Stefan, nachdem ich einen Witz erzählt habe.

Terminieren!

09.12.2015 | 23:32

Ich sitze im Van.
Stefan liegt neben mir und lenkt mich mit seinem Gequassel vom Schreiben ab :-)
Auf meine Frage, ob er der Öffentlichkeit etwas mitzuteilen hat, antwortete er: „Wieso?“.
Als ich meinte, danke, das reicht schon, reagierte er verwirrt.

Nach dem Ende des Abel Tasman Tracks haben wir auf dem Weg zu unserem nächsten Schlafplatz noch einen Wasserfall besucht.
Marau… Marei… Maumau… Irgendwie so heißt der.
Grob übersetzt aus dem Maorischen heißt das bestimmt wie „Wasser, was von oben nach unten fällt.“.
Auf der weiteren Fahrt ist etwas sonderbares passiert.
Ich saß am Steuer, die anderen drei haben im Auto gedöst.
Die Straße ging lang gerade aus, was in Neuseeland sehr unüblich ist.
Ich sah in weiter Entfernung etwas auf der Straße, es sah aus wie ein Vogel.
In der Regel bremse ich für alles, was sich auf der Straße bewegt, weswegen sich mancher Mitfahrer auch schon mal gern über mich belustigte, was mir in der Regel aber auch egal ist.
Dieses Mal bremste ich nicht, denn die Vögel neigen dazu, im rechtzeitig den Ausweichflug anzutreten.
Beim Näherkommen bestätigte sich der Verdacht, dass es sich um einen Vogel handelt.
Er flog nicht rechtzeitig weg.
Ich war mir sehr sicher, dass ich ihn mit dem Auto getroffen haben muss, aber so sicher auch wieder nicht.
Am Campingplatz hatte ich dann die traurige Gewissheit, das Vögelchen war mit dem Kopf in der Kühlung unseres Vehikels eingeklemmt und tot.
Ein Anblick, der mich richtig fies getroffen hat.
Ich musste den Stehplatz unseres Autos sofort verlassen.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr mich in diesem Moment mein Gewissen geplagt hat.
Mein Unverständnis über mich selbst, nicht gebremst zu haben, vor allem aufgrund der Tatsache, ihn ja auch schon rechtzeitig gesehen zu haben.
Es gab keinen Grund, die Geschwindigkeit nicht zu verlangsamen.
Und dennoch habe ich es nicht getan.
Auf dem Abeld Tasman Track sah ich so viele Vögel brüten.
Vielleicht hab ich irgendwelchen Vogelkindern Mami oder Papi genommen.
Ein scheiß Moment.
Stefan hat ziemlich schnell gemerkt, dass mich das böse mitnimmt und war so nett und hat den Piepmatz von unserem Auto entfernt und ihn sogar begraben.
Das war eine nette Geste und ihr mögt lachen, aber selbst wenn ich das grad einige Tage später niederschreibe bekomme ich aus einer Mischung von Rührung und Gewissensbissen Tränen in die Augen.
Die Konsequenzen, die ich daraus ziehe, sind leider nur jene, dass ich in Zukunft wieder genau so agieren werde, wie bevor.
Es ist betrübend, dass man manchmal dazu verdammt ist, unrückgängliche Fehler zu machen, nur um zu erkennen, dass eigentlich das vorhergehende Tun genau das richtige gewesen ist.
Sicher ist das ein Moment, in dem sich meine persönlicher Charakter stabilisiert doch irgendwie erscheint mir dieser Preis zu hoch.
Dem Vögelchen kann ich das nun nicht mehr erklären.

Ich erkenne eine merkwürdige situative Allegorie auf meinen Jahresbeginn.

Immerhin habe ich nicht den ganzen Abend in den trüben Saal geblasen.
Wir hatten groß eingekauft und ein leckeres Essen am Abend geplant.
Und als Highlight sollten wir Clémence uns Nerea wiedersehen.
Wir hatten gutes Essen, ich zu viel Bier und einen insgesamt schönen Abend.

Tags darauf ging es weiter.
Es ist schwer, mich daran zu erinnern, es preschen so viele neue Eindrücke auf einen ein, dass es fast schon pervers ist.

Ach ja, wir fuhren an einen See.
Dieser See hatte auch einen Namen.
Den Tag am See nutzte ich vor allem zum Verfassen der letzten Beiträge, ihr seht das an den Datierungen.
Ich hatte richtig gute Schreiblaune und habe mich einfach vier Stunden im Van eingesperrt und geschrieben.
Obwohl das Wetter toll und die Umgebung schön war.
Am Abend aßen wir gemeinsam und ich unterhielt mich noch etwas mit Franzosen, die wir auf dem Campground kennengelernt hatten.
Die Nacht war arschkalt.

Am nächsten Morgen war der Körper nach dem anstrengenden Abel Tasman wieder ein wenig regeneriert, sodass wir uns vorgenommen hatten, zu Fuß ein kleine Runde in der schönen Gegend zu drehen.
Doch vorher ein Schreckmoment:
Mister Basilo war die gesamte Nacht draußen und ließ stark die Blätter hängen.
Ich hab ihn schon sterben sehen.
Es war wohl zu kalt für den kleinen Grünling.
Er bekam eine Wasserinfusion und einen warmen Sonnenplatz hinter der Heckscheibe, nach einigen Stunden ging es ihm wieder besser.
Seitdem wir Auckland verlassen haben, ist er unser treuer Begleiter. Ich kenne ihn länger als Greg, Margeaux, Nerea und Clémence!
Selten hat ein Supermarktbasilikum wohl so lange überlebt.
Ich hoffe, ich kann mit ihm noch Weihnachten und Silvester feiern!

Die kleine Spazierunde ging los.
Zwei Stunden steil nach oben.
Zum Mt. Robert.
Ich hatte starke Schmerzen in meiner linken Wade.
Der Abel Tasman hatte seine Spuren hinterlassen.

Man hätte den in bester Kain-Manier erschlagen sollen!
Dann müsste ich nicht diese Leiden leiden!
Naja, heulen kann ich, wenn ich genügend Wasser habe, dachte ich mir und hab auch jenen Rundgang überlebt.
Dabei ist ein cooles Foto entstanden, wie man mich mit meinem Sternituch auf dem Kopf sieht.
Es ist ein wenig talibanesk.
Aber da es sich nicht um ein Palituch handelt fühle ich mich ausreichend unpolitisch damit.

Nachmittags ging es zum nächsten Wasserfall (Das reicht dann auch erstmal mit Wasserfällen für die nächsten Wochen.), bevor wir am Abend Westport erreichten.

Dort passierte: Nichts.

Am nächsten Tag jedoch war ich wild entschlossen die wilden Wasser des Buller Rivers mittels Rafting zu erkundigen.
Die anderen konnte ich glücklicherweise damit anstecken!

So kann ich heute also endlich auf meine erste Raftingtour zurückblicken!
Es war toll, hätte aber noch härter sein können.
Bildmaterial ward leider nicht mit meiner Kamera gemacht, ich versuche aber welches zu organisieren.

Jetzt wird aber erstmal geschlafen.
Der Datumsmesser ist weitergerutscht und es ist 0:20.

Nachti!

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