Typ vor Kulisse

Im Süden was Neues

07.12.2015 | 18:33

Nach dreieinhalb Stunden Fahrt war Land in Sicht.
Wir erreichten Picton, was ich nur erwähne, weil ich stolz bin, mir den Namen dieser Stadt gemerkt zu haben.

Ein paar beschnappte Schüsse später ging es zu unserem ersten Campingplatz auf der Südinsel.
Auch den Namen jener Stadt konnte und kann ich mir merken: Havelock.

Ein riesen Brüller, sag ich euch!
Ich zerquatsche jetzt zwar den Witz, aber das ist ja eher euer Problem, denn meins.
„Have a look“ ist eine häufig verwendete Phrase im Englischen.
„Can I have a look“ heißt so viel wie „Kann ich mal sehen?“
Und wer täglich sein temporäres Leben mithilfe von Landkarten und anderen Menschen plant, sagt das wirklich seeeeeeehr oft.
Seitdem wir nun diesen Ort besucht hatten, sagen wir nur noch „Can I Havelock?“
Und jedes mal lachen wir.
Also zumindest die Jungs.
Jedes! Mal!
(Wer nicht ausdrücklich in die Kommentare schreibt, dass das nicht megalustig ist, stimmt sozusagen stillschweigend jener Lustigkeit zu.)

Am nächsten Tag ging es weiter.
Also mit etwas Verzögerung, denn die Rote Beate wollte partout (Die Franzosen sagen, dass es dumm ist, dieses Wort so zu benutzen, wie wir es im Deutschen tun) nicht anspringen.
Der Campingplatzbesitzer gab uns dann netterweise Starthilfe.
Die Franzosen besuchten also einen Wasserfall und Team Allemagne fuhr eine halbe Stunde durch die Prärie, um die Batterien der Roten Beate wieder aufzuladen.

Dann wurde es richtig fetzig (geiles Wort, oder?)!

Wir hielten an einem Fluss, durch welchen glasklares Wasser floss.
Also es floss nicht durch den Fluss, sondern das glasklare fließende Wasser war der Fluss.
Wir gingen baden!
Es war kalt!
Wenn ihr mich nach der Wassertemperatur fragt, würde ich sagen, so ca. 3 Zentimeter.
Und dort habe ich angefangen, mich meinen Zielen für die Neuseelandreise zu nähern.
Die meisten von euch werden darüber lachen, aber ich bin genau einmal in meinem Leben in einem Schwimmbad von einem Ein-Meter-Brett gesprungen.
Danach nie wieder.
Ich hatte stets panische Angst vorm Springen ins Wasser, obwohl es nie einen hinreichenden sachlichen Grund dafür gab.
Am Fluss gab es Felsen!
Die anderen motivierten mich zum Sprung von jenen.
Erste Stufe: Ein Felsen von circa einem Meter Höhe über der Wasseroberfläche.
Ich sprang!
Die zweite Stufe: Ein Fels von circa 4 Metern Höhe.
Ich sprang!
Alles via Film dokumentiert!
Sobald ich mein Heulen vor den Sprüngen und mein Winseln nach den Sprüngen herausgeschnitten habe, versuche ich es irgendwie in diesen Blog zu implementieren.
Sukzessive mehrt sich generell mein Filmmaterial, ich werde mir was einfallen lassen…

Nach dem Planschen ging es nach Motueka (ich bin grad richtig stolz auf mein Namensgedächtnis).
Dort haben wir lange Zeit in der Touristeninformation zugebracht und unsere bisher großangelegteste (sagt man das so?) Wandertour geplant, den Abel Tasman Track.
Jenem spendiere ich dann einen separaten Blogeintrag.
Da es dauerhaft regnete, entschieden wir uns, den Beginn der Wanderung etwas nach hinten zu schieben und noch zwei Tage lang die restliche Gegend zu erkundigen.

Zunächst erkundeten wir die Stadt und kauften vielerlei Dinge.
In einem Second-Hand-Laden wurden wir von einer Journalistin angesprochen, die Bürger zum Klimawandel interviewte und fragte, ob jemand von uns auch etwas dazu zu sagen hätte.
Ich weiß auch nicht, warum die anderen reflexartig auf mich gezeigt haben.
Jedenfalls stand ich der guten Dame Rede und Antwort, bis sie mich unterbrach.
Für eine vollumfängliche Wiedergabe meiner Position zum Klimawandel würde wohl der Platz nicht reichen.
Sie meinte, sie kürzt es auf das nötigste herunter.
Pfff, so eine diffizile, weitreichende, uns alle betreffende Thematik auf das nötigste herunterkürzen.
Sowas kann auch nur den Printmedien einfallen!
Hat die meine Haare nicht gesehen? Sehe ich so aus, als würde ich viel vom Kürzen halten!?
Nun ja.
Ein Foto von mir gemacht, fertsch war der Lack.
Am nächsten Tag erschien also mein Klimawandelsenf in der dortigen Tageszeitung „Guardian“.
Ich wollte mir unbedingt ein Exemplar selbiger zulegen, jedoch mussten wir am selbigen Abend noch ungeplant die Stadt verlassen, da wir dort keinen Schlafplatz gefunden haben.
So kann ich leider keinen Beleg vorweisen.
Wer dennoch meine geistigen Ergüsse zum Klimawandel hören möchte, kann mich jederzeit gern auf ein Bier einladen oder mein bisher unveröffentlichtes melodramatisches Schriftwerk „Oma, wieso hast du so große CO2-Zertifikate?“ bei drAmazon bestellen.

Des nächsten Tages ging es weiter gen Norden.
Es regnete, also schienen Höhlen eine gute Idee zu sein, dort hat man ja in der Regel ein Dach über dem Kopf.
Geiler Scheiß!
Höhlen, gespickt mit riesigen Stalaktiten und Stalagmiten, echt wundervoll!
Weiterhin haben wir eine Wasserquelle mit dem einen der meist klaren Wässer besucht.

Am nächsten Tag ging es zum Nordkapp der Südinsel.
Tolle Fels- und Gesteinsformationen zierten dort die Küste.
Bei dem eher mittelprächtigen Wetter waren dort auch kaum Menschen.
Eine Robbe hatte sich wohl zum Sterben an diesen Ort zurückgezogen, eine gute Wahl.
Als wir sie kreuzten machte sie ihre letzten Atemzüge.
Aus respektvollem Abstand machte ich ein Foto um diesen Teil des natürlichen Laufes des Lebens zu dokumentieren.

Am Ende des Tages standen unsere Vorbereitungen für den Abel Tasman Track bevor.

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