Harald, Klaus, Peter und Mustafa (der ist kein echter Einheimischer)

Wenn Robben robben

07.12.2015 | 17:15

Es ist ein Tag nach Nikolaus. Die Temperatur beträgt circa 25 Grad.
Ich hatte keine Überraschung in meinen Stiefeln.
Ich bin enttäuscht.
Aber naja, um ehrlich zu sein, fällt es mir selbst schwer, meine Stiefel zu finden, da sie sich unter einer riesigen Schicht getrockneten Schlamms verstecken.
Mein Plan, den Schlamm trocknen zu lassen um ihn dann einfach abklopfen zu können, ist gescheitert.
Was eventuell daran liegen könnte, dass ich bisher zu faul war, den Abklopfprozess einzuleiten.
Aber all das hat nur bedingt mit meinem Reisebericht zu tun.

Ihr merkt schon, ich hab gute Laune.
Ich habe gestern den dreitägigen Abel-Tasman-Track überstanden und versuche nun wieder so langsam etwas jenseits von Schmerz zu fühlen.
Glücklicher Weise helfen mir die heimischen Sandflies (Sandfliegen) dabei.
Jene bindet man sich als Kerl leider nicht um den Hals, wenn man geneigt ist an einer förmlichen Strandparty zu partyzipieren (höhö), sondern es sind die netten einheimischen Fliegen, die hier aus nem Elefanten ne Mücke machen und einen stechen, was das Zeug hält.
Neben dem Schmerz gesellt sich also noch einer angenehmer Juckreiz hinzu.
Derzeit liegt die Anzahl der von mir empfangenen Stiche bei circa 60.
Ein wenig erinnern mich diese kleinen Kerle (m/w) an die Nihilisten aus The Big Lebowski.
Antiinsektenzeug ist denen herzlich egal (nicht, dass ich es je damit versucht hätte), außerdem ist es denen auch egal, ob sie beim Stechprozess (oder davor oder danach) zerflatscht werden.
Eventuell verfolgen sie auch militärische Ziele, sie wirken doch sehr uniformiert.
Vielleicht stehlen sie das Blut von europäischen Touristen um einen Virus züchten zu können, den sie gezielt gegen Europäer einsetzen können.
Hmmm, ich wollte grad sagen, das ich abschweife, aber ich hab ja noch nicht mal angefangen, etwas vernünftiges zu schreiben, von dem ich abschweifen könnte.
Bei näherem Nachdenken empfinde ich als Junge das Wort „abschweifen“ doch als ganz schön pervers.

Nun gut, genug abgeschweift.

Am Morgen nach den zuletzt geschilderten Erlebnissen verließen Stefan und ich unsere kleine Farm und zogen gen Cape Palliser, was den südlichsten Punkt der Nordinsel darstellt.

Normalerweise hätte man eine Stunde Fahrt dahin benötigt, doch wir entschieden uns, uns lieber ein wenig im Nirgendwo zu verirren und jede Sackgasse des Gebietes zu erkunden.
Das war ein Spaß.
Es wäre auch ein Frevel gewesen, die Tageshälfte mit dem guten Wetter nicht dafür zu nutzen, fahrend im Auto zu sitzen.
So kamen wir nach 5 Stunden Fahrt pünktlich mit dem Regen am Südkapp an.

Oceans 11 hätten uns des Atems nicht besser berauben können, es war traumhaft!
Scheiß doch auf das Kackwetter!
Oder kack halt auf das Scheißwetter!

Unzählige Felsen ragten dort ins Meer, und auf jenen befanden sich wiederum unzählige Robben.
Große, kleine, mittelgroße, mittelkleine, braun, dunkelbraun, mittleres dunkelbraun, es war ein hohes Spektrum an Robben zu finden.

(Anmerkung von Stefan: „Schreib keinen Scheiß, meine Mutter liest das!“)
(Weitere Anmerkung von Stefan: „Die liest das wirklich, ne!“)

Ich grüße hiermit die Mama der Mitschkebruderschaft (und entschuldige mich für den anzüglichen Abschweifen-Witz (aber keine Sorge, meine Familie liest das ja auch)).

Nebst der Robben gab es am Kapp des schlechten Wetters noch einen Leuchtturm und öhm, halt so Zeuch.

Wir nächtigten auf einem windigen Campingplatz ganz in der Nähe.
Am nächsten Morgen sollte es nach Wellington, der Hauptstadt Neuseelands gehen.
Auf dem Weg dort hin nahmen wir noch die Pinnacle-Felsen mit.
Auf einen ausgetrockneten Flussbett (der Fluss war demnach gerade nicht schlafen), ging es durch Schluchten mit spitzen Felsen, die man auch in den Herr der Ringe-Filmen (Na, Eltern, mittlerweile angesehen?) bestaunen kann.
Eindrucksvoll.

Später kamen wir also in Wellington an.
Der Plan war, uns dort mit den Franzis in einem Hostel zu treffen.
Als gut organisierter Veganer roch ich selbstverständlich veganes Essen in einer Großstadt wie dieser.
So kamen wir zu einem asiatischem Restaurant, welche nur vegetarische und vegane Kost zubereitete (die nebenbei bemerkt sehr lecker war).
Eher frautypisch versuchten wir zwei die sozialen Beziehungen der dort Beschäftigten zu entschlüsseln.
Es gab eine junge hübsche Kellnerin und einen ebenso jungen Kellner.
Ich war der Meinung, die seien sicher ein Paar, denn in asiatischen Restaurants haben doch immer alle irgendwelche familiären Beziehungen zueinander (ist das rassistisch?).
Stefan entgegnete mir sofort: „Niemals sind die ein Paar, das müssen Bruder und Schwester sein, so ähnlich wie die sich sehen!“
Ich wiederum entgegnete ihm, dass er ein Vollhorst sei.
Stille.
Dann wurde ihm bewusst, was er da gerade über die zwei Personen der asiatischen Belegschaft gesagt hatte (ist DAS rassistisch?).
10 Minuten lang waren wir mit unserem Tränen inkludierenden Lachanfall die Attraktion des Restaurants.

Ja, das war wirklich lustig!
Wenn man dabei war.

Danach verließen wir unseren Rassistisch, beglichen an der Theke die Rechnung und machten uns in bester Nachmittagssonne zurück gen Roter Beate, um mit jener Richtung der Franzosenmeute zu fahren.
5 Minuten Weg trennten uns von unserem Vehikel.

Auf jenem Weg kamen wir an einer Craft-Beer-Bar vorbei.

2 Stunden später spielten wir Schere-Stein-Papier um zu eruieren, wer der fahrtüchtigere von uns beiden ist.
„Na gut, 2 von 3, ach los, 3 von 5.“
„Okay, ich fahre.“

(Eventuell hat der Autor diese Situation ein wenig überspitzt dargestellt.)

(Eventuell nicht.)

Im Hostel angekommen, trafen wir also auf die uns bekannten Baguettisten und schmiedeten schnell Pläne für den Abend.
Bier kaufen, Bier trinken, tanzen gehen.
Wir kauften also Bier, tranken es und gingen tanzen.
Die Musik war wie gewohnt unterirdisch, so dass es mich wunderte, dass sich der Dancefloor nicht im Keller befand.
Wie das ganze Rumgetanze ablief könnt ihr meinen früheren Ausführungen über Tanzabende entnehmen.

Immerhin unterhielten Stefan und ich uns noch lang mit einer Französin (bis 6 Uhr) im Flur des Hostels, das war nett.
Weiterhin sei angemerkt, dass während ich vor dem Hosteleingang auf die anderen wartete, bis sie sich ihre Nase mit dem Klammersack gepudert hatten, einen netten Typen kennengelernt hatte, der mir freudig seine Hakenkreuztätowierung zeigte, als ich ihm sagte, dass ich Deutscher sei.
Nachdem er mir dann noch sagte, dass das einzige deutsche Wort, welches er spreche (zarte Gemüter bitte nicht an dieser Stelle sondern ab dem nächsten Absatz weiterlesen), „Muschisaft“ sei, beschloss ich lieber innerhalb des Hostels auf meine Gefährten zu warten.

Nach erholsamen drei Stunden Schlaf klingelte der Wecker, ich weckte mich mit einer Dusche und dann ging es ab gen Fähre!
Die Reise durch die Nordinsel sollte nun vorerst ihren Abschluss finden.
Leider hat es nicht gereicht, Charon zwei Münzen in die Hand zu drücken, zwei deutsche Nasen samt Van legen geschmeidige 260 Dollar für die Überfahrt hin (Stefan, du schuldest mir noch deine Hälfte!!!!!!!!!!111111einself).
Die Fahrt lief entspannt ab, ich versuchte zu schlafen.
Der Versuch gelang, das Schlafen jedoch nicht.
Ich lernte 2 ältere Neuseeländer kennen (also streng genommen Altseeländer) und wir unterhielten uns ein wenig.
Auffällig war dabei die E-Gitarre des Opis, welche ich anspielen durfte.
Eine Squier, nichts besonderes, aber es war toll für mich, mal wieder eine E-Klampfe in der Hand zu haben, auch wenn ich dort nur ohne Verstärkung zupfen konnte.
Neuseelandopi erzählte mir, er hätte vor vier Jahren mit dem Gitarrespielen angefangen, das fand ich beeindruckend.
Er muss da um die 100 gewesen sein.
Das zeigt mir, dass es nie zu spät im Leben ist, etwas zu machen, worauf man Lust hat!
Chapeau, er spielte recht gut!

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