Watt!

Der Abel Tasman

07.12.2015 | 19:17

Man bin ich heute in Schreiblaune.

Wie bei allen größeren Wanderungen versuche ich wieder vorrangig die Bilder sprechen zu lassen.

Nur ein paar Dinge:

Der Abel Tasman Track gilt als eine der schönsten Wanderrouten Neuseelands.
Wir haben uns entschlossen die Strecke mit zwei Übernachtungen zu bewältigen.

Dabei den ersten Tag in Kajaks auf dem Wasserweg (es ist generell eine Küstenwanderung) und die weiteren zwei Tage auf dem Landweg.
Zwei Campingplätze haben wir im Vorfeld gebucht.

Am Abend vor der Wanderung wollten wir noch einkaufen. Jenes misslang uns leider ob unserer späten Rückkehr vom Norden.
Also wurde der Plan ein wenig variiert.

Um 6 Uhr am nächsten Morgen klingelte der Wecker.
Um 8.15 Uhr mussten wir beim Kajakverleih sein, vorher mussten wir noch unseren Wandereinkauf erledigen, der nächste Supermarkt befand sich jedoch 10 Kilometer in der entgegengesetzten Richtung.

Selbstverständlich waren wir viel zu langsam und hatten keine Chance mehr, zum Supermarkt zu gelangen und danach rechtzeitig beim Kajakverleih aufzuschlagen.

Der einzige Laden auf dem weg, welcher vor 8 geöffnet hatte, war so eine Art Späti.
Ein kleiner Laden, in dem es kaum was gibt, mit den 5-fachen Preisen eines Supermarktes.
Wir kauften Baked Beans in Dosen, Spaghetti in Tomatensauce in Dosen, gesalzene Erdnüsse und alle Bananen, die sie hatten.

Es war deprimierend, aber besser als nichts.
Während die Franzosen nur leichtes Gepäck mit sich trugen, kamen die Rucksäcke von Stefan und mir jeweils geschätzt auf 15-20 Kilogramm.
Ich kann euch sagen, damit bergauf und bergab zu wandern ist eine ordentliche Herausforderung.

Aber geil.

Das Kajakfahren war grandios, wir hüpften von Insel zu Insel, machten Halt an herrlichen Sandstränden, fuhren an Robbenkolonien vorbei und Team Allemagne traute sich an ein paar Klippen heran, um ein wenig Rafting-Feeling zu bekommen.
Vom Kajakankunftsort bis zu unserem Campingplatz hätten wir eine halbe Stunde laufen müssen, wäre zum Zeitpunkt unserer Ankunft Ebbe gewesen.
Da die Buchten aber dank der Flut voll Wasser waren, liefen wir knapp drei Stunden den sogenannten „High Tide Track“.
Ein kleiner Vorgeschmack, wie es ist, mit so viel Gepäck auf dem Rücken durch die Gegend zu watscheln.
Am Ort unserer Ankunft lernten wir einige nette Menschen kennen und verlebten einen guten Abend mit Strandspaziergängen, Felsklettern und Sterne beobachten.

Lasst mich kurz ein paar Gedanken loswerden, welche mir beim Betrachten der Sterne kamen.
Sie sind vielleicht nicht neu, mir aber schon. Beziehungsweise habe ich jene noch nie so bewusst erlebt:

Ist euch schon mal aufgefallen, das der Blick zu den Sternen ein Blick durch das Fenster in die Vergangenheit ist?
Das Licht braucht trotz der Lichtgeschwindigkeit, die immens hoch ist, Jahre, bevor es von den Sternen zu Erde und damit zu unseren Augen gelangt.
Was wir also wahrnehmen ist mitnichten ein aktuelles Bild.
Es kann also sein, dass wir einen Stern sehen, den es schon gar nicht mehr gibt, weil wir seine letzten Lichtwellen empfangen.
Oder wir sehen noch keinen Stern, obwohl ein neuer entstanden ist, weil es seine Lichtwellen noch nicht zur Erde geschafft haben.
Ich finde diesen Gedanken sehr spannend.
Wir können ihn ja auch mal auf unseren Alltag herunterbrechen.
Was bedeutet es, im Moment zu leben?
Sehen wir nicht eigentlich immer etwas bereits vergangenes, obwohl es hier nur um eine Latenz von millionstel Sekunden geht?
Ihr seid herzlich eingeladen, diesen Gedanken weiterzuspinnen.
Ihr müsst aber auch nicht :-)

Am nächsten Tag wanderten wir megalang.
Ich lief den größten Teil der Strecke allein, weil ich meinen Gedanken freien Lauf lassen wollte (wenn mir denn schon mein Rucksack keinen freien Lauf ließ).

Wir kamen am Campingplatz an, welchen wir im Vorfeld gebucht hatten.
Es war noch relativ früh, so überlegten wir uns, ob wir nicht noch weiterlaufen wollten.
Während wir darüber diskutierten (es ging schließlich um weitere 3 Stunden laufen) rief jemand: „Dolphins!“.
Reflexartig rannte ich zu meiner Kamera, schraubte das Tele drauf, rannte zum Strand, hielt ob des Anblicks (meine ersten Delfine in freier Wildbahn) kurz inne und dann hielt ich die Kamera drauf, was das Zeug hält.
Eine stattliche Schule schwamm einige hundert Meter vom Strand entfernt vorbei.
Leider kein einziges schönes Bild dabei, aber als Beweisfoto reicht es :-)

Wir entschieden uns, weiterzuwandern.
Puh.
Meine Füße waren kaputt, meine Hüfte hatte Blasen vom Rucksack.
Aber es war geil!

Und am Campingplatz angekommen gab es sogar eine ((eis-)kalte) Dusche!
Der Kontroletti des Campingplatzes war während seines Kontrollrundgangs verwirrt, hatten wir ja auf unserer Buchungsbestätigung den Namen eines anderen Campingplatzes stehen.
Ich übernahm, tat verwundert und meinte, dass sich die Dame von der Touristeninformation wohl geirrt haben muss.
Am Ende war es unproblematisch und wir durften bleiben.
Ich glaube denen ist es egal, für welchen Campingplatz wir bezahlt haben, Hauptsache wir haben bezahlt.

Am nächsten Morgen mussten wir mit der Ebbe aufstehen, die nächste Etappe war nur bei Wasserniedrigstand zu passieren.
Wie eine Krötenwanderung sah es aus, als sämtliche Wanderer durch das Watt wattschelten.

Ein paar schmerzvolle Stunde und schöne Aussichten später hatten wir die Rote Beate erreicht.

Das Auto der Franzosen hatten wir am Anfang der Wanderroute abgestellt, die Rote Beate am Ende, so sparten wir uns die Kosten für das Wassertaxi, was einen normalerweise zum Startpunkt zurückbringt.

Der Abel Tasman war bewältigt, wir waren überwältigt!

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