Höhö.

Cairns | Kapitel 2: Mama, bitte sei nicht böse

29.08.2016 | 22:22

Nachdem ich es in Queenstown, dem weltweit ersten Ort, an dem eine kommerzielle Bungy-Jump-Plattform errichtet wurde, verpasst habe, musste ich es einfach nachholen.
Und so sollte es sein.

Ich buchte die ganze Sache einen Tag zuvor, wurde dann 8 Uhr morgens von einem Shuttle abgeholt.
(Vorher hat mir noch jemand ein weiteres Didgeridoo geschenkt, da er mich am Vorabend üben hörte)
Léa begleitete mich als Zuschauer.
Sie wollte im Zweifel ein paar Fotos für meine Mama machen, für den Fall, dass ich es nicht überlebe.

Nun ja.

Das Shuttle sackte noch zwei Mädels ein.
Doch keine von denen machte den Haargummisprung.

Wir kamen an.

Die Plattform war schön gelegen. An einem Berg, der mit Regenwald bewachsen war.
Ich füllte vor Ort ein wenig Papierkram aus.
Man beglückwünschte mich, ich sei der erste an jenem Tag.
Man malte mir eine „1“ auf einen Handrücken und eine „57“ auf den anderen.
Ohhh, ich hab ein wenig abgenommen.
Dann musste ich ein wenig am Teich am Fuße der Plattform warten.

War ich vorher relaxt, startete ich während der Wartezeit doch ein wenig nervös zu werden.
Aber alles im Rahmen.
Dann gab die Crew ein Zeichen und los ging’s.

Léa und ich, machten uns auf, die Treppen zu der ca. 50 Meter hohen Plattform zu ersteigen.
Im Nachhinein kann ich euch sagen, das war der schlimmste Teil der ganzen Sache.
Nach und nach sukzessive immer höher zu kommen, zu sehen, wir sich der Erdboden immer weiter entfernt ist eher weniger angenehm für die Psyche.
Oben angekommen war die Aussicht beeindruckend.
…Was mich eher wenig interessierte.
Dennoch, war es wohl ein schöner Anblick.
Direkt unter der Plattform war der Teich zu sehen und die Bar der Bungy-Jump-Leute.
In der Ferne konnte man Regenwald erblicken, dahinter Cairns und dahinter das Meer.

Es begannen Zweifel, dass ich eine richtige Entscheidung getroffen habe.
Aber ich wollte es mir selbst beweisen, was ich für ein harter Kerl bin.
Also ab zu den Crew-Leuten.
Die haben mich angeschnallt, mich gefragt ob ich ins Wasser eintauchen möchte.
Ich dachte „nein“ und sagte „ja“.
Fertig angeschnallt brachte mich der eine von den beiden (ja, nicht der andere) zum Ende der Plattform. Was ein wenig lustig war, da meine Beine zusammengebunden waren. So bewegte ich mich wie bei einem seeeeeeeeeehr vorsichtigen Sackhüpfen fort.
Der Typ ließ mir keine andere Wahl, motivierte mich gängelnd und ehe ich drüber nachdenken konnte, ließ ich mich fallen.
Das erste spontane Gefühle war weniger angenehm, aber schnell ging es über in ein „cooooooool“.

Meine Hände dippten ins Wasser, es ging ein paar Mal hoch und runter und dann war es auch schon vorbei.
Ein Kerl mit einem Schlauchboot kam, befreite mich von meinen Sprungfesseln, während irgendeine Hormondrüse in mir ordentlich Adrenalin ausspuckte.
Noch bevor Léa den Weg via Treppe von der Plattform abgeschlossen hatte, organisierte ich mir ein leckeres Bier an der Bar.
Léa zog nach.
Nach einer Weile dachte ich mir, dass ich vielleicht noch einen zweiten Sprung machen könnte, um mir selbst zu beweisen, dass es kein Zufall war als ich von der Plattform fiel.

Ab dem zweiten Sprung hatte man auch die Möglichkeit, auf das Dach der Plattform zu klettern, so angebunden zu werden, dass man seine Beine benutzen konnte, um so zum Beispiel in den Abgrund zu rennen, was meines Erachtens einer gehörigen Portion Schneit bedarf.
Ein wenig über den Preis verhandelt und ab ging’s.

Wieder hoch, Aussicht ein wenig besser genossen.
Als es dann auf’s Dach ging, ging mir wieder gehörig die Pumpe.
Scheiß drauf.
Nach dem Startsignal nahm ich Anlauf und abwärts ging’s.

Huuuuuiiii.

Diesmal konnte ich den Sprung besser genießen und hab sogar in die Gopro gegrinnst, die man mir am Handgelenk befestigte.

Dann ging es ab, zurück ins Shuttle.
Wir ließen uns in die Stadt bringen, verweilten ein wenig am Strandpool, schauten uns ein paar Hippieläden an und dann ging es am Abend wieder heim.
Diesmal blieben wir von Ukulelen verschont.
Am Strandpool haben wir sie nebenbei aber gehört, da sie in der Öffentlichkeit wohl ein wenig Geld gesammelt hatten.
Im Gedächtnis ist mir eine verunstaltete Version von „Born to be wild“ in Erinnerung geblieben.
Diesem Klassiker von Steppenwolf hat man auch das letzte Bisschen Seele genommen.

„Born to be wild“, dachte ich mir.

Oh yeah!

Born to be wild.

2 Gedanken zu „Cairns | Kapitel 2: Mama, bitte sei nicht böse“

  1. Hallo Franz,

    coole Sache, dieser Sprung. Ich lese regelmäßig Deinen Reisebricht, eine feine Sache!
    Und Danke für Deine Postkarte an Deine früheren Kolleeschen…
    Gruß Bert

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