Hmmm, ein guter Fotograf war das

Stewart Island – Der noch südlichere Süden

09.01.2016 | 11:29

Ich sitze wieder mal in Invercargill, wollte eigentlich zwei Blogbeiträge hochladen, aber das Internet ist (wie eigentlich immer in diesem Land) nicht funktionstüchtig.
Ich bin etwas nervös, denn in einer halben Stunde hat mein lieber Papa Geburtstag, mein Whatsapp hat es auch komplett zerlegt, weil es mit der Zeitzone nicht zurecht kommt und davon abgesehen, hab ich auch kein Mobilfunknetz.
Naja, zu Not leihe ich mir ein Satelitentelefon zum Gratulieren.

Da ich nun keine Bilder oder Texte hochladen kann, nutze ich die Zeit um die letzten Tage niederzuschreiben, mal sehen, wann ihr das dann im Blog lesen könnt.

Wir machten einen Tripp nach Stewart Island, einer Insel im Süden von Neuseeland, die für die Vielzahl ihrer Vogelarten weltberühmt ist.
Eine Stunde Fährfahrt sollte uns dort hinbringen.
Die Fähre war ganz schön klein und auch sehr voll, so konnte man nicht gerade von einer Privatsfähre sprechen.
Die Überfahrt war sehr lustig. Wir hatten schon viel im Vorfeld darüber gehört, denn die Wasserstraße von Insel zu Insel ist bekannt für den schlechten Straßenbelag.
So schaukelten wir eine Stunde lang übers Meer, noch nie hab ich unsere Thüringerin so wenig reden hören :-)
Sie versuchte stets den Horizont im Blick zu behalten und wollte eher weniger angesprochen werden, dabei meinte der Fährmann, dass wir Glück haben, die See sei ruhig!

Auf Stewart Island angekommen freute ich mich erstmal über die scheinbar geringe Menschenmenge.
So eine Kotzfahrt scheint vielleicht doch ein paar Leute abzuschrecken!
Oban, das Dorf, in welchen wir ankamen, war mit ein paar hundert Leuten bewohnt, vielleicht doppelt so viele Touristen kamen dazu, das war es auch schon mit Menschen.
Die erste Nacht dort gönnten wir uns in einem Dreibettzimmer eines Hostels, am nächsten Tag sollten wir schließlich mit einem Great Walk, dem Rakiura Track, starten, der durch Regenwald und Küstenabschnitte im wunderschönen Rakiura-Nationalpark führt.

Das bedeutete mal wieder zwei Nächte im Zelt, kein Essensnachschub, keine echte Toilette und 20 Kilo auf dem Rücken.

Aber was die Essenversorgung angeht, waren wir diesmal besser vorbereitet als beim Abel.
Wir hatten viel Obst und Gemüse im Vorfeld gekauft, sowie Zutaten für einen Couscoussalat.
Da wir keine geeignete Verschließbare Box für jenen hatten, kam ich auf die intellente Idee, den Salat in einer 4-Liter-Wasserflasche aufzubewaren.
Auch die Zubereitung in jener erwies sich als ein fruchtbarer Gedanke:

Couscous in Flasche streuen, heißes Wasser hinterher, quellen lassen, Gemüse und Gewürze sowie Essig und Öl hinterher, schütteln, fertig.

Die Realität war ein wenig anders:

Couscous in Flasche gestreut, heißes Wasser hinterher, quellen gelassen, Gemüse stundenlang durch die kleine Flaschenöffnung gepresst, Gewürze hinterher, geschüttelt, nichts passierte.
Der Couscous hatte sich wie Beton an den Boden der Flasche geklemmt.
Wir schüttelten und rüttelten also wie die Bekloppten ohne ein erwähnenswertes Ergebnis zu erzielen.
Sehr zum Amüsement der übrigen Anwesenden.
Nach ungefähr einer Stunde akribischen Schüttelns, Rührens und Improvisierens hat es dann letzten Endes irgendwie geklappt.
Und was besonders lustig war: der Prozess, den Salat aus der Flasche zu drücken.
Er erinnerte, nun ja. Also. Seht dann selbst in der Bildergalerie.

Der Track an sich war wunderschön, ein wenig vergleichbar mit dem Abel Tasman, das Wasser war nicht ganz so Türkis, es waren wesentlich mehr Vögel zu sehen, die Waldabschnitte waren schöner und am besten: es waren so gut wie keine Menschen anzutreffen!

Erstaunlicherweise habe ich wenig Fotos gemacht, sondern die Wanderung eher ohne drittes Auge genossen.
Aber ein paar kriegt ihr zu sehen.

11.01.2016 | 12:21

Der erste Campingplatz, auf welchem wir nächtigten, war überbevölkert.
Ungefähr 234.342.456.767.754.985.246 Sandfliegen waren vor Ort.
Wir haben vielleicht hundert gekillt, in der Hoffnung, die Sandfliegenzentrale würde keine neuen Flugstaffeln senden.
Doch gegen die Übermacht des Sandfliegenimperiums hatten wir keine Chance.
Wir akzeptieren also unser Schicksal und schnürten, so gut wie es ging, alles weg, was stechbar war.
Weiterhin waren wir insgesamt zehn Leute auf dem Campingplatz.
Zwei Einheimische und acht Deutsche :-)
Einer der Deutschen meinte: „Ich kenn euch aus dem Hostel, ihr seid doch die mit der Couscousflasche!“
Hmmm, ja, danke…
Wir hatten einen guten Abend, spielten ein paar Karten, aßen Couscous-Salat und gingen auf erfolglose Kiwisuche nach Anbruch der Dunkelheit.

Tags darauf starteten wir als große deutsche Gruppe, die Kiwis waren schon etwas eher von dannen gezogen.
Doch die Gruppe spaltete sich schnell auf. Wir hatten doch einen etwas strafferen Wanderschritt drauf, als die anderen, nur der Couscoussalatflaschensympathisant hielt Schritt.
Generell mussten wir auch schneller sein als die anderen, schließlich wollten wir den Track in zwei Tagen statt in üblicher Weise drei Tagen schaffen.
Was auch gelang.

Dennoch kehrten wir nach dem Track nicht sofort zur „Stadt“ zurück, wir campierten direkt am Ende des selbigen in „Alans Base Camp“.

Das war eine sehr interessante Erfahrung.

Alan, vielleicht 70, schwerhörig, reich, weil er früher Ingenieur beim Militär war, hat sich vorgenommen, einen Campground mit Kabinen, einem Teehaus und guten sanitären Anlagen zu bauen.
Weiterhin lebt er dort allein und ist ein Messi.

Es ist imposant, was er alles alleine auf die Beine gestellt hat (gerade bin ich mir leider nicht sicher, ob ich Bilder davon machte).
Leider hat der gute Mann ein Problem: Alle (!) seiner ca. 10 architektonischen Projekte hat er zwar begonnen, aber nie beendet.
So hat man eine Dusche, die funktioniert, jedoch steht man darunter auf einer Holzplatte und Licht gibt es auch nicht. Die Schlafhütten sehen schön aus, nur fehlt zumeist ein Fußboden und Zementsäcke stehen überall in den Ecken rum.
Das ließe sich jetzt hier stundenlang fortsetzen.
Weiterhin bekam man von dem augenscheinlich leicht verwirrten Alan auch NIE eine Antwort auf die Frage, die man stellte, dennoch füllte er Minuten mit reden.

Wir fragten zum Beispiel nach einem Platz für unser Zelt, danach hat er uns erst einmal 10 Minuten lang die Kabinen gezeigt.

Schön.

Weiterhin lernten wir an diesem Abend drei nette Australier kennen und schwätzelten noch ein wenig mit denen, während wir uns aufwärmten.

Am nächsten Tag ging es dann weiter in Richtung Oban.
Jedoch nicht den direkten Weg, sondern ebenfalls einen kleinen Track, der mit 2 Stunden veranschlagt war.

Noch mal ein Läufchen war das!
Bloß das Wetter ärgerte uns ein wenig. Gefühlt aller 10 Minuten hieß es „Regenklamotten an, Regenklamotten aus“.
Der Dank des schlechten Wetters war die Tatsache, dass sich erneut kaum Menschen auf diesem Weg befanden und wir die Ruhe beim Laufen genießen konnten.

11.01.2016 | 21:47

Am Nachmittag im Dorf angekommen, begann die Belohnung!

Wir begaben uns direkt in den Pub und gönnten uns eine warme Mahlzeit.

Weiterhin haben wir uns dort mit einigen Leuten unserer Tour wiedergetroffen und ein paar Bierchen getrunken.

Da waren die zwei Kiwis vom ersten Zeltplatz, der Kerl, der uns an der Couscousflasche wieder erkannte, zwei Erzgebirgler vom ersten Campingplatz sowie die drei Australier von Alans Base Camp.

Es war eine illustre Runde und ein guter Zeitvertreib während wir auf die Fähre zurück zur Südinsel warteten.

Die Fährfahrt an sich war famos!
Wir passierten Wellen, die größer waren, als die Fähre an sich.
Die Erzgebirgler, Stine und ich blieben die gesamte Fahrt über draußen am Heck, das war für Stine gut gegen die Seekrankheit und außerdem hat es einen riesen Gaudi gemacht, wenn das Boot schwankte und einem das Salzwasser ins Gesicht peitschte.
In Deutschland wäre es sicher verboten gewesen, an Deck zu gehen.

Ich schließe diesen Beitrag mit einem weiteren Deutschland-Neuseelandvergleich:

Fällt in Neuseeland ein Feiertag auf das Wochenende, so erhalten die Menschen dort am nahesten Wochentag dafür frei :-)

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