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Wanaka

02.01.2016 | 22:48

Ich sitze in der Küche in einem Camp Ground nahe Invercargill.
Es tropft ein Wasserhahn.
Ich habe mitgezählt: ca. 3-4 mal pro Sekunde.
Er macht mich nervös.
Und bestimmt muss ich bald aufs Klo, deswegen.
Ich könnte ihn abdrehen.
Ich bin zu faul.
Außerdem ereilte mich ein schweres Schicksal.
Mich haben innerhalb der letzten halben Stunde drei Mücken in die Füße gestochen.
Oder zwei Mücken, davon eine zwei mal. Oder eine Mücke und die drei mal.

Jedenfalls habe ich nun drei neue Mückenstiche.

Hier ein Gedicht dazu:

„Lut zur Mücke“

(Lut heißt das lyrische Ich, welches in Richtung Mücke mehr oder minder monologisiert. Naja, eigentlich nicht direkt in Richtung Mücke, aber das fällt eh niemandem auf, wenn ich es irgendwann ohne diese Klammer veröffentliche, in meinem Gedichtband „Franzens Gedichtband“ (Welchen ich irgendwann vertone mit der „Franzens Gedichtband“))

(So jetzt aber noch mal von Vorne ohne Klammer lesen, es sei denn, ihr hängt grad Wäsche auf!)

Stich der Mücke, mit welch Tücke

du zu meinen Füßen liegst.

Du juckst, ich kratze, weil ich es verpatze

cool zu bleiben und nicht zu reiben,

kannst mich noch zur Weisglut treiben!

Durch die Socke, freches Stück!
Während ich am Auto hocke.

Stich doch Katzen oder Stefan!
(Dafür brauch ich keinen Reim, find ich auch so lustig)

Die nächsten Schuhe, die ich bezahle,

Werden mehr als ne Sandale.

So nun aber mal hier zur Sache: Wanaka!

Schöne Stadt! Muss man hier mal festhalten.
Wenn man ne Hand frei hat.
Wir blieben dort einige Tage.
Bereits während der Fahrt gen dieser entzückenden Siedlung prüfte ich via des kurz erscheinenden mobilen Internets ob jene hinreichend zivilisiert ist, ein Lichtspielhaus zu bewirtschaften.
Und Ha!

Gleich zwei.
Die erste Handlung in Wanaka war also das Sichern dreierlei Kinokarten für den aktuellen Star Wars-Streifen.
Leider erst für den Folgetag, da für den selben Abend bereits alles ausgebucht war.

Wir genehmigten uns einen teuren Campingplatz mit Spa und free Wifi, weswegen ich auch letztens so viele Sachen hochladen konnte.
Vorher ging es noch zum Baumarkt, denn ich hatte eine Mission:
Aus der starren Bettplatte in der Roten Beate einen Tisch bauen!
Dort den günstigsten Fuchsschwanz, eine Hand voll Schrauben, ein paar Schraubenbits und zwei Körbchen für unsere Gewürze (die halbe Beate ist voll mit Gewürzen) gekauft.

Am Campingplatz stellte ich fest, dass die Bits, welche ich benötigte, um die bereits festgeschraubte Bettplatte vom gestell zu lösen, nicht passten.
Damit war mein Projekt vorerst auf Eis gelegt.
Glücklicherweise öffnete ich mir das obligatorische Heimwerkerbier bereits vor dieser Erkenntnis.

Am Abend kochten wir und schauten uns im Lichtspielhaus „Zur Roten Beate“ zur Einstimmung auf das cineastische Erlebnis Star Wars Episode IV – Eine neue Hoffnung an.
In Anbetracht der Tatsache, dass wir uns dabei einige Biere gönnten, hätte der Untertitel eher „Eine neue Hopfnung“ lauten müssen.
Am nächsten Tag hieß es dann wieder Baumarkt!
Ich habe mich noch mal richtig mit allen notwendigen Utensilien eingedeckt und geschraubt und gesägt, was das Zeug hielt!
Ergebnis: Ich habe unser Bettplattenpangäa dreigeteilt!
Dabei hatte die Platte eher den Fuchsschwanz gesägt, und dennoch habe ich es hinbekommen!
Danach wurde das Tischprojekt abermals auf Eis gelegt, einige neue Baustellen kamen während des Baus hinzu.
(So fühlt sich das wohl auch täglich bei den BER-Leuten an)

Am Abend ging es dann also ins Kino.
Jenes war toll!
Sehr klein, ein liebevolles Ambiente und nettes Bier am Start.

Der Film selbst: Göttlich!
Sehr retro!
Es war wie die alte Trilogie in einem Film noch mal zu sehen (bloß ohne Ewoks).
Mein Profikritikerherz sagt, dass es vielleicht zu wenig Innovationen waren, mein Liebhaberherz sagte mir jedoch, dass doch die Rückkehr zum Alten genau das ist, was wir alle wollen.

Andy meinte in unserem wichtigen Schriftverkehr über diesen Film, dass ihm der Film ein wenig unglaubwürdig vorkam.

Das würde ich hier jetzt mal so stehen lassen :-)

Wer wars? Der Star wars!

Die halbe Stunde Rückweg, welche wir gen Campingplatz liefen (ferner liefen: Stininsky, Stefanow und Franz), regnete es.
Doch es war mir egal. Mein Nerdspeicher war aufgefüllt, ich fühlte mich unbesiegbar, summte wild John Williams-Melodien und summte täuschend echt das Lichtschwertgeräusch nach! Bßiumm!

(An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass, sofern mindestens einer derselben dies liest, einer meiner Exkollegen (generisches Maskulinum) gern zusenden darf, was Norberts Gedanken zu diesem Film waren!)

Weiter ging es am nächsten Tag mit einer hervorragenden Wanderung!
Der Blick auf den Rob Roy-Gletscher war unser Ziel.

Auf dem Weg dahin mussten wir mit dem Auto 11 Miniflüsse durchqueren, das war voll cool!
Die Wanderung war easy und die Bilder würde ich wieder (von mir kommentiert) für sich sprechen lassen!

Nach der Rückkehr plagte mich dann leider stark meine Allergie, die sich im Whirlpool etwas verbesserte aber insgesamt an meinen Reserven zog.

Das war leider auch der Grund, warum wir am nächsten Tag die wohl sehr anstrengende Wanderung zum Roys Peak nicht unternehmen konnten.
Ich musste erst wieder den Akku aufladen.
Aber wir hatten dafür auch schon eine gute Idee:
Vormittags haben wir eine lokale Brauerei besichtigt und ein wenig Bier verkostet und ein wenig mehr getrunken.
So ging es wenigstens mit meiner Gesundheit bergauf, auch wenn wir nicht geklettert sind.
Was am Rest des Tages passierte weiß ich nicht mehr :-)

Am nächsten Tag war Heiligabend!

Erst wechselten wir den Campingplatz, wir fanden einen schönen mitten an einem See mit einer tollen Aussicht, dann trafen wir endlich die Franzosen wieder und kauften gemeinsam für das abendlich Mahl vielerlei Dinge!

Es gab, wie in der Tradition meiner Familie, Würstchen mit Kartoffelsalat!
Irgendwie ein schönes Gefühl, dass das geklappt hat.
Wir aßen viel und tranken ein wenig und hatten einen richtig guten Abend!

Am 25.12. verdauten wir und ruhten uns von unserem schweren Leben am Strand aus, ohne regelmäßige Abkühlung war es in der Sonne schließlich nicht auszuhalten.
Davor jedoch skypte ich noch mit meiner Familie am frühen Morgen, bei ihnen war es da gegen 21. Uhr.
Es war ein schöner Moment, der zeigt, wie man sich manchmal über ein paar bewegte Pixel freuen kann.
So kriegten wir diesen Tag doch bis zur Vorbereitung des Abendessens ganz gut hin.
Und auf jenes bin ich besonders stolz.
Wir sprachen im Vorfeld darüber, ob wir nicht etwas traditionelles unserer Heimat oder unserer Familien machen wollten.
Als wir ohne die Franzosen noch witzelten, was die wohl alles zu Weihnachten essen, haben wir ganz tief in der Klischeekiste gegraben: Es fielen Wörter wie „Froschschenkel, Gänseleber und Schnecken“.
Als ich Greg dann später fragte, was es denn wirklich bei ihnen gebe, meinte er: „Gänseleber und Schnecken“
So viel dazu…
Also musste wieder die deutsche Tradition her und die sagte: Braten mit Rotkraut und Klößen!

Mit Campingequipment eine eher sportliche Sache.
Schließlich besaßen wir nur einen großen Topf (und mit groß meine ich eher klein), einen kleinen Topf (und mit klein meine ich winzig) und zwei Pseudobratpfannen (und mit pseudo meine ich das selbst Öl an diesen Dingern anbrennt).

Immerhin hatten die Franzosen eine Gemüsereibe und wir Geschirrtücher und eine echte Thüringerin.
Ein guter Ansatz für die Klöße
Ich war also rotkraut-, soßen- und „fleisch“-verantwortlich und unsere liebe Quotenthüringerin für die Klöße.
Puh!
Es war harte Arbeit!
Die Soße war selbstgemacht und aus heimischen Pilzen gezogen, das Rotkraut wurde ebenfalls frisch selbst gemacht und die Klöße waren natürlich auch echte Thüringer Handarbeit.
Nur beim Pseudofleisch haben wir geschummelt und etwas genommen, was man direkt aus der Verpackung in die Pfanne werfen konnte.

Das Ergebnis verrät euch gern Herr Vorragend.

Es hat ungeheuer gut geschmeckt, alle helfenden Hände haben sich richtig Mühe gegeben und wir hatten jeder ein paar Bissen Weihnachten in der Schnute.
Außerdem haben wir etwas vollbracht, was man wohl kulturellen Austausch nennt.
Und das zwischen Deutschen und Franzosen!
Vor 80 Jahren hätte das niemand gedacht!

Am nächsten Tag haben wir dann endlich die Tour zum Roys Peak nachgeholt.
Eine Wanderung, die 3 Stunden straff nach oben und dann drei Stunden straff nach unten ging, schien genau das Richtige zu sein, um direkt wieder ein paar Kilo zu verbrennen.

Auch zu dieser Wanderung möchte ich ein Gedicht los werden:

Roys Peak

Fick dich, du alte Kackscheiße, du bist keine Wanderung, du bist ne Krankheit!!!!!!!!!!!!!1111111111einseinseinself

(Die Korrekturleserin zu meiner Rechten merkte soeben an, dass diese Worte wohl zu derb für mein geneigtes Blog-Publikum sein könnten und ob die Worte „Fick dich“ wirklich benötigt werden.
Gern darf darüber im unteren Gedichtkritikbereich (Kommentare) lebhaft diskutiert werden.)

Hier ihre Version (Damit ihr auch euren Kinder was lyrisches dazu vorlesen könnt):

Roys Freak

Es war heiß, kein Baum, kein Strauch

und jede Menge Schafkacke gab es auch.
Ich kam mir vor wir in der Rhön, ach wie war das „schön“.

Oben angekommen war die Sicht ganz hübsch, doch der Weg dahin war echt nüscht.

Es ging, wie schon beschrieben, stets sehr steil nach drüben. Manchmal links herum und manchmal rechts, ach was war das für ein Gekrächz.

Eine Wüstenwanderung ohne Oase und an den Füßen nicht nur eine Blase.
Und die Moral von der Geschicht: siehe Franz‘ Gedicht.
Von Stefan erhaltet ihr auch noch eine dritte Meinung zu dieser Tour.
Also eventuell.
Der hat nämlich immer Kopfschmerzen, wenn ich ihn daran erinnere, dass seine Mami endlich mal was von ihm lesen will!

So, Wanaka, fast zuende.

Am Abend Mädel kennengelernt, die hat von neuen Bierbrauern in der Stadt berichtet, welche am Folgetag einen Stand auf dem Markt haben sollten, da am nächsten Tag hingerannt, Bier getrunken, Visitenkarten ergattert, inne Bar gegangen, Bier getrunken, Typen kennengelernt und dann mit den Franzosen gen Süden die Stadt verlassen.

Dabei aller fünf Minuten über die Wanderung zum Roys Peak aufgeregt.

Berechtigt!

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