Soziale Schichten in Neuseeland. Heute: Die Briefkaste

In Sesshaft

10.02.2016 | 16:39

Ich sitze in der Green Man Brauerei.
Seitdem ich das letzte Mal schrieb, sind einige Tage vergangen und es ist so viel passiert, dass ich jetzt mal ganz tief in meinem Kopf kramen muss, damit ich mich erinnere.

Im Hause von Erin und Sam haben wir zum Dank fuer den Schlafplatz geputzt und den Rasen gemaeht und uns dann in Richtung kostenlosen Campingplatz begeben, den wir ja schon oft angesteuert haben.
Ich war ganz schoen k.o. und so ist nicht mehr viel passiert, ausser dass ich mich zeitig aufs Ohr haute um ab 22 Uhr der lauten Musik meiner franzoesisschen Nachbarn zu lauschen.
Am naechsten Morgen ging es dann fruehstuecken und dann kommt irgendwie ne Erinnerungsluecke.
Stefan meint, wir fuhren dann in die Stadt.
Wahrscheinlich haben wir da gegessen und Bier getrunken.
Keine Ahnung :-)
Am Abend kamen wir relativ spaet zurueck zum Campingplatz, sodass ich einige Leute bat ihre Autos so zu verschieben, dass wir auch noch Platz zum Parken haben.
Ich hatte gute Laune und hab viele Leute an dem Abend angelabert, so auch eine Oesterreicherin und eine Schweizerin, die beide aber normalerweise in der Schweiz leben.
Wir verstanden uns gut, machten mit denen und ein paar anderen Jungs einen Strandspaziergang, laberten bis in die Dunkelheit und verabredeten uns fuer den Farmers Market am naechsten Morgen.

Gesagt, getan!
Der Markt war toll!
Preiswertes, regionales Obst und Gemuese, veganes Essen und ein paar coole Stadtmusikanten.
Nach dem Markt wollten die Maedels die steilste Strasse der Welt besuchen.
Das klang zwar jetzt nicht megaspannend, aber naja, wir kamen mit.
Eine Stunde Fussweg sollten uns dahinbringen, doch der Botanische Garten von Dunedin lag auf dem Weg und wir konnten nicht widerstehen.
Schoen und gross war er! Mit Blumen, Pflanzen und Baeumen!
Auch einen Kraeutergarten gab es, an dem wir uns reichlih bedienten.
Vor allem Stefans Herz (ja, ich denke, er hat wirklich eins, auch wenn er sonst eher wie der Terminator wirkt) ging auf, denn Liebstoeckel hatte sich in den herbalen Konglomerat eingefunden.
Nach dem Garten ging es weiter zu der steilen Strasse.
Dort angekommen, hatte sie meine nicht vorhandenen Erwartungen vollends erfuellt…
Danach ging es dann zu Jonny, den britischen Typen, welchen wir beim Barbecue in Sams und Erins Haus kennengelernt und mit dem wir uns fuer jenen Abend verabredet haben.

Hach, ja. Grossartig.

Die Maedels haben wir direkt mit angeschleift.
Und so tranken wir einige Bier in seiner Wohnung und laberten und laberten und laberten.
Ein Kumpel von Jonny kam noch rum und seine Freundin Chloe kam des spaeten Abends von Arbeit.
Noch schnell ein Gin Tonic und dann ging es raus in die Barwelt.

Sehr nett war das.
Ich habe mich mit gefuehlt jedem Menschen unterhalten, der mir ueber den Weg lief.
Bloss unser Plan, tanzen zu gehen, ist nicht ganz aufgegangen, denn der Club, in welchem wir uns gerade eingefunden hatten, warf uns wieder raus.
Denn es gab einen Feueralarm.
Die Feuerwehr kam mit Grossaufgebot und stellte eine Stunde lang fest, dass es kein Feuer gibt.
Naja…

Noch kurz mit der Barfrau gequatscht, gefragt, in welchem Monat sie schwanger sei und dann ihrer Empfehlung gefolgt, den Ort des Geschehens zuegig zu verlassen (Ich haette schworen koennen, dass sie schwanger war!).

Der naechste Tag war ein wunderbarer Tag danach.
Wir standen spaet auf, gingen dann gemeinsam in die Stadt fruehstuecken und fuhren nach erfolgreicher Nahrungsaufnahme zum Strand, denn es war ziemlich heisses Wetter.
Die Locals hatten die Idee, nicht direkt an den Strand von Dunedin zu fahren, sonder 20 Minuten zu einem abgelegenerem Strand.
Dieser befand sich hinter einem Berg.

11.02.2016 | 15:29

Dumm nur, dass dieser Berg ein Wolkenmagnet war und wir vom strahlenden Sonnenschein in die tiefsten Dunkel der Dunkelheit fuhren.
Aber naja, Holz gesammelt, Feuerchen gemacht und schon wars am Strand warm genug, um sich eine Weile aufzuhalten.
Am Abend ging es dann wieder zu Johny und Chloe lecker Happa happa machen.

Auch der nächste Tag war gut ausgebucht.
Es sollte mit einem Treffen mit Micha um 11 Uhr in der Brauerei losgehen, weil er unsere Hilfe brauchte.
Dumm nur, dass er vergessen hatte, dass an jenem Tag ein Feiertag war.
Also bei der Absprache.
Denn wir waren pünktlich da.
Er nicht.
Naja, nach ner dreiviertel Stunde des Wartens telefonisch erreicht und das ganze um 24 Stunden nach hinten verschoben.
Danach ging es zum Superbowl schauen, in die Wohnung von Seb und Catherine, die beiden Freundesmenschen von Johny und Chloe.
Im Gegensatz zu der deutschen Zeit ging es angenehm zur Mittagszeit los.
Den Andy habe ich angeschrieben, ob er denn auch den Superbowl schaue.
Er bejahte.
Im Killywilly hatte er sich niedergelassen.
Ein paar Nachrichten haben wir uns hin- und hergesendet, es war fast, wie gemeinsam was zu unternehmen :-)

Vom Superbowl an sich habe ich wenig mitbekommen.
Catherine, eine nette 24/7-sprechen-müssende, hatte schnell festgestellt, das ich weder Ahnung noch Interesse an die Amiklopsen hatte, die irgendeinem Juden-Ei hinterherhüpfen um sich daran ne goldene Nase zu verdienen (Sorry für den Antisemitismus, hab letztens mal wieder Borat gesehen :-)).
Nun ja, sie erzählte und erzählte und erzählte.
Und buk veganen Kuchen.
Wir unterhielten uns dabei über Gesellschaftssysteme, Philosophie im Allgemeinen und Ernährung.
An sich sehr interessant, jedoch war es schon eine Herausforderung für meinem Kopf, solche Gespräche mit einem Native Speaker zu führen.
Kennt ihr das, wenn ihr vor dem Einschlafen ein Buch lest und irgendwann merkt, dass ihr den Inhalt der letzten zwei Seiten gar nicht mehr erfasst habt?
So ging es mir doch ein paar Mal.
War trotzdem cool.
Und das Baby von denen (ja, die ham ein Baby), war auch cool zu bespaßen.
Man muss ja nur wahlweise Bart oder Brille hinhalten und schon ist dieses Stück Mensch erstmal für ne halbe Stunde lang beschäftigt.

Das Spiel war dann auch irgendwann vorbei.
Ich glaube Beyoncé konnte die Partie für sich entscheiden.
Wir sind dann in der Wohnung jedenfalls noch schön versackt, obwohl der ursprüngliche Plan war, sich das Chinanesische Neujahrsfest anzuschauen (Hap pe ne o an no mon ki! (Das ist chinesisch und heißt: „Frohes neues Jahr des Affen!“)).
Naja, dafür gab es selbstgemachte Falaffel und anderes Zeug.
Ich liebe ernährungsbewusste Menschen 😀
Am Abend ging es Heim, wir bekamen von Johnny und Chloe das Angebot, so lange bei ihnen wohnen zu können, wie wir wollen.
Das machen wir jetzt auch! 😀
Wir bezahlen mit kochen, putzen und Pointen!

Der nächste Tag war reichlich unspektakulär.
11 Uhr trafen wir uns mit Micha in der Brauerei.
Meinen coolen Spruch: „Mensch Micha, welch eine Überraschung, dich hier in der Brauerei anzutreffen!“ fand er jetzt eher nur so halb bis gar nicht witzig (Ich hingegen schon!).
Nach erfolgreicher Hilfe ging es dann weiter, ein Bisschen praktisches Zeug erledigen.
Ich habe 380 Dollar für weitere Autoreparaturen bezahlt.
Und einen Lebenslauf in einer Bar abgeworfen.
Des Weiteren meinte Micha, dass wir am nächsten Tag mit vorbeikommen können, weil er vor hatte, 800 Liter Golden Lager anzusetzen.

Also fanden wir uns am nächsten Tag 8 Uhr in seiner Brauerei ein (Alter, war das früh).
Naja, eine Stunde haben wir produktive Sachen gemacht.
Dann machte es „KAWUMM!“.

Schade, der Wasserboiler war hochgegangen und 500 Liter kochend heißen Wassers waren munter dabei, auszulaufen.
Während Micha in aller Ruhe seinen Wutanfall zelebierte wuschen Stefan und ich fleißig das Wasser aus der Brauerei.
Schrubbenschrubbenschrubbenschrubbenschrubben war das Zauberwort.
Nach einer halben Ewigkeit trafen dann auch die Techniker ein, die Micha herbestellte.
Ja öhm, kaputt und so.
Aber es konnte noch am selben Tag repariert werden.
Dabei war der Drahtseilakt, die Maische irgendwie durchzubringen, denn durch den Defekt konnten wir die Temperatur nicht mehr steuern.
Glücklicher Weise, hatten wir es aber im Vorfeld schon bis zu Eiweißrast geschafft.
Die ging dann halt 4 Stunden.
Lang genug, dass die Stärke sich in aller Ruhe verzuckern konnte.

So entstehen also Produktschwankungen!

Naja, mit wie gesagt 4 Stunden Verspätung haben wir dann alles durchgekriegt.
Durch die hohe Verzuckerung sind es sogar 1.200 Liter statt 800 Liter geworden.
Denn durch den angegebenen Alkoholgehalt von 4,8 %, der immer gehalten werden muss, musste der Sud noch verdünnt werden.
Insgesamt war der Tag für mich wie ein Tag in Disneyland. Bloß ohne Pädophile.

Gegen 21:30 war der Tag dann dort für mich zu Ende. Es ging heim, noch ein wenig labern, dann gen Heia.

So heute. Naja.
Gegen um 8 ein paar Geschäfte mit hopfenartigen Pflänzchen abgewickelt, die jetzt auf dem Herd stehen und köcheln.
Und einkaufen gewesen.
Verdamm!
Es ist jetzt 16:09 und ich habe das Gefühl, heute noch nichts gemacht zu haben!
Hmmmm, okay, ich muss heute noch mal in ein paar Bars und meine Lebensläufe verteilen.

PS.: Weil Marie sich das letzte Mal freute, weil ich sie erwähnt habe, erwähne ich sie hiermit einfach noch mal wieder :-)

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