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Weihnacht!

23.12.2015 | 22:52

„Noch einmal schlafen, dann ist Weihnachten!“
Wie oft ich diesen Satz schon in meinem Leben gesagt oder gedacht habe.
Morgen ist also der 24.12.2015, Heiligabend.

Einigen von euch bedeutet das vielleicht nicht viel, mir jedoch schon.
Seitdem ich denken kann liebe ich die Traditionen, welche sich über den Lauf der Jahrzehnte in meiner Familie ausgeprägt haben, obschon sie keine direkten christlichen Einflüsse innehat.
Dieses Jahr ist es zum ersten Mal für mich ganz anders.
Hier ist es ein Tag wie jeder andere und doch auch irgendwie nicht.
Seit einigen Wochen sind wir zur dritt unterwegs, getrennt von den Franzosen.
Der morgige Tag wird Anlass sein, uns endlich wiederzusehen.
Als große Runde werden wir morgen gemeinsam Essen kochen, uns auf einem Campingplatz unter den Pavillon setzen, das Essen auf improvisierte Tische stellen und einen richtig netten Abend haben.
Ivo werde ich leider nicht sehen, er wird Weihnachten auf der Farm bei den Sims verbringen.
Ich schwärmt in höchsten Tönen von ihnen, ich freue mich, dass es ihm dort gut gefällt.
Darum geht es doch, nette Menschen um sich zu haben, sie wertschätzen zu können.
An diesem Tag ein klein wenig bewusster als sonst.
Vielleicht kann ich die anderen beim Einkauf auch von den kulinarischen Traditionen meiner Familie überzeugen.
Schnecken und Stopfleber, wie es die Franzosen gewohnt sind, wird es jedenfalls nicht geben 😉

Wie sehen sie denn aus, die Traditionen meiner Familie!?

Ich kann es wie im Schlafe sprechen:

Vormittags Treff auf Friedhof.
Es wird beratschlagt, wann.
Schließlich müssen die Jüngsten ihren Mittagsschlaf pünktlich abmutzeln, wird meine Schwester sagen.
Also 10.
Mein Vater wird sagen, dass er sich nicht schon Mitternacht treffen will, also 11.
Sonst hatte er mich immer als Unterstützer auf seiner Seite, das fällt dieses Jahr aus :-)

Dann geht es weiter, die Familie trifft sich bei denen, die die jüngsten Kinder haben (also wahrscheinlich die nächsten 25 Jahre bei meiner Schwester), mein Vater bereitet die Nudelsuppe mit selbstgemachten Nudeln vor.
In zwei Varianten: eine mit Huhn, eine mit Tofu. Oder dieses Jahr nur eine mit Tofu? :-)
Dann bin etwas unsicher, da durch meine zwei tollen Nichten alles ein wenig anders ist, als vorher.
Früher begann ich dann mit dem Geschenke einpacken.
Aber seit einigen Jahren schenkt auch nicht mehr jeder jedem was, sondern es werden Lose gezogen und jeder schenkt nur noch einem etwas.
Außer die Minifamilienmitglieder, die bekommen von allen was.
Die Tradition des Schenkens hat meine Familie also vor gar nicht allzu langer Zeit selbst geändert.
Ein langer Diskurs war dies, wir haben uns alle lange gefragt, was es bedeutet, jemandem etwas zu schenken und inwiefern es nötig ist, diese Bedeutung auf dem Wege des Schenkens zu vermitteln.
Aber ich schweife ab.
Früher schlichen meine Schwester und ich ein einen Raum abseits der anderen und übten das Weihnachtsprogramm, was bis vor ein paar Jahren Gang und Gebe war.
Ich sage ja, meine geliebte Schwester hat nur Kinder entbunden, damit sie in ihren Mitdreißigern endlich mal aus dieser Pflicht entbunden wird :-)
Mittlerweile singe wir gemeinsam Weihnachtslieder, jemand liest eine Geschichte vor und sowas halt.
Danach ist Bescherung!
Meine Nichte Anna-Luise hat zur Zeit den Job des Geschenkeverteilers, damit hat sie meinen Vater nach jahrelangem Dienst abgelöst.
Nach der Bescherung gibt es dann Abendessen (und damit haben wir dann den Bogen zum Essenseinkauf hier in Neuseeland): Würstchen und Kartoffelsalat.
Meine liebe Großmutter ist dabei die Kartoffelsalatverantwortliche.
Einige Varianten sind dabei:

– normal, mit Hering
– ohne Hering
– vegan
– ohne Paprika (da bin ich mir gerade nicht sicher)

Nach dem und beim Essen wird dann noch viel geredet und herzhaft über alles diskutiert, über was man so diskutieren kann.

Das wird mir morgen sehr fehlen.

Auch die Adventssonntage mit meiner Familie, sowie die Tradition, dass ich stets zum Buß- und Bettag Stolle für Familie, Freunde und Kollegen (die zum großen Teil auch Freunde sind) buk, vermisse ich.

Und die Adventsabende! Es war nicht immer leicht, aber ich habe immer fleißig meine liebsten Freunde an den Adventssonntagen zusammengetrieben, wir zündeten feierlich den Adventskranz, den meine Mutter gebastelt hatte, an, aßen und schauten einen Film der mindestens im entferntesten etwas mit Weihnachten zu tun hatte.

Ja, das vermisse ich.

Auch werde ich vermissen, mit meiner zweiten Familie zu Feiern, aber dafür hilft es wohl, in der Ferne zu sein.

So sehr ich die Zeit hier genieße, so sehr merke ich, das in meinem Herzen ein großes Stück Heimat pocht.
Ich finde, das ist eine der schönsten Erkenntnisse, die man auf einer langen Reise gewinnen kann.

Habt ein paar schöne Tage, ihr Lieben!c64955af-b317-47b7-a136-2d093e408eb8

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