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Don’t hurry, be happy

22.10.2015 | 20 Uhr

Ich sitze im Aufenthaltsbereich eines Campingplatzes.

Seitdem ich das letzte Mal schrieb, haben wir einige hundert Kilometer zurückgelegt und sind gen Norden gezogen.

Am Morgen im Motel fleißig alle Sachen gepackt, das erste Ziel war dann ein Instrumenteladen in Auckland, von welchen wir uns ein paar gebrauchte Gitarren und als Sahnehäubchen ein Cajon erhofften.
Leider Fehlanzeige.
Wir waren froh, den Laden gut gefunden zu haben und ich auch ein wenig stolz, keine ungewollte Geisterfahrt begangen zu haben, aber der Laden war geschlossen.
Und das obwohl die Öffnungszeiten etwas anderes gesagt haben.
Für uns war das sehr schade, denn wer uns kennt, weiß, dass wir unsere Finger nicht lange stillhalten können. Nun ja, Instrumentbeschaffung steht nun ganz oben auf der Prio-Liste.
Nach dem Gitarrenkaufversuch fuhren wir dann zu einer Tankstelle und kauften eine Gasflasche, mit der wir wahrscheinlich übers ganze Jahr kommen und tankten die Eiserne Lady so richtig voll!

Dann ging es los, den Highway 1 ab gen Norden. Wir hatten kein Ziel, weswegen mein Beifahrer während der Fahrt die Karte studierte und anhand von Reiseführern herauszufinden versuchte, wo eine passender Ort für den nächsten Stopp sein könnte.

Die Wahl fiel auf einen Ort (dessen Namen ich schon wieder vergessen habe) an der Ostküste. Geplant vielleicht 2 Autostunden von Auckland entfernt.
Wie es der Zufall jedoch wollte, begegneten wir zwei Kerlen, die an der Straße den Daumen rausgehalten haben (zum Glück nichts anderes).
Wir hielten natürlich an und sackten sie ein.
Zwei Backpacker aus Frankreich waren es, die zum (und das klingt ziemlich geil) 90 Mile Beach wollten.
Mein Lieblingsbulgare und ich schauten uns kurz an (wirklich kurz, ich fuhr ja!) und beschlossen kurzerhand, die zwei netten Kerle dahinzubringen und ebenfalls dort zu campieren.
Leider war diese Gegend weit entfernt.
Nach der kurzen Eingebung, dass wir ein verdammtes Jahr Zeit für unsere Tour haben und nicht am Tag 5 Stunden fahren müssen, um neue Sachen zu erkunden, haben wir die beiden dann doch auf halber Strecke rausgeworfen und sind in die Prärie abgebogen.
Irgendwo gen Osten.
Die Fahrt dort hin war aufregend!
Irgendwann endete die Straße und wurde zu einem Schotterweg, welcher ins Nichts zu führen schien. Es war ein Heidenspaß, die Eiserne Lady mal an ihre Stabilitätsgrenzen zu bringen, denn es ging serpentinhaft rauf und runter und links und rechts…
Die Landschaft, welche sich in der Zeit an uns vorbeibewegte war wie gemalt.
Wiesen, Berge, Bäche, Flora und Fauna sind wahnsinnig schön und auf diesem Teil der Insel wohl nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was noch auf uns wartet.
Am Ende landeten wir in einem kleinen Minidorf, direkt am Meer. Es war eine wunderschöne Gegend.
Glücklicherweise befand sich direkt am Meer ein Campingplatz, welchen wir aufsuchten und anschließend unser Lager aufschlugen.
Nach dem selbstgekochten Essen (Pasta mit selbstgemachter Tomatensauce (ein Genuss nach den vorherigen Tagen)) unternahmen wir einen Spaziergang am Strand.
Die Natur presste sich sofort in mein Gemüt, ein Flut an Gedanken ward von der Brandung des Wassers aus gespeist.
Felsen ragten aus dem Meer, die Wellen spülten Fische, Krabben und anderes Getier an den Strand und nahmen sich vom Lande was sie wollten.
Ein beeindruckender Moment, der mich aber auch in Wehmut fallen ließ.
Die Flut vielfältiger Gedanken und die Tatsache sich dieser stellen zu müssen, weil es keine Ablenkung gibt haben mich dazu verleitet, meinen Gefährten zu bitten, dass wir nicht lieber als nächsten Stopp eine Stadt aufsuchen können und mit ein paar Leuten in Kontakt zu treten.

Zu mir selbst finden? Gern!
Aber in homöopathischen Dosen :-)

Heute sind wir nun weitergezogen, nächster Campingplatz, wieder am Meer.
Hier ist es ein kleinwenig mehr touristifiziert.

Witzig war, als sich drei Campingparteien unterhielten und einer von denen meinte, er hätte das Gefühl, hier seien nur Deutsche.
Ich mischte mich ein und rief „Das Gefühl hab ich aber auch!“. Das war ein riesen Renner!
Hach ja, das sag ich euch!
Lustig.
Was haben wir gelacht.
Höhö.

Ja also kurzum: Wir sind umzingelt von Deutschen Rentnern, die ihr Leben genießen (Dafür hab ich in die Rentenkasse eingezahlt!?).
Während ich diese Zeilen schrieb, kam ein weiterer Herr vorbei, welcher sich als deutsch outete. Wahnsinn! Und das am anderen Ende der Welt!

23.10.2015 | 11:11

Nun ist es schon ein Tag später, ich sitze auf einer Bank vor der Bibliothek weil es hier kostenloses Wifi gibt.
Dabei bin ich in guter Gesellschaft, um mich herum sitzen einige Menschen mit ihren technischen Endgeräten um dem Onlinesein zu frönen.
Ich komme mir dabei vor wie ein Motte von vielen, die getrieben von niedersten Instinkten wie alle anderen Motten ums Licht herumschwirrt.

Wir alle denken, wir seien irgendwelche Individuen, aber am Ende ticken doch alle gleich.
Aber ein schöner Platz ist das hier vor der Bibliothek, ich hätte ein Foto davon machen sollen, jedoch wurde hier soeben ein Bauzaun aufgebaut um ein Musikfestival abzusperren, welches der Grund ist, warum wir uns in dieser Stadt (Paihia) noch ein paar Tage aufhalten werden.
Während ich hier in aller Ruhe meine sozialen Kontakte pflege ist mein Begleiter derzeit in einer Bar ein Bierchen schlürfen.
Hach, darauf hätte ich jetzt auch Lust, aber irgendwann muss ich ja auch mal anfangen, auf kleinem Fuß zu leben, sonst ist das Ersparte ja nach ein paar Tagen aufgebraucht.

Es fällt mir gerade ein wenig schwer, mich auf meine geschriebenen Worte zu konzentrieren, da hier ganz schön viel Trubel herrscht, ich hoffe ihr könnt mir folgen (Ich habe nämlich nicht vor, diesen Text noch mal zu überarbeiten :-))
Dabei habe ich soeben das Gefühl ich wollte noch so viel erzählen, aber naja, ihr müsst mit meinen Gedächtnisl%C