Haus.

Boar, ist das viel geworden!

22.11.2015 | 22:51

Während unserer Zeit in Auckland ist noch etwas weiteres interessantes passiert.
Ein gewisser S. Mitschke traf in Auckland ein, sodass wir uns zur einer Malzbowle Downtown trafen und ein wenig quasselten.
Das Ganze ging Pi mal Daumen zwei Stunden, Ivo suchte in der Zeit einen Parkplatz (Ich hoffe, er schreibt diese lustige Geschichte in seinen Blog).
Stefan meinte, er wolle mit den charismatischsten und attraktivsten Menschen in Neuseeland mitreisen.
So ist er nun bei uns an Bord.
Wir verließen schnellstmöglich Auckland in Richtung Süden um in der Nähe von New Pymouth unsere geliebten Mädels wiederzutreffen, die dort Arbeit gefunden haben.
Ich hatte mich als Fahrer bereiterklärt, mich mit zwei tollen Energydrinks (wie ich dieses Zeug liebe…) ausgerüstet und dann 6 Stündchen die Rote Beate atemlos durch die Nacht gesteuert.
Wir hatten kurz vor New Plymouth in unserer tollen Reiseapp einen Campingplatz gefunden.
Leider stellte sich in der Realität heraus, dass es generell eher schwer ist, etwas zu finden, wenn es finster wie im Bärenarsch (lesen hier auch Kinder mit?) ist.
Immerhin fanden wir eine Wiese und eine öffentliche Toilette dort, wo wir den Campingplatz vermutet hatten.
Eigentlich ist das auch schon mehr, als wir bei anderen Campingplätzen bekommen haben :-)
Gegen drei fingen wir also an, Stefans (jepp, so sein Vorname) Zelt aufzubauen.
Das klappte sogar überraschend gut.
Eine halbe Stunde später lagen wir in der Koje.
Am nächsten Morgen wurden wir durch ein herannahendes Auto, nein, wurde Ivo durch ein herannahendes Auto und ich durch Ivos Worte „Jetzt kriegen wir Ärger!“ geweckt.
Wir lunzten beide unauffällig durch unsere Vorhänge und beobachteten das Geschehen.
Hmmm, nur Leute, die auf das Klo wollten.
Perfekt.
Weiterhin war ich erstaunt, wie der Platz, welchen wir wenige Stunden zuvor als Schlaflager auserkoren hatten bei Tageslicht aussieht.
Da war ein Skaterpark um die Ecke und einige Einfamilienhäuser.
Ansonsten eine große Wiese, die Richtung Meer führte.
Wir beschlossen, zeitig aufzustehen um unser Glück nicht zu sehr herauszufordern.
Die Situation brachte mich jedoch auf eine gute Idee, wie ich amüsant Stefan im Zelt wecken konnte.
Ich klopfte an die Verstrebungen seines Zeltes und murmelte mit ganz mies verstellter Stimme, dass er bitte aus dem Zelt kommen solle, denn auf diesem Gebiet sei zelten nicht gestattet.
Er brauchte eine Weile, ehe er reagierte.
Ich wiederholte fleißig meinen Satz und hörte Wörter wie „Scheiße“ (Also lesen hier nun Kinder mit?) aus dem Zeltinneren nach außen dringen.
Plan erfüllt, er war wach.
Mein Kleinkindspeicher war etwas aufgefüllt, so musste es ein guter Tag werden.
Und es ging so weiter: Bei meinem morgendlichen Spaziergang am Strand habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Robbe in freier Wildbahn und außerhalb des Fernsehapparates gesehen.
Ich rannte zurück zum Auto um dieses tolle Erlebnis (die Jungs waren da eher nicht so euphorisch, wie ich) mit euch teilen zu können und meine Kamera zu holen.
Das Ergebnis seht ihr in der Galerie.
Wir fuhren danach noch eine knappe Stunde zu den Mädels.
Durch einen teuflischen Plan wussten sie nichts von unserem Besuch, dennoch hatte ich über meine altehrwürdigen Stasimethoden die Adresse ihres Aufenthaltsortes herausgekriegt.
Beide Damen, waren (angenehm) überrascht (war ja auch so geplant), als sie uns sahen.
Die Besitzer des Hotels in welchem die Mädels arbeiteten stellten sich als Österreicher (definitiv keine Österärmer) heraus und luden uns prompt zum Kaffee ein.
Wir lehnten dankend ab, denn wir wollten uns ein Frühstück in der Natur genehmigen.
Dies taten wir auch, gar nicht weit vom Strand entfernt.
Als wir unser Frühstück beendet hatten, waren die Mädels auch mit der Arbeit fertig, sodass wir ein wenig gemeinsam unternehmen konnten.
Ivo kümmerte sich um Clemence, ich spielte gegen Nerea Backgammon und Schach (selbstverständlich beides gewonnen) und Stefan… öhm…
Was hat der eigentlich die ganze Zeit gemacht?
Die Hotelbesitzermenschen konnten wir überreden uns eine Nacht auf dem Parkplatz schlafen zu lassen, duschen konnten wir unter der Dusche im Hotelzimmer der Mädels.
Abends ging es dann auf einen nahegelegenen Sportplatz, dort musizierten wir, was ein wundervoller Spaß war.
Evtl. finde ich dazu auch noch ne Audioatei für den Bog, aber ich kann nichts versprechen.
Der nächste Tag war doof, es regnete die ganze Zeit.
Ivo brauchte dringend seine Steuernummer, weswegen wir eine halbe Stunde lang zurück in die Stadt fuhren um dort ein Konto zu eröffnen und den restlichen Orgakram zu erledigen.
Das hat leider nicht geklappt, weil ein schriftlicher Nachweis der Adresse fehlte. Schade.

24.11.2015 | 23:23

Drei meiner Freunde haben heute Geburtstag.
Ich gratuliere allen.
Ansonsten setze ich dort an, wo ich aufhörte.
Der Tag war langweilig.
Aaaaaber: Stefan und ich schauten am Abend den neuen Bond!
Ihr müsst jetzt mal da durch, dass ich hier ne Kurzkritik abgebe.
Er war okay.
Leider kein Skyfall-Niveau.
Zu schnell erzählt war er, wie ein schnelles Abfrühstücken verschiedener Kulissen. Aber schon sehenswert.
Und ich habe gefühlt sogar 90 % verstanden!
Und wie hieß der Bösewicht!?
Franz Oberhauser!
Am nächsten Tag ging es weiter nach Whanganui.
Ich hatte in Erinnerung, dass man dort Glühwürmchen beobachten und raften kann.
Leider hatte mir mein Erinnerungsvermögen ein Streich gespielt.
Das war alles woanders und Whanganui entpuppte sich als langweilige Stadt, die neben Langeweile noch langweiligere Langeweile bot.
Aber der Campingplatz war cool!
Wir waren gefühlt die einzigen und alles hatte so eine interessante Ost-Ästhetik.
Die Sessel in der Küche waren ost und der Aufenthaltssaal, in dem ich meinen letzten Bericht schrieb, war ebenfalls ost.
Sehr ostig war auch der Geruch in den Räumen.
Die Lage war sehr ruhig, wir genossen das, kochten und aßen viel und, wie gesagt, nutzten die Zeit für ein wenig Arbeit mit unseren technischen Geräten (das liest sich bestimmt alles sehr spannend).
Des nächsten Tages war ein Ort das Ziel, dessen Name ich schon wieder vergessen habe.
Vor allem der Weg dahin war sehr interessant, wir fuhren auf einem forgotten Highway, einer kleinen Straße, die ewig entlang eines Flusses verlief. Der Weg war das Ziel, das Ziel konnte auf dieser Straße das Ziel auch gar nicht sein, denn nach ca. zwei Stunden Fahrt entpuppte sich diese Straße als Sackgasse.
Was bedeutete, dass man die komplette Straße wieder zurückfahren musste.
Aber es war wirklich verzückend, diese Straße zu bereisen, ich glaube, ein Foto habe ich auch gemacht, was ich euch dann präsentieren kann.
In Deutschland wäre diese Straße voll gesperrt gewesen, Teile der Straße waren in den Fluss gerutscht, der Asphalt war stellenweise komplett aufgesprengt und Felsbrocken lagen auf der Fahrbahn, die man vorsichtig umfahren musste.
Zwischenziel vor unserem Schlafplatz war dein eine verlassene Goldgräberstadt, die in der Nähe lag.
Das ältere Paar auf dem Campingplatz von Rotorua empfahl mir, jene Stadt zu besuchen.
Wir irrten einige Zeit durch Wald und Schotterstraßen, doch die Stadt ward nie gefunden.
Nachdem ich das mit Rafting und den Glühwürmchen schon verpeilt hatte, war das noch eine Stufe mehr deprimierend.
Dafür fanden wir jedoch mitten im Nirgendwo einen megacoolen Campingplatz.
Man musste durch ein privates Grundstück fahren, um ihn zu erreichen, und befand sich dann auf einem Gelände zwischen Wald und Fluss.
Und das kostenlos.
Wir waren weit und breit die einzigen dort, ich begann Essen zu kochen und die anderen beiden kümmerten sich um ein Lagerfeuer, was nach vier Regentagen keine einfache Aufgabe war.
Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Napier, meinem jetzigen Aufenthaltsort.
Eine Stadt, die 19hunderzwieback durch ein heftiges Erdbeben stark zerstört und später wieder aufgebaut wurde.
Vor allem die Art Deco-Strömung hatte starken Einfluss auf das Erscheinungsbild der Stadt.
Ich würde fast sagen, diese Stadt ist ausnahmsweise gar nicht mal sooooo hässlich.
Ein wenig wie ein Vorort von Miami, was ich aber auch nur kenne, weil ich Dexter geschaut habe (Wie, ihr kennt Dexter nicht!?).
Viel spannendes passierte gestern auch nicht, außer dass Stefan und ich zum Bierkaufen gen Zentrum liefen, nur um dann spontan auf dem Rückweg einen Abstecher in eine Bar machten, um ein, zwei Bier zu trinken.
Hach, da kamen die alten Gewohnheiten durch.
Heute hingegen gab es endlich wieder Action!
Ich war im Kaufrausch!
Ich kaufte mir eine coole Funktionswanderhose, bei der man die Hosenbeine via Reißverschluss kürzen kann.
Früher hab ich mich immer über Menschen mit solchen Hosen lustig gemacht.
Jetzt trage ich sie stolz mit geschwollener Brust!
Dann kaufte ich mir ein helles langärmliges Hemd, da hier in Neuseeland dummerweise meine Neurodermitis (dieses dumme Arschloch) zum Vorschein kommt und ich versuche, mich ein wenig vor Sonne zu schützen.
Des Weiteren kaufte ich mir einen Wasserfilter, damit ich auf langen Wandertouren nicht an schafspipierseuchtem Wasser sterbe.
Im Musikladen gegenüber kaufte ich mit dann noch einen Schellenring.
Teurer Tag!

29.11.2015 | 16:25

Wow, ich befinde mich soeben auf der Fähre, welche mich von der Nordinsel zur Südinsel führt!
Ich wollte eine Menge für den Blog schreiben, aber der gestrige Abend lief bis 6 Uhr morgens und 9 Uhr klingelte der Wecker, weswegen das Nachholen meines Schlafes im Vordergrund meiner Fährbeschäftigung stand.
Das hab ich jetzt 2 Stunden erfolglos versucht.

Wir waren also in Napier und jetzt kommt eine für mich sehr schöne, lustige und auch gedankenanstoßende Geschichte.
Ich hoffe, ich habe jetzt keine zu hohen Erwartungen geweckt…
(Für mich ist die Geshischte halt schön)

Stefan und ich machten uns am Nachmittag des Einkaufabends zu einer kleinen Tour auf.
Wir fuhren an den Strand, entdeckten dort in gefühlt mittelweiter Entfernung ein Kliff und beschlossen den Strand entlang dorthinzuwandern.
Und da wir uns am Strand befanden, natürlich barfuß!
Nach einer Stunde frenetischen Laufens fiel uns erst einmal auf, dass wir uns mit der Entfernung ganz schön verschätzt haben, das Kliff war insgesamt (wie wir im Nachhinein recherchierten) knapp 7 Kilometer von unserem Startpunkt entfernt.
Das war für einen im Vorfeld geplanten 2-Stunden-Spaziergang doch recht lang, zumal man das Ganze ja wegen des Rückwegs mal 2 rechnen musste.
Nun gut, wir wollten das dennoch durchziehen.
Weiterhin stellte sich das schwarze sandähnliche Gemisch unter unseren blanken Füßen dann auch irgendwann als Millionen seeeeehr spitzer Muschelsplitter heraus, was das Laufen nach kurzer Zeit für die Füße sehr interessant machte.
Hornhaut haben wir nun nicht mehr, wir sind froh überhaupt noch Haut an unseren Füßen zu haben.
Wir kreuzten auf dem Weg einen kleinen Fluss, der ins Meer mündete.
Glücklicher Weise schmal genug, dass wir drüber springen konnten.
Ringsum war niemand. Wir befanden uns weit außerhalb von zivilisatorischen Strukturen.
Nach einiger Zeit erreichten wir dann auch den Beginn des Kliffs und wurden direkt von einem Hund erwartet, der freudig entgegengerannt kam.
Der war lustig, wir freundeten uns sofort mit ihm an.
Binnen von Sekunden hatte ich auch ein richtig gutes Verhältnis zu ihm. Man würde vielleicht sagen, es hatte zwischen uns „gefunkt“.
Ein Auto mit zwei Kerlen wies darauf hin, dass dies wohl die Besitzer sind, also kletterten wir zu den beiden.

Ich sagte, sie hätten einen tollen Hund und sie antworteten etwas für mich nicht verständliches.
Beide waren eher zerzauste Type, kaum mehr Zähne im Mund (waren vielleicht ein paar Nachfahren von James Cooks Crew, die Skorbut vererbt bekamen), schwarze Fingernägel, aber sehr freundlich.
Sie fragten, ob wir irgendwelchen Fisch haben wollte, sie hätten noch einen, was genau, konnten wir ob ihres starken ländlichen Akzentes nicht wirklich verstehen.
Also zeigten sie uns ihr stolzes Stück.
Es war ein Hummer (oder sowas ähnliches, sie sagten „Clawfish“, noch lebend.
Sie wollten ihn mir in die Hand drücken, damit ich mich vergewissern konnte, wie gut die Qualität sei.
Ich lehnte dankend ab.
Sie wollten uns ihn für 25 Dollar verkaufen.
Mit der Begründung, dass wir gerade nur wandern und nichts zum Transportieren haben, verneinten wir.
Wir unterhielten uns noch kurz, sie erzählten uns, dass sie Halt gemacht haben, weil sich ihr Auto, welches sich ihrem eigenen optischen Zustand gut angepasst hatte, erstmal abkühlen musste.
Hach, zum Glück sind wir nicht die einzigen, in diesem Land, die Autos mit ein paar Macken haben.
Wir dankten herzlich für das Angebot und das nette Gespräch und verabschiedeten uns, um den Weg durch die Felsen zu erklimmen.

Der Hund folgte uns.
Die zwei Kerle unternahmen nichts.
Wir hielten immer wieder an, jedoch ließ sich der Hund durch gute Argumente nicht davon überzeugen, umzukehren.
Der Weg war ziemlich hoch und unten warteten Felsen.
Wir hatten große Angst, dass der Wuffel eine Passage nicht schafft und sich verletzen könnte.
Nun ja, er hat uns schnell gezeigt, dass wir lieber auf uns aufpassen sollten, denn immer, wenn wir eine schwierige Stelle erreichten und uns umdrehten um zu sehen, ob der Hund das schaffen könnte, wartete er schon vor uns.

Wir waren weit weg von den beiden Typen.
Erinnernd an Cast Away mit Tom Hanks, tauften wir den Hund „Wilson“.
Wir hatten viel Spaß mit ihm, machten Videos und Fotos, spielten mit ihm mit Stücken und und und.
Die Felsen waren zur Nebensache geworden, Wilson war in den Fokus unserer Aufmerksamkeit gerückt.
Irgendwann kehrten wir um. Schließlich wollten wir die beiden nicht zu lange auf Wilson warten lassen und wir waren mit ihm schon sehr lang unterwegs (am Ende ca. eine Stunde).
Wir kamen also zurück zu den beiden.
Sie waren noch da. Puh.
Ich sagte, wir hätten ein Geschenk für sie, einer fragte ob wir wohl doch den Hummer kaufen wollen.
Ich verneinte erneut und sagte, wir hätten ihnen ihren Hund zurückgebracht.
Darauf hin sagten sie, was sie mir wohl schon beim ersten Mal unverständlicher Weise sagten, dass das nicht deren Hund sei und sie sich auch nicht sonderlich für ihn interessieren.
Verdammt, weit und breit niemand.
Wir machten uns also auf die Suche nach dem Besitzer und ließen die beiden in Ruhe ihre Biere zu Ende trinken.

Ein paar Minuten später sahen wir eine Hand voll Häuser an etwas, was die Einheimischen wohl als Straße bezeichnen würden.
Wir dachten uns, wir gehen einfach langsam an den Häusern vorbei und Wilson wird schon in das Grundstück einkehren zu welchen er gehört.
Falsch gedacht.
Immerhin interagierte ein anderer Hund mit ihm, welcher zu einem Grundstück gehörte.
Sein Besitzer pfeifte ihn zurück.
Sehr gut!
Ein Zeichen von menschlichem Leben!
Ich machte mich zu dem Besitzer auf, um ihn zu fragen, ob er Wilson vielleicht kenne und wüsste, zu wem er gehört, in dem Moment rief weiter zurückliegend ein Mann nach Wilson.

Ich rief ob das sein Hund sei und er bestätigte dies glücklicher Weise.
Wir gingen zurück zu dem Mann und führten ein 5-minütiges Gespräch, über den Charakter des Hundes, über das Streunen und so Weiter.
Dann fragte ich Jeff, so der Name des Hundehalters, nach dem richtigen Namen von Wilson.
Puh, er sagte, sein Name sei Chester.
Ich glaube nicht an irgendwelche übernatürlichen Sachen uns sowas, hier muss ich auf jeden Fall sagen, dass der Stochastik ein Meisterwerk gelungen ist (Chester war ein ebenfalls ein Hund von, naja, nicht mir, aber ich war sein sehr eingebundener Patenonkel).
Hat doch diese komplette Geschichte einige Gedanken angekurbelt.
Das war irgendwie schön.

Also, Chester erfolgreich abgegeben, ein freundliches Gespräch gehabt und noch 7 Kilometer Strandspaziergang vor uns.
Die Dunkelheit nahte und wir waren mit Ivos Bett und allem Essen unterwegs.
Also mussten wir langsam sputen (hihi).

Aufgrund unserer komplett abgelutschten Fußböden entschlossen wir uns, mit Schuhwerk über den Strand zu sprinten.
Wir hofften, dass sich aufgrund Ebbe und Flut der mündende Fluss nicht erhöht hat, doch wir erkannten schnell, dass sich das Meereswasser zurückgezogen hat.
Leider bedeutete dass nicht, dass der Fluss dadurch passierbar geblieben ist.
Weil er keine Gegenwehr vom Meer hatte, hat er sich in einen megabreiten Wasserarm mit starken Strömungen verwandelt.
Wieder mal typisch!
Wir gingen unsere Optionen durch.
Den Fluss entlanglaufen, bis wir eine Brücke finden,doch es war weit und breit keine zu sehen oder zu vermuten.
Ich nahm die Strömungen dann genau unter die Lupe und war der Meinung, dass es einen Versuch wert wäre, durch die Strömungen, die geschätzt maximal bis zur Männlichkeitshöhe reichen sollten, zu laufen.
Stefan war nicht begeistert von dieser Idee.

29.11.2015 | 23:59

Also opferte ich mich tollkühn, krempelte die Hosenbeine meiner ohnehin schon kurzen Hose hoch und rein ging es in die Fluten.
Sogar schneller als gedacht, denn das Ufer auf dem ich mich befand sackte direkt hinein und ich damit ebenfalls.
Glücklicher Weise war die Strömung nicht so stark, wie sie aussah, dennoch war ich gut beraten, meine Beine so aquadynamisch wie möglich aufzustellen, um geringstmöglichen Widerstand zu erzeugen.
Und dann ging es im Krebsgang rüber gen anderes Ufer, in der Hoffnung, dass der tiefste Punkt der Strömung mich nicht komplett einsacken ließ.
Und so war es dann auch.
Alles halb so wild, easy going.
Stefan kam dann direkt hinterher.
Ein cooler Anblick, den ich gern für euch festgehalten hätte, aber ich hatte sämtliche technische Assistenz in der Roten Beate gelassen, weil ich a) nicht so viel mit mir rumtragen wollte und b) ich versuche, mich dazu zu zwingen, den dauerhaften Zwang abzulegen, ständlig alles Ablichten zu wollen, sondern auch mal Sachen nur für mich und den Moment zu genießen.
Weiter ging es also nach der Flußdurchquerung.
Einige Zeit später entdeckten wir sogar Rauch.
Eventuell ein Zeichen für Zivilisation.
In der Tat, ein Menschenmännchen hatte wohl ein Feuer gemacht um dem Weibchen zu imponieren.
So wies aussah hat das auch ganz gut geklappt.
Wir winkten denen kurz und weiter ging es, immer noch ging es darum vor vollendeter Dunkelheit unsere geliebte Beate besteigen zu können.
Irgendwann kamen wir zu einer Landstraße, die parallel zum Strand verlief.
Für uns eine gute Sache, denn Laufen in Schuhen war ob des Schmerzes der Füßlinge zur Pflicht geworden und auf der Straße hat man dann auch etwas weniger Sand darin.
Wir liefen auf der Linken Seite, weil dort ein Miniweg direkt an der Straße entlanglief.
Ein Auto näherte sich von hinten.
Immer näher kommend, entpuppte es sich als ein Lastwagen.
Wir drehten uns nicht um.
Doch dann überholte uns dieser riesige Holzlaster (die hier in der Regel über 100 fahren) und fegte uns beinahe Weg, weil wir Vollhörste natürlich nicht daran gedacht haben, dass der ebenfalls auf der linken Seite der Straße fuhr.
Puh, Nahtoderfahrung!

Also wenn ich wegen des Linksverkehrs hier wirklich abnippeln sollte, dann schreibt bitte nen coolen Witz auf meinen Grabstein, wie „War nicht links genug“ oder so.
Vorschläge dazu nehme ich auch gern in den Kommentaren entgegen.

Ansonsten haben wir es dann in der Tat mit den letzten Zuckungen des indirekten Lichts der lange untergegangenen Sonne noch zu Beate geschafft, Ivo war am Campingplatz auch noch in einer Unterhaltung, also alle gut, Haken dran!

Am nächsten Tag ging es weiter zu einem ebenafalls sehr coolen Ort, von dem es auch wieder einiges an Bildmaterial gibt (da hab ich auch das Panofoto für Facebook geschossen): Castlepoint.

Es führt eine ewig lange Schotterpiste in dieses kleine Minidorf, in welchem sie auch endet.
Es ist megawindig dort und es gibt einen tollen Leuchtturm mitsamt einiger Klippen und Berge, die man zu Fuß erkundigen kann.
Was wir natürlich taten!
Zu dritt liefen wir also vom Campingplatz, los doch die Wege der zwei Hobbyfilmer trennten sich schnell vom Steppenwolf im Schafspelz!
Ivo genoss die Wirkung der Naturgewalten vor allem sitzend auf den Klippen, während Stefan und ich die Knippsgeräte heißlaufen ließen.
Seht selbst in er Fotostrecke, wie es da so aussah.
Einen Wermutstropfen hatte der Besuch jedoch:
Zum ersten Mal in Neuseeland hatte ich extreme Allergie.
Meinen halben Taschentuchvorat verbrauchte ich dort.
Meine Nase war wundgescheuert, meine Augen kaum mehr verwendbar und mit der Luft hatte ich auch ordentlich zu kämpfen.
Ihr dürft meine Allergie jetzt auch gern mal gehörig ausschimpfen!

Tags darauf steuerten wir Ivos Arbeitslager an, um ihn dirt abzuwerfen.
Nein im Ernst, wir fuhren zu Ivos zukünftigen Arbeitgeber was gleichzeitig der Vater des Freundes von Margaux ist.
Er ist Farmer und hat Land von bescheidenen 500 Hektar Größe.
Wir wurden herzlich empfangen.
Hamish, so sein Name, und Sue, sein Frau, waren die Gastfreundlichkeit in Person.
Nebenbei trafen wir endlich Greg und Margaux wieder, die sich dort auch für zwei Nächte niedergelassen hatten.
Nach dem ersten Meet and Greet mit allen unternahmen Stefan und ich einen 2-stündigen Spaziergang über das Gelände und machten Bekanntschaft mit einigen der 2.000 Schafe, die zu Hamishs Hof gehören.
Bei der Wiederankunft wurde uns von Sue eine heiße Dusche angeboten, was wir gern annahmen.
Die Frage, ob wir Handtücher brauchen verneinten wir, jedoch meinte Sue wir sollen lieber welche nehmen, die nicht müffeln.
Also frische Handtücher dazubekommen!
Am Abend wurden wir zum Essen eingeladen, welches die beiden den gesamten Tag vorbereitet hatten.
Da ging mir doch das Veganerherz auf, als ich die Keule eines von Hamishs Lämmern im offen sah.
Scherzhaft sagte Sue, dass sie hoffe, dass keine Vegetarier unter uns sind.
Nun ja, ich hob die Hand.
Glücklicher Weise hatte die beiden auch noch Unmengen an leckerem Gemüse vorbereitet, von welchem ich mich bedienen konnte.
Köstlich war das.
Die Frage, inwiefern ich Milchprodukte essen würde, hatte sich auch schnell von selbst geklärt, die Situation hätte es nicht im Ansatz gestattet, hätte ich das mit Käse überbackene Gemüse abgelehnt, ich aß es also.
Immerhin Käse vom Bauern um die Ecke!
Die Gespräche waren sehr interessant, Hamish und Sue wirkten nicht nur sehr nett sondern außerdem sehr gebildet.
Ich gebe zu, dass das nicht meiner Standarderwartung von Farmern entsprach.
Wir unterhielten uns über Politik, Veganismus (sie konnten das nur schwer nachvollziehen, belustigten sich teilweise, waren aber am Ende auch stark daran interssiert) und die Wirtschaftlichkeit des Farmens.
Ich sagte, dass ich es immerhin schön finde, zu sehen, wie die Schafe auf deren Farm leben, es kommt wohl der freien Wildbahn ziemlich nahe.
Hamish meinte jedoch, dass man nicht vergessen sollte, dass die Tiere Mittel zum Zweck für den Ertrag sind.
Er kümmert sich so gut er kann, hat aber pro Jahr 4 % „Verlust“.
Und wenn eine seiner Kühe ein Wehwechen hat, wird die eher durchgebracht, als das bei einem Schaf der Fall ist, rein aus wirtschaftlichen Gründen.
Also einige interessante Themen besprochen.
Glücklicher Weise sprachen die beiden ein sehr sauberes neuseeländisches Englisch, welches man gut verstehen konnte.
Ein Abend, welcher meinen Horizont erweiterte!
Weiterhin hatte Sue uns nicht gestattet, die Nacht im Campervan zu verbringen, so schliefen wir in einem der Gästezimmer.
Ich muss euch sagen, so gut ich mich an das Schlafen auf vier Rädern gewöhnt habe, dort habe ich bisher meine beste Nacht in Neuseeland verlebt. Ich habe geschlafen wie ein Baby (und nicht mal in die Windeln gemacht).
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns alle.
Greg und Margaux brachen Richtung Wellington auf, Ivo blieb auf der Farm und Stefan und mich zog es zum Südkapp der Nordinsel.
Hamish und Sue sagten uns, dass wir jederzeit gern gesehen sind, dass wir einfach anrufen sollen, wenn wir wieder in der Nähe sind und auch wenn wir auf Arbeitssuche sind.
Ivo wird eine tolle Zeit dort haben.
Wenn ich nicht so eine megageile Weiterreise vor mir gehabt hätte, wäre ich sicher auch etwas neidisch gewesen :-)

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