Mann angemeckert.
Zu Unrecht, meiner Meinung nach. Denn üblicher Weise, kann man als armer Backpacker auf Campingplätzen jede Stromdose zum Laden nutzen, sofern nicht ausdrücklich daruaf hingewiesen wird, das jenes nicht erlaubt sei.
Nun ja, bei denen sei das anders und man müsse nen Platz mit Strom bezahlen und und und.
Ich wollte wirklich nicht als respektloser Backpacker dastehen, von denen es zu viele gibt und ließ mich auf eine lange Diskussion ein, um ihm meinen Standpunkt zu erklären.
Schließlich war es auch nett, dass wir so spät auschecken durften.
Nach einer halben Stunde hat er dann entweder verstanden was ich wollte oder einfach aufgegeben mit mir zu diskutieren und wurde wieder ruhig und freundlich.
So konnten wir nun beruhigt und mit (zumindest eingebildet) gutem Karma den Platz verlassen.

Am Fluss machten wir dann ein Feuer, kochten, machten Musik mit Gitarre und Didgeridoo und laberten viel über Gott und die Welt.
Die nette Stimmung zog auch noch andere Leute an, die sich mit dazugesellten.

29.08.2016 | 20:45

Wuhuu, Tag 2 im Wohnmobil.
Und immer noch muss ich euch die Wohnmobilgeschichte vorenthalten.
Man kommt hier ja nicht zum Schreiben, so stressig ist das Vagabundenleben hier :-)

Den nächsten Tag bummelten wir komplett an dem kleinen Flussabschnitt ab.
Der Tag fühlte sich wie ein 60er-Jahre Hippiefilm an und bestand größtenteils aus

  • Lachen
  • Schnattern
  • Dösen

Am nächsten Tag brachten uns die beiden nach Cairns, unserem großen Etappenziel.

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