Beim Kajaken auf dem Fjord

Die Fiordlands und der Weg dahin

14.01.2016 | 22:31

Ich sitze mal wieder im Van.
Ich befinde mich in der Nähe von Queenstown und seitdem wir Invercargill verlassen haben, sind ein paar schöne Sachen passiert.

Wenn ich versuche, mich zu erinnern, fällt es mir schwer, die Geschehnisse wieder in meinem Kopf zu bringen.
Es ist wohl langsam aber sicher ein Zeichen, dass ich langsam an der Grenze des Verarbeitbaren angekommen bin.
Das sagt mir wohl, dass ich bald mal einen Gang runterschalten sollte und ein wenig an einem Ort bleiben sollte.
Ob die Abenteuer- und Partystadt Queenstown das sein wird, wird sich zeigen.
Auf jeden Fall sollte ich mir langsam mal etwas suchen, um mir ein paar Brötchen zu verdienen, heute habe ich nach langer Zeit endlich mal wieder mit Ivo telefoniert, was wir beide auch sehr schön fanden.
Da er erkannte, dass sich unsere Routen doch sehr weit voneinander entfernt haben, kaufte er den Van von Greg und Margaux, die Neuseeland am 12. Januar verlassen haben.
Das bedeutet, dass wir nun entscheiden müssen, was mit der Roten Beate passieren wird,
So ein Van ist schon sehr nett, aber so richtig war die Alleinfinanzierung eines solchen nicht vorgesehen, zumal es sich ergeben hat, dass ich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch ein paar Euro brauche, sobald ich wieder in Deutschland bin.
Beate verkaufen und ein günstigeres Auto suchen, ist eine gute Option, aber hier in der Pampa wird das wohl schwer.
Oder schuften, schuften, schuften, wie es Ivo schon seit anderthalb Monaten tut.
Aber ganz ehrlich: Ich habe seit dreieinhalb Monaten nicht mehr gearbeitet und es ist ein gutes Gefühl!
Erst gestern wachten wir bei miesem Wetter auf, spülten unser Geschirr in einem Fluss (natürlich mit dafür vorgesehenem Spülmittel) und fuhren los.
Zwei Täler weiter wurde das Wetter wunderschön.
Das Tal war riesig und ein Fluss führte hindurch.
Wir hielten an, trugen Tisch, Stühle und andere Frühstücksutensilien zum trockenen Teil des Flussbetts und hatten einirre schönes Frühstück an einem plätschernden Fluss, umzingelt von felsigen Bergen.

Ha! Jetzt ist Stine von einem Spaziergang eingetroffen und ich kann sie nun befragen, was alles sonst noch passierte, nachdem wir Invercargill verließen:

Oh nein, es kommt die Anmerkung, dass wir einen wichtigen Halt noch in Invercargill machten, nämlich in einer Mikrobrauerei, in welcher wir uns mit 2 Liter leckeren Craft Beers eindeckten.
Dann fuhren wir entlang der Südküste, machten halt an schönen Strandabschnitten, und campten an der Monkey Island.
Ja, die heißt wirklich so!
Dort trafen wir den Couscousflaschenerkennungsdeutschen per Zufall wieder und hatten einen lustigen Abend!
Eine Mücke stach mich in meinen Zeh. War wohl ein Mosquitoe.
Des nächsten Morgens flüchteten wir von Monkey Island (Da ist ein Nerdwitz versteckt!) und fuhren weiter gen Te Anau, dem Dreh- und Angelpunkt für die Fiordlands.
Zwischendurch besuchten wir ein riesiges Höhlenlabyrinth in welchem wir uns mit Taschenlampen einen Weg durchschlagen mussten und dabei sogar einen (seeeeehr kalten) Höhlensee durchquerten.
Ich versuchte auch ein paar Fotos von den Glühwürmchen zu knipsen, die Zeit war jedoch knapp, da ich die Geduld unserer Gruppe nicht zu sehr beanspruchen wollte.
Ich muss dann später also mal selbst sehen, ob es was geworden ist, beziehungsweise kann ich ja auch einfach den gescheiterten Versuch hochladen.

In Te Anau angekommen, passierte nicht viel Spektakuläres.
Wir stellten fest, dass dies eine touristenversuchte Stadt ist und wir ein Teil der Seuche sind.

Am 11. Januar erfuhr ich, das David Bowie gestorben ist.
Der Tot meines hoch geschätzten musikalischen Antagonisten hatte mich sehr mitgenommen und ich war zeitig schlafen gegangen um zu viel Melancholie zu vermeiden.
Am nächsten Morgen wurde mir ein leckeres Geburtstagsfrühstück kredenzt!
Zur Feier des Tages gab es Guacamole und Hummus aufs Brot und Müsli!
Nach dem Frühstück begannen wir den Milford Highway entlangzufahren, eine 120 Kilometer lange Sackgasse, die am Milford Sound, dem berühmtesten Fjord Neuseelands endet.
Davor haben wir allerdings an allen schönen Sachen halt gemacht, die es auf dieser Streck gab, ich war dabei zu Feier des Tages stets mit Hemd und Krawatte (Oder wie Stefan es nennt: dem Busfahreoutfit) unterwegs.
Am Abend hielten wir in einem spartanischen aber schön in der Natur liegenden Campground.
Das Wetter war mies, also bauten wir aus den sterblichen Überresten des Pavillons ein Dach und ich kochte uns ein feines Geburtstagsmenü aus Gemüseresten der letzten Tage und einem Kürbis, den wir schon Wochen mit uns herumfuhren.
Wir machten es uns dann im Van gemütlich (an meinem selbstgebauten Betttisch (harrharr) und aßen, tranken drei durch Stine ausgewählte Biere, machten eine Geburtstagsbescherung und spielten noch ein wenig „Wer bin ich?“

In der ersten Runde war ich Marcel Reich-Ranicki und in der zweiten Runde war ich Frau Elster.
Ich habe ewig gebraucht, in der ersten Runde, sodass Stine schon mal beschloss, ein wenig am Tisch zu grunzen.
Dann machten wir uns auch zeitnah in die Heia, denn der nächste sollte ein großer Tag werden.

Was am Morgen passiert ist, könnt ihr am Anfang des Beitrags lesen oder vielleicht erinnert ihr euch auch noch.
Weiterhin fuhren wir zum Monkey Creek, der neben der Zurschaustellung vieler verschiedenfarbig angezogener Asiaten vor allem durch ein was faszinierte:

Keas (Vögel) die bei der Ankuft versuchten, das komplette Auto auseinanderzunehmen.
Vor allem Gummis und Gaffa (und wir haben viel tragendes Gaffa an der Roten Beate) fanden sie besonders interessant.

Dann ging es weiter, das große Ziel war weiterhin der Milford Sound, der eigentlich ein Fjord ist (unüblicher Weise erspare ich mir an dieser Stelle die Erklärung, das könnt ihr googlen.
Und als Beweis, dass ihr das wisst, dürft ihr die richtige Antwort in die Kommentare schreiben!

Auf dem weiteren Weg passierten wir noch ein paar Touristellen und durchquerten Homers Tunnel, einen Tunnel, der, naja, in Deutschland verboten wäre oder nicht existieren würde.
Ein unbeleutechtes tieeeeeefes Loch im Felsen.
Man sah darin selbst mit aktivierten Scheinwerfern nur die Finsternis des Bärenarschs.

Später kamen wir am Milford Sound an!
Und wir haben uns dort nichts weniger als eine fünfstündige Kajaktour gegönnt.

Es war wundervoll und anstrengend zugleich.
Ein Wassertaxi fuhr uns 18 km raus ins offene Meer, an das Ende des Fjords und wir mussten zurückpaddeln.
Wir hatten ein nettes Guideweibchen, die uns viel erklärte (unter anderem den Unterschied zwischen einem Fjord und einem Sound).
Wir fuhren mit den Kajaks durch riesige Wasserfälle hindurch, surften auf den Wellen und sahen Robben und sogar einen Pinguin, der gerade am Fischen war!

Nur ein Problem hatte ich, war ich doch extra hundert mal im Vorfeld prophylaktisch auf die Toilette gegangen, packte mich dann doch auf halbem Wege ein immenser Druck.
Auf meine Frage, wie denn eine Toilettenpause aussieht meinte die Guidine: „ Das Wasser ist warm. Ich kann euer Kajak festhalten, du springst rein, tust was du tun musst und ich zieh dich dann wieder ins Boot.“
Ähm ja, so dringend war es dann doch nicht.

(…) Eine halbe Stunde später dann schon.

Ich hatte noch nie in meinem Leben ein schöneres Badeerlebnis.

Am Abend ging es dann zurück.
Wir campierten auf dem gleichen Campingplatz wie die Nacht zuvor, lernten nette Menschen kennen und gingen recht zeitig zu Bett.

Heute fuhren wir den ganzen Tag gen Queenstown.

Was die Stadt alles so zu bieten hat, werden wir die nächsten Tage sehen.

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