Da stand sie.
Etwas schüchtern versteckte sie sich am Anfang noch vor uns.

Manta, Manta

21.11.2015 | 21:14

Heute ist mal wieder Blogtag.
Draußen regnete es den ganzen Tag und nachdem mir auffiel, dass es mir Spaß macht, Dummheiten zu verbreiten (siehe Bildunterschriften Tongariro), habe ich mir gedacht, ich schreibe gleich mal weiter.
Schließlich hänge ich gerade sechs Tage hinterher.

So, ähm. Tongariro, genau, der Tag danach…
Wir schliefen im Meditationszentrum.
Das war wundervoll!
Ivo trieb sich zu späterer Stunde noch mit der Iron Lady (und damit mit meinem Bett) in der Stadt rum.
Doch das war nicht schlimm, denn mit meinem welpenartigen mitleidserregendem Blick konnte ich die Mädels dazu bringen, mir ein Bett (also ein echtes, ohne Räder drunter) anzubieten.
Nach einiger Zeit sorgfältigen Überlegens stimmte ich zu.
Am nächsten Morgen ging es 8:45 zum meditativen Morgenappell zu welchem ich tags vorher eingeladen wurde.
Das war sehr interessant.
Tristan, die Wwoofergroup und noch ein, zwei mir unbekannte Menschinnen (und ich) saßen im Kreis.
Wir fassten uns an (an den Händen) und schlossen die Augen.
Dann leitete Tristan eine fünf-minütige Meditationsrunde ein.
So früh am Morgen war das für mich eine Herausforderung nicht schlafend vom Stuhl zu fallen.
Nach der Gemeinschaftsmeditation zog jeder eine Karte für den Tag.
Ich habe leider vergessen, was ich für eine hatte.
Was wohl zeigt, dass ich, im Gegensatz zur wirklich wohltuenden Meditation, meine Probleme mit der Ernsthaftigkeit des Kartenlesens habe.
Aber einigen anderen in der Runde schien das wirklich gut zu tun.
Damit soll es seine Berechtigung haben.
Ich hoffe auch, dass jene nur gute Karten ziehen.
Es wäre gemein, wenn einem eine doofe Karte den kompletten Tag versaut.
Wobei, von Poker und Skat kenne ich das auch…
Danach haben wir positive Energie nach Frankreich gesendet.
Eine schöne Idee, wie ich fand.
Ich hätte am liebsten noch Energie nach Afrika gesendet und an die Tierwelt und an jede oder jeden, der sie so braucht.
Ich hab hier ganz viel positive Energie.
Wenn jemand was davon abhaben will, so schreibe er (generisches Maskulinum) mir ne Mail.
Ich habe mir auch lange Gedanken gemacht, ob ich einen Blogeintrag diesen furchtbaren Anschlägen widme.
Meine Gedanken dazu niederschreibe und so…
Aber ich habe mich dagegen entschieden.
Ihr kennt mich alle gut genug, sodass ich dazu kein Wort verlieren muss, denke ich.
Ich will bloß loswerden, dass wir uns alle keine Angst machen lassen sollten, ohne dass ich das jetzt begründen mag.
Aber ich kann euch sagen, wie das die Leute hier in Neuseeland aufnehmen und wie sie reagieren.

Nun ja, es ist ein Thema, was durch die Medien stark verbreitet wird, aber die Haltung scheint mir hier die gleiche zu sein, wie wenn wir hören, dass Boko Haram wieder Menschen in Afrika umgebracht haben.
Es ist zu weit weg, als dass es wirklich betroffen machen könnte.
Neuseeland ist dahingehend zu beneiden.
Dieser Staat mischt sich in nichts ein, macht sein Ding. Verschifft seine Kiwis, seinen Wein, scheint aber ansonsten kein interessanter politischer oder religiöser Ort zu sein.
Und Öl haben sie hier scheinbar auch nicht, sonst hätten die U.S.A. bestimmt schon Massenvernichtungswaffen hier gefunden 😉
Neee, mal im Ernst, hier bebt die Erde, die Menschen in den Großstädten machen sich ihre Alltagsprobleme, das ist vielleicht schon genug an Problemen.
Da muss man nicht noch einen Posten auf dem globalen Machtspielfeld eröffnen.

Oh, jetzt fange ich doch mit meinen Gedanken über diese ganze Sache an.

Aber ich hör auch schon damit auf!

Unser Tag ging begann hervorragend!
Ivo und ich fühlten uns richtig wohl an diesem Platz.

Linda erkannte, dass ihr Wägelchen wohl seine Zeit hinter sich hatte (Ich hab nichts damit zu tun, ehrlich!) und bot uns an, dass wir ihr Benzin nehmen könnten, wenn wir wollen.
Denn ihr Gefährt wurde am Vortage noch vollgetankt.
Ivo und ich nahmen dieses Angebot natürlich gern an.

Wussten wir doch, dass wir noch am selben Tag 300 Kilometer gen Auckland fahren müssen, wegen der Wehwehchen unserer Iron Lady.
Nun gut.

Der Plan war einfach:

Schlauch und Kanister organisieren, Schlauch in Tank von Lindas Auto, Benzin ansaugen, in Kanister laufen lassen, Kanisterinhalt in der Iron Lady entleeren, diese Prozedur wiederholen, bis das komplette Benzin von Fahrzeug A in Fahrzeug B übergesiedelt wurde.

Die Ausführung war, nun ja, nicht ganz so einfach.

Schlauch hineingesteckt, nicht drüber nachgedacht, wie man Benzin ansaugt, gelernt, dass man nicht in die Lunge atmen sollte.
Hmmm, der Schlauch war nicht tief genug drin.
Auto inspiziert.
Wagenheber geholt, unter Auto geschaut, ah, da machen die Schläuche ein paar Kurven, da kommen wir mit unserem Schlauch nicht ran.
Aber man kann da was direkt vor dem Tank unter dem Auto abmontieren.
Abmontiert.
Ging immer noch nicht.
Noch was abmontiert.
Ha!
Der Schlauch ragte nun bis zur liquiden Energie!
Angesaugt und los gings.
Nach einiger Zeit kam nichts mehr.
Wieder angesaugt.
Ach, so schmeckt also Benzin.
Ivo schmunzelte über mich.
Wieder endete der Fluss.
Ivo saugte diesmal an.
„Ja, Ivo, genau so schmeckt Benzin.“

:-)

Benzintransfer beendet.
Von Tristan zum Tee eingeladen wurden.
Einladung angenommen.

Danach noch jede Menge Krempel von Linda in die Iron Lady geworfen, da Linda ebenfalls vorhatte, gen Auckland zu ziehen.
Nun aber ohne Auto, weshalb sie uns bat, einige Sachen mitzunehmen.
Klaro!

Die Karre war also voll.
Mit Lindas Benzin und Lindas Hab und Gut :-)

Wir zogen von dannen.

Ivo war so nett und fuhr, während ich mich auf dem Beifahrersitz ausruhen konnte.

Es machte sich wieder ein ganz mieses Gefühl in mir breit.
Ich verlasse echt nicht gern Situationen in denen ich mich sehr wohl fühle.
Während der Fahrt packte mich also eine ordentliche Dosis Melancholie.

Das schöne ist, dass das vielleicht genau die Momente sind, die man dazu nutzen kann, sich mit sich selbst zu beschäftigen.
In Leipzig gab es nie ein Verlassen ganzer Gruppen für mich.
Vielleicht verabschiedeten sich einzelne Herdenteile, aber es war stets genug Herde übrig um vernünftig sozialisieren zu können.
Und wenn nicht, ging es zur Zweitherde, in die Substanz.
Hier sieht es mit den Herden anders aus, sie kommen und gehen.
Und damit meine ich nicht die Teile mit den Kochplatten auf den Campingplätzen, obwohl das für jene ebenso zutrifft.
Ich werde sehen, ob dieses nomadenhafte Leben auf lange Sicht wirklich etwas für mich ist oder nicht.

Wie auch immer.
Es wurde noch zu einem interessanten Abend.
Wir sind am frühen selbigen in einem Vorort vor Auckland angekommen und haben uns auf einen Parkplatz eines Sportplatzes gestellt.
Essen hamwa gekocht.
Ich habe so viel gegessen, dass von meiner Melancholie nicht mehr viel übrig blieb, da mein Organismus zu 100 % damit zu tun hatte, die riesigen Mengen vertilgten Essens zu verarbeiten.

Wir standen auf dem Platz nicht ganz offiziell.
Dafür gratis.
Ab späteren Abend kam eine Polizistenstreife vorbei und fragte, ob wir an jenem Platz übernachten wollen.
Dies bestätigten wir.
Der Polizist meinte daraufhin in einem netten Ton, dass wir das Auto abschließen sollen und wünschte uns einen guten Abend.
Puh, Glück gehabt, dachten wir.
Doch eine halbe Stunde später kamen die Parkwächter und schmissen uns raus.

Da standen wir nun.
Es war abends, weit nach 22 Uhr und wir hatten keinen Platz zum Nächtigen.
Also fuhren wir stadtauswärts.
Irgendwo eine Abzweigung in einem Wald finden, war der Plan, schließlich wird es da ja wohl nicht viele Kontrollen geben.
Nun ja, es gab vor allem keine Abzweigungen.
Die Gegend ist nicht beschaffen, wie in Deutschland, wo es in den Waldgebieten hunderte befahrbare Forstwege gibt.
Dort reiht sich Grundstück an Grundstück.
So ein Grundstück ist ja gern mal viele hundert Hektar groß.
So fuhren wir stundenlang verzweifelt durch die Gegend bis wir einen kleinen recht abgelegenen Parkplatz in eine Dorf sahen, auf dem bereits ein Campervan stand.
Wir gesellten uns mit dazu, gingen zu Bett und stellten den Wecker auf 6 Uhr.

Der Wecker klingelte.
Ha! Unser erstes Wildcamping!

Jetzt weiß ich, wie sich Walther White gefühlt haben muss!

Wir fuhren dann in ein Yogazentrum im Norden von Auckland, dort gaben wir Lindas Sachen bei einem Freund von ihr ab.
Er lud uns direkt zum Wwoofen ein, wir behalten es im Hinterkopf.

Dann wurde es ernst.

Wir hatten schließlich eine Mission.
Die altehrwürdige Iron Lady hatte starke Probleme mit dem Fahrgestell, wie ihr wisst.
Ein Lösung musste her.

Wir trafen den Bruder des Autoverkäufers in Auckland.
Schade, der war eine etwas schwierigere Nummer.

Bei der Probefahrt war er stets freundlich aber nicht höflich.
Ich hatte das Gefühl, er wollte uns für dumm verkaufen.

Nun bin ich ja ein konfliktscheuer Mensch (außer bei Marie :-P), der es gern allen Menschen recht macht, doch ich dachte auch an die Worte meiner einstigen Psychologin, die mir sagte, ich soll hin und wieder mal unbequem sein, in solch Momenten.
Während Ivo also schon resignierte, blieb ich dran, ließ nicht locker.
Wir haben unsere wunderschöne Reise unterbrochen um in dieser wirklich nicht schönen Stadt einen Deal zu machen.
Mit leeren Händen nach Hause gehen war also keine Option.

Der Autoverkaufsbruder konstatierte also, dass unser Fahrzeug kein Problem hätte (es ließ sich während der Fahrt nicht reproduzieren, was nicht bedeutet, dass es nicht da ist).
Die Kosten um es auf die Hebebühne zu bringen, hätten wir selbst tragen müssen.

Also machten wir ihm einen (im Vorfeld in unsere Taktik eingebauten) Vorschlag.
Wir fragten ihn, ob er derzeit weitere Fahrzeuge zur Verfügung hätte.
Er meinte ja und zeigte auf einen Toyota Estima im dunkelroten Gewand.

Er meinte, er würde ihn uns nicht empfehlen, denn unser Fahrzeug sei ja besser.

Wir fragten nach einer Probefahrt.

Der Zustand des Fahrzeugs war um Längen besser, als jener der Iron Lady.
Es gab so etwas wie Fahrstabilität, das Interieur war gepflegt und und und.
Also sagten wir ihm, dass wir die Fahrzeuge gern tauschen würden, was ihm ja nur zum Vorteil gedeihen konnte, weil er ja ein von uns seiner Meinung nach besseres Auto bekäme.
Er meinte, er redet mit seinem Brunder und meldet sich am Folgetag.

Es folgten Stunden des Wartens.

Und: Er meldete sich nicht.
Aber wir uns bei ihm.

Er sagte, er muss noch einige Sachen machen und wir können uns am nächsten Tag treffen um darüber zu reden.

Wir trafen uns.
Er sagte zu.

Wir machten den Deal!

Auf Wiedersehen, Eiserne Lady!
Hallo, Rote Beate!

Da stand sie. Etwas schüchtern versteckte sie sich am Anfang noch vor uns.
Da stand sie.
Etwas schüchtern versteckte sie sich am Anfang noch vor uns.

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