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Die Rote Königin in Queenstown (und andere Sachen)

20.01.2015 | 14:52

Ich sitze im Stadtpark von Queenstown.

Der Park liegt auf einer Halbinsel, die mitten in den riesigen See ragt, an welchem sich Queenstown befindet.
Ich schaue auf einen Teich, voll mit Seerosen, ein paar Enten baden darin.
Ein Springbrunnen springt und brunnt fröhlich vor sich her, eine alt aussehende steinerne Brücke verbindet ein Teichufer mit dem anderen.
Kinder amüsieren sich, drei Mädels sitzen auch auf einer Wiese und scheinen das Leben zu genießen.
Der Wind weht und erzählt die Geschichten des Sees, von welchem er kommt.
Nun senden die Wolken eine Hand voll Tropfen, ich hoffe, sie mehren sich nicht.
Während ich das schreibe, nehme ich ein Donnergrollen wahr.
Die Drohgebärde der himmlischen Herrschaft!
Oder ist es ein Flugzeug, welches, vom nahe gelegenen Flughafen gestartet, nun polternd durch die Lüfte streift?
Nun haben sich weitere Menschen auf die Wiese gesellt.
Leider.
Sie sehen nett aus, aber sie reden.
Meiner zugrunde liegenden Faulheit geschuldet bleibe ich aber auf meinem Plätzchen.

Das sagenumwobene Queenstown, also.
Laut und teuer ist es.
Man kann hier alles machen.
BungeejumpingSkydivingJetboatCanyioningCanyionswingCanoeingMountainbikingRaftingKajakingEverything…

Wir erkundeten zunächst die Stadt, schoben uns dafür durch den Berufs(oder besser: Urlaubs-)verkehr, suchten einen Parkplatz und liefen dann ins Zentrum.
Menschen. Überall.
Shoppingtempel, Kneipen.
Alles ein wenig zu hektisch, für meinen Geschmack.
Wir waren hungrig und speisten bei einem Mexikaner.
Danach tranken wir ein Bierchen in einer Craft Beer Bar.
Das Bier war hervorragend, deswegen fragte ich, ob sie neue Leute gebrauchen könnten und John, einer der Barkeeper und Vollbartträger, meinte, dass ich zwei Tage später noch mal mit meinem Lebenslauf wiederkommen solle, da sei nämlich der Chef da.
Weiterhin führte er aus, dass die Chancen wohl recht gut stehen, da er und ein anderer Geselle in ein paar Wochen aufhören.

Wir tranken aus und begaben uns auf einen Campingplatz nahe der Stadt.

Am nächsten Morgen regnete es.
Stine und ich beschlossen, die Abwartetaktik anzuwenden und im Van zu verweilen, bis sich das Wetter besserte.
Es besserte sich jedoch nicht.
So entschieden wir, einen anderen Campingplatz in der Nähe des Zentrums aufzusuchen, der gute Räumlichkeiten zum Schutze vor Regen besaß.
Um den Van bei dem Mistwetter nicht verlassen zu müssen, machte ich via Klopfzeichen bei Stefan auf mich aufmerksam.
Er lunzte hinter seinen verregneten Scheiben hervor und ich hielt fünf Finger in die Höh und deutete auf das Lenkrad.
Er verstand, was ich sagen wollte und folgte uns nach der Abfahrt blind zum nächsten Ziel.
Am neuen Platz angekommen, sprinteten wir durch den nassen Vorhang hin zur Rezeption und fragten dort, ob sie noch Plätze freu haben.
Erfreulicher Weise trafen wir dabei Manon, die nette Französin, welche wir in Wellington kennengelernt haben.
Wir verabredeten uns sogleich mit ihr für den Abend.
Ist ja schließlich eine Partystadt, dieses Queenstown.
Für den Tag hatte ich einen konkreten Plan: Das Schreiben meines kurzen Lebenslaufes in Englisch und das Kontaktieren der lieben Susan, dass sie mir das Schreiben zusendet, in dem von der Substanz beglaubigt steht, was ich für eine Ausgeburt des tollen, stets nüchternen und professionellen Barkeepers bin.
Doch beim Auslanden von ein paar Sachen vor der Campingplatzküche, meldete sich die (mit ihrer Parkposition sich nicht gerade Freunde machende) Rote Beate zu Wort.
Parkposition ist auch das Stichwort.
In selbige wollte sich der Schalthebel nicht mehr bringen lassen.
Doch jene wird benötigt, um den Motor starten zu können.
Ich googelte also, entfernte die Verkleidung um das Lenkrad und versuchte mit aller Kraft meines Dilletantismus irgendwas zu reparieren.
Immerhin: Es gelang, den Wählhebel in die Parkposition zu bringen und den Motor zu starten.
Ferner gelang es nicht, jenen von der Parkposition in einen der anderen Gänge zu schalten.
Toll, da stand sie nun, die Rote Beate.
Alte, bockige Hummel!
Ich werkelte mehrere Stunden herum, nichts passierte.
Ein Mitarbeiter des Platzes kam und teilte mir mit, dass ich da nicht parken dürfe und mein Auto bitte woanders hinstellen solle.
Ich erklärte ihm, dass ich seit zwei Stunden versuche, genau das zu tun.
Er machte den Eindruck, als wolle er mich unterstützen, also schilderte ich ihm das genau Problem.
Seine Mimik näherte sich darauf hin der, der Roten Beate.
Abschleppen wäre ja fast ne Idee gewesen.
Ein Abschlepptau ist schnell gekauft, Stefan hat ordentlich Zugpferde unter der Haube und dann wärs ab inne Werkstadt gegangen.
Zu dumm, dass ich ja erfolgreich energisch daran gewerkelt habe, die Beate von einer bewegbaren Stellung in die gottverdammte Parkstellung zu bringen, die sie zu einem unbwegbaren Fels in der Küchenbrandung machte.
Also Abschleppdienste und Werkstätten angerufen.
Die Nummer, welche mir die Rezeption gab, half mit nicht weiter, es sei denn, ich hätte eine Versicherung für die Beate abschließen wollen.
Weitere Anrufe bei anderen Firmen ergaben, dass die Menschen sich entweder nicht zuständig fühlten oder zu beschäftigt waren, um die Beate abzuschleppen und dass ich in Kiwidialekt verpackte Sätze am Telefon nur zu ungefähr 0,3 Prozent verstehe.

Eventuell war ich ein klitzekleinwenig frustriert.

Doch dann, eine weitere Nummer.
Der Mann am anderen Ende erzählte mir auch, dass er mich nicht abholen könne, man aber die Fahrstufen unter dem Auto direkt am Motor einstellen könnte.
Er erklärte mir, wie.
Es fielen viele Wörter über Teile, die ein Auto wohl so hat, welche ich noch nie in meinem Leben hörte, aber ich hatte das Gefühl, ihn verstanden zu haben.

Ich schaute mir also den Kabelkanal an, welchen ich am Lenkrad schon freigelegt hatte und verfolgte ihn bis unter das Auto.
Und tada, ein Teil, was das richtige sein könnte!
Stefan saß hinter dem Lenkrad und ich bat ihn, die Karre anzuwerfen.
Die Mechanikergilde wird wohl über mich lachen, aber mit dem Auto direkt auf meinem Bauch liegend (nein, ich bin nicht fetter geworden) und vor allem meinem Gesicht direkt unter dem Anlasser bin ich beim Starten des Motors tausend Ängste gestorben.
Es war höllisch laut und kein angenehmes Gefühl sich nicht bewegen zu können und mehr oder minder eingeklemmt zu sein.
Ich rief Stefan ungefähr zehn mal zu, dass er kontrollieren soll, ob die Handbremse angezogen ist und sein Fuß auf dem Bremspedal steht.
Dann versuchte ich, dieses Teil zu bewegen.
Mit Erfolg!
Ein paar Minuten später befand sich der Motor in der „Drive“-Stellung und die Fahrt gen Werkstatt konnte beginnen.
„Jetzt bloß keinen Rückwärtsgang brauchen“, dachte ich mir und schickte Stefan als Lotsen vor.
Er lotste uns direkt nach dem Campingplatz in eine Sackgassse.
Ich betete zum Lesezirkel für einen kleineren Wendekreis, der ansonsten eher plump anmutenden Roten Beate.
Mit quer über den Bordstein und eine Hand breit vorbei an einem anderen Auto gelang das Wendemanöver.
Gorbatschow war dafür mein Schutzpatron, obwohl ich nur Absolut an Bord hatte.
Angekommen in der Werkstatt war die Diagnose gerissenes Getriebekabel (hatte ich denen sogar schon als meine Vermutung mit auf den Weg gegeben).
Das Teil müsse bestellt werden, am Mittwoch kann es repariert werden (wir befanden uns an einem Freitag).

So, jetzt werde ich mal ein wenig meine Füße vertreten und den Rest der Halbinsel erkunden.

20.01.2016 | 18:10

Zurück ging es zum Campingplatz.
Am Abend passierte nicht mehr viel, die Autobastelei hatte zu viel Energie und nerven gekostet.

Tags darauf habe ich den ganzen Tag am Rechner gesessen und an meinem Lebenslauf gearbeitet.
Stine sei Dank ist er dann am Ende auch so geworden, dass er nicht peinlich ist.
Und am Abend, jaaaaa, da ging es wieder in die Bar!
Eine illustre Runde ist zusammengekommen, Stine, Stefan, Manon, der Couscousflaschenbekannte, dessen Namen ich jetzt endlich auch mal einführen kann: Matti und ich haben getrunken, gequasselt und über Bier philosophiert.
John kam bereits am Anfang auf mich zu und meinte, er hätte Chefchen, der mit dem roten Gingerbart, namentlich Wesley, schon mal instruiert und er würde mich in einer ruhigen Minute mal anquatschen.
So ruhig war die Minute dann (zumindest für mich) doch nicht, denn ich war gerade auf dem Weg zu Toilette, als Wesley zu mir kam.
Er sagte zu mir ein paar nette Sätze, die ich nicht verstand, ich habe meinen Text runtergerasselt, den ich mir vorher zurechtgelegt hatte, er fragte mich, ob ich ne große Kaffeemaschine bedienen kann und sagte mir, ich solle seinen Leuten dann meinen Lebenslauf geben.
Ich belegte den Rest des Abends noch die halbe Belegschaft mit meinem Biergeschwafel, die augenscheinlich alle weniger Ahnung vom Bier hatten als ich und Wesley machte sich nebenher schon mal fleißig Notizen in meinen Lebenslauf.
Naja, er wird sich eventuell in drei bis vier Wochen melden, wir werden sehen.

Am Sonntag, was der nächste Tag war, ging es dann zu einem lauschigen Platz außerhalb von Queenstown.
Mit 10 Dollar Kosten pro Nacht war er im Gegensatz zu 25 Dollar pro Nacht doch deutlich günstiger.
Außerdem hatte mir Matti ein gutes Craft Beer versprochen, wenn wir dort rumkommen.
Naja, wir haben letzten Endes seeeeehr lange einfach nichts getan und abgehangen und Bücher gelesen.
Am Nachmittag haben wir uns dann aufgerafft, eine Wanderung zum Gipfel des Stadtberges zu machen.
Plan war eine Stunde hochzukraxeln und dann mit einer Art Sommerrodelbahn nach unten zu düsen.
Manon meinte, die sei möglich.
Scheinbar gab es da wohl aber ein paar Kommunikationsschwierigkeiten, denn rodeln konnte man auf dem Gipfel, aber nicht vom Gipfel.
Also sind wir dann wieder hinuntergelaufen, waren etwas essen und fuhren zurück zum Campingplatz.
Am Montag hieß es dann Abschied nehmen.
Stine verließ uns am Morgen und setzt seitdem ihre Reise durch Neuseeland allein fort, was alle Beteiligten sehr traurig fanden.
Immerhin haben wir sie gut zum Bus gebracht und dort mit einem Überlebenspaket erfolgreich dort abgegeben.
Stefan und ich fuhren danach zurück zum Campingplatz, ich laß den gesamten Tag, stellte dank Stefan fest, dass Beate auch noch ein Ölleck hat und ging zeitig schlafen, denn am nächsten Tag stand Isengard auf dem Programm.

(Wer Isengard nicht kennt, ließt bitte schnell die drei Herr der Ringe-Bücher durch oder sieht sich die drei Herr der Ringe-Filme an und ließt danach hier weiter.)

Das Spannende an Isengard war, dass wir keine Ahnung hatten, wo es ist, sondern nur die grobe Richtung kannten, denn unsere modernen Endgeräte waren in diesem Teil der Welt nutzlos.
Nach vier Stunden Suche hatten wir es endlich gefunden, ein paar Fotos geknippst und uns von dannen gemacht.

Heute war dann der große Tag für die Rote Beate.
Am Morgen ging es wieder unter Beate, Gang rein und los (Die Tage zuvor fuhren wir immer mit der Launischen Lanka).
In der Werkstatt angekommen hatte die Frau am Empfang schlechte, schwer verständliche Nachrichten für mich.
Ein Reparaturtermin sei erst am Freitag 8 Uhr morgens frei.
Hmpf.
Mit dem Chef hatte ich eigentlich ausgemacht, dass Beate am Mittwoch wieder heil gemacht wird…
Naja, was sollte ich machen.
Also noch für mindestens zwei weitere Tage in Queenstown gefangen.

Danach haben wir erstmal ein Eis gegessen.

Dann haben wir uns vom Eisessen ausgeruht, dann haben wir uns vom Ausruhen ausgeruht.
Und dann ging es auch schon zur Halbinsel, von der ich die erste Bloghälfte heute schrieb.

Nachdem ich damit fertig war, habe ich die Insel weiter erforscht, mir schönen, atmosphärischen Black Metal (für die Nerds: Abigail Williams) auf die Ohren gegeben und bin durch die kleinen Waldlandschaften gewatschelt.
Das tat gut, alles um mich herum wirkte sehr friedlich und nach dieser ganzen Autokacke (ach ja, eine Reparatur an den Rädern steht auch noch an) wurde ich wieder etwas positiver gestimmt.
Zurückkommend, traf ich wieder auf Stefan.
Wir quasselten, aßen einen berühmten Burger (Fergburger, den kennt jeder in Neuseeland) und gingen Stefan zuliebe zum Skaterpark, an welchem ich gerade diese Zeilen verfasse während er über die Kunststücke der Bretterfahrer staunt.

Wow, ich hab jetzt mal alles Erlebte runtergeschrieben.
Toll, so hab ich ja jetzt Zeit für das Schreiben von anderen Sachen!

Zunächst möchte ich hier mal erwähnen, das es mich freut, dass augenscheinlich so viele Menschen Interesse an meinen bescheidenen Zeilen haben, ich freue mich stets über jede Zuschrift und jeden Kommentar.
Weiterhin muss ich mich bei vielen von euch für meine ganz schlechte Antwortmentalität entschuldigen, das Internet ist hier immer rar und langsam und wenn ich die Gelegenheit habe, dann priorisiere ich stets das Pflegen des Blogs, weil davon die meisten Menschen was haben, sobald ich mal in die Situation eines Überangebots an Internet und Zeit kommen sollte, werde ich anfangen, alles abzuarbeiten :-)
Vor allem möchte ich euch weiterhin dazu ermutigen, mir zu schreiben!
Während ich hier ja praktisch jede erlebte Lebensminute in viel zu lange Sätze packe, bekomme ich von euch doch recht wenig mit.
Also, wann immer euch danach sein sollte, schreibt mir stets gern, als Kommentar oder an franz.uhlig.le@gmail.com
Ich antworte dann sicher auch inem Jahr 😉

Eigentlich wollte ich jetzt noch ein wenig Gedankenzeugs schreiben, über Zeug halt, was mich erfreut, bedrückt oder einfach beschäftigt.
Aber da würdet ihr schon wieder vergessen, dass ihr mir schreiben sollt, als ende ich hier mit dem nochmaligen Aktionsaufruf:

SCHREIBT MIR!

Ein Gedanke zu „Die Rote Königin in Queenstown (und andere Sachen)“

  1. ..ja.. lieber Franz….lesen immer gern Deine Zeilen(Deine liebe Mami informiert mich über einen neuen Blog stets zeitnah.. so dass ich meist auf dem aktuellen Stand bin…..:) Die Reise scheint Dir gut zu tun… obwohl manchmal auch eine Traurigkeit nicht zu überlesen ist…aber dies scheint normal…..schließlich ist das Heimatland trotz erhöhter Andersgäubigen nicht untergegangen…..Deine „Ältern“ sind im Januar kulturell gut unteregs: Gewandhausgastspiel : My fair Lady….. gestern. Seve Wilson- TOP..und relativ hart..in 3 Wochen gehts ins Estrell Berlin…..es tut uns einfach gut….also lier Herr Sohn :) mache weiter dein Ding und bleibe gesund

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