Mein Thron.

Franz allein, mit Haus.

19.02.2016 | 17:16

Ich sitze in der Roten Beate in Christchurch.
Warum ich jetzt ein paar hundert Kilometer außerhalb von Dunedin abhänge, ist eine gute Frage.
Grundelegend habe ich Dunedin verlassen, weil ich mal ein wenig Ruhe vom städtischen Trubel haben wollte.
Unsere Gastgeber in Dunedin sind meganette Leute und dennoch wollte ich ein wenig Zeit für mich haben.
Also ging es raus in die weite Welt, gen Norden.
Ich düste also so vor mich hin, ohne dass es etwas Spektakuläres darüber zu berichten gäbe.
Ich genoss ein wenig Strand und Natur und traf irgendwann auf zwei Mädels, die ich vorher in Dunedin kennengelernt habe.
Wir aßen, tranken ein paar Bierchen und quasselten über Gott und die Welt.
Am nächsten Tag hatte ich eine große Mission.
Ich wollte meiner lieben Mama (welche an jenem Tag Geburtstag hatte) eine Botschaft in Sand schreiben, jene fotografieren und ihr zukommen lassen.
Diesen Plan hatte ich schon vor ein paar Monaten, hatte dessen Umsetzung aber franztypisch wieder mal bis zur letzten Minute hinausgeschoben.
Dann hatte ich den Salat.
Weit und breit nur Kiesstrände.
Toll.
Tage, Wochen, Jahre, ach was rede ich, Äonen von Jahren dauerte die Fertigstellung dieser Steinbotschaft, welche sicher in tausendenen von Jahren von Heinrich Schliemanns Ururururururururururururururururururururururururururururururururururururururururururururururururenkel ausgegraben und Rückschlüsse auf den heute modernen Menschen geben wird.
Nun ja, es hat dann am Ende geklappt, Mami hat die Botschaft erfolgreich erhalten, sie bloß beim Blick auf das Foto gar nicht erkannt (Schreibt ihr mal bitte mit Kies auf Kies!).
Bedankt hat sie sich dennoch.
Und einige Stunde später fiel ihr auch die Grußbotschaft auf dem Foto auf.
Nun ja, die Mädels wollten weiter nach Christchurch, ich wollte wieder runter nach Dunedin.
Aber so richtig gab es noch keinen Grund wieder zurückzukehren.
Arbeit habe ich noch keine und Surfen kann ich dank meiner Rippenprellung, die sich natürlich schön hinzieht, auch nicht.
Und Christchurch hat Craft Beer Bars.
Also okay, ich geleitete sie noch weiter.
Bei ordentlich Regen ging es dann zu einem Campingplatz kurz vor Christchurch, dort spielten wir Uno.
Ihr kennt es sicher.
Dieser Mau-Mau(oder wie wir Kommunisten sagen: Mao-Mao (Danke, Mandy, für das Hörbuch))-Klon, bei dem man für jeden Mist unerträglich viele Strafkarten ziehen muss.
Mein Puls und ich haben den Abend dennoch überlebt.

Gestern ging es dann also direkt nach Christchurch.
Dort waren dann die Tageshighlights abwaschen, Essen und Trinken einkaufen und das Zubereiten meiner ersten selbstgemachten Salsa.
Sehr gut ist sie geworden, aber noch ausbaufähig.
Wir saßen also am Abend wieder zusammen, aßen Chips mit Salsa, ich klimperte mal auf der Klampfe und dann kam noch ein weiteres Mädel hinzu, welches dann auch Chips mit Salsa aß und auch mal auf der Klampfe klimperte.
Hmmmm, kann man auf Klampfen eigentlich klimpern?
Oder klimpert man nur auf Klavieren und klampft auf Klampfen?

Heute morgen sind die Damen dann weiter gen Norden gezogen und ich konnte nun beginnen, meine Pläne für Christchurch umzusetzen.

Das habe ich jedoch bis jetzt noch nicht getan. 😀

Ich gammle den ganzen Tag rum, es ist sehr heiß.
Ich habe eine halbe Stunde lang abgewaschen.

Kapitel 94: Up Wash

Zwei Töpfe, zum Beispiel, die sehr dreckig waren.
Zwei Teller, die mir gehören, aber nicht von mir benutzt wurden.
Jene waren mittelmäßig dreckig.
Dann noch einen Holzlöffel.
Dieser war angekrustet.
Ich musste ihn einweichen, bevor ich ihn richtig reinigen konnte.
Einige Gabeln waren dabei.
Ich habe soeben nachgeschlagen, Gabel heißt „furchette“ auf Französisch.
Die Gabeln waren ebenfalls krustig, ich hatte nur einen Schwamm, mit jenem war es sehr schwer, die Reste zwischen den Spießen des kulinarischen Vierzacks zu entfernen.
Weiterhin war das Brett ebenfalls schwierig zu reinigen, getrocknete Korianderreste waren das Problem.
Schüsseln reinigte ich auch.
Eine war grün und eine orange.
Das erfuhr ich aber erst nach dem Reinigen.
Eine Satellitenschüssel war nicht dabei. Man erhält eine solche nur, wenn man Mitglied einer Vereinigung ist, welche die Verteilung jener Objekte verwaltet (der sogenannte „Schüsselbund“).
Ich könnte euch noch stundelang vom Abwaschen erzählen, aber sowohl ich als Schreibender, als auch ihr als Lesende, würden das vor Adrenalinschüben wahrscheinlich nicht überstehen.
Deswegen kürze ich das hier ab und füge nur noch hinzu, das nach dem Abwasch meine Hände sehr rau waren.
Ich kremte sie mit Handkrem (Olive) ein.

Nach dem Abwasch erledigte ich ein paar zu erledigende Erledigungen und kehrte darauf wieder zu jenem Platz zurück.
Ich kochte.
Ich aß.
Ich ruhte mich aus.
Ich spielte Gitarre.
Ich räumte ein wenig auf.
Ich begann den Blogbetrag zu schreiben.
Und nun beende ich dies.

Wow, sieben Tage ist es schon wieder her, dass ich dass letzte Mal schrieb.
Seitdem ist nicht so viel passiert.
Am letzten Wochenende ging es nach Akaroa, ein paar Leute, die ich kennenlernte, wollten da ein wenig Party machen.
Vor Ort stellte sich leider raus, dass die Runde nicht nur aus den netten Menschen bestand, die ich dort kennenlernte, sondern auch aus Menschen, die ich generell ob ihres dämlichen Benehmens ablehne.
Nun ja, mit guter Mine zum bösen Spiel und ein wenig Bier hab ich das ganz gut überstanden.
Am nächsten Tag ging es noch einmal an einen Ort östlich von Akaroa.
Dort war ich mit Stefan und Stine schon einmal.
Diesmal sah ich dort Robben und Delfine, ein wirklich schönes Plätzchen zum verweilen.

05.03.2016 | 8:47

Ich sitze in meinem Van auf einem friedlichen Campground in der Nähe von Christchurch.
Einige Zeit ist vergangen, seitdem ich das letzte Mal schrieb.
Dabei hätte ich an und für sich die Zeit gehabt.
Aber naja, ich war faul :-)

Wirklich viel ist seitdem auch nicht passiert.
Ich habe in letzter Zeit nach Arbeit gesucht und so ziemlich jeder Craft Beer Bar und Brauerei Christchurchs meinen Lebenslauf zukommen lassen.
Die Ressonanz hielt sich in Grenzen, bis ich dann endlich einen Anruf am letzten Montag erhielt.

Old Pommeroys Brewery Inn nennt sich die Craft Beer Bar, die über dreißig Biere anbietet und auch noch selbst braut.
Nach dem Telefonat flitzte ich sogleich zur Brauerei um den Brauer kennenzulernen und die Details abzusprechen.
Wir verstanden uns auf Anhieb gut, waren uns einig und er meinte, dass man sich bis zum Ende der Woche bei mir wegen des Schirftkrams melden wolle.
Jetzt ist Samstag und es ist noch nichts passiert.

Aber naja, die Kiwis haben da auch ihre ganz eigene Mentalität.

Weiterhin habe ich wieder ein paar neue Leute kennengelernt, mit denen ich Tag ein, Tag aus abhänge ohne das man dem ganzen eine gewisse Produktivität unterstellen könnte.
Aber es muss ja auch nicht alles produktiv sein :-)

Letzte Woche versuchten wir zu containern, sprich, verwertbare Lebensmittel aus den Mülltonnen von Betrieben zu entnehmen, die noch verwertbar sind.

Wir hatten einen super Plan:

Marleen hatte in dem Betrieb, welches unser Zielort war, gearbeitet, es war eine Obst- und Gemüseverarbeitungsfabrik.
Tagsüber checkten wir die Gegend aus: Position der Tonnen, Kameras, Versteckmöglichkeiten, Fluchtwege.
Alles war perfekt geplant.
Marleen sagte uns weiterhin, dass dort spätestens 2 Uhr nachts die letzte Schicht endet.

Also habe ich am Abend die Aktionsgruppe zusammengestellt.
Waren im Vorfeld noch viele von der Idee begeistert und wollten mit partizipieren, empfing mich dann eine Welle an Ausreden, als es konkret wurde.

Zwei nette Menschen, Sophie und Ralf erklärten sich dann bereit.
Wir schauten uns also alles am Abend gemeinsam auf der Karte an, machten uns Treffpunkte aus und stellten den Wecker auf 2:30.

2:30 klingelte der Wecker.
Wir verhielten uns möglichst leise, da alle anderen auf dem Campingplatz schliefen.
Sophies Auto wurde als Vehikel auserkoren, ich als Fahrer.
20 Minuten fuhren wir, stellten unser Auto im Dunkeln ab und liefen zum Ort des Geschehens.
Dort angekommen, mussten wir feststellen, dass mitnichten die letzte Schicht 2 Uhr endete.
Licht war an, Gabelstaplergeräusche waren zu vernehmen und Trucks fuhren ein und aus.

Wir checkten noch kurz die Lage, ob es den Hauch einer Möglichkeit gibt, den Plan irgendwie durchzuziehen, doch kurz darauf stand fest: Abbruch.
Es wäre zu heikel gewesen.

So fuhren wir mit leeren Händen und ein wenig enttäuscht wieder zurück.

Doch jeder Misserfolg ist ein Schritt in Richtung Erfolg und so werde ich die Mission „Containern“ weiter fokussieren.

+++ FRANZ INFORMIERT +++

HEUTE: „Warum Containern?“

Viele Betriebe, die mit Lebensmitteln agieren, haben sehr komische Ansichten zum Umgang mit eben jenen.
Es wird viel einwandfreies Obst oder Gemüse weggeworfen, nur weil es einen kleinen Schönheitsfehler hat.
Wenn man es also nicht leiden kann, dass Lebensmittel en masse weggeworfen werden, wird containern praktisch zur Bürgerpflicht.
Es ist ein Protest gegen die Wegwerfkultur.
Ein Zeichen gegen Massenverschwendung, die der kapitalistische Konsum verursacht.
Und nebenbei eine günstige Möglichkeit an super Lebensmittel zu kommen.
Wenn man es ganz richtig macht, nimmt man sich ein paar Lebensmittel zum Eigenbedarf und spendet den Großteil an die Armen.

18.03.2016 | 13:16

Ich war faul.
Ich habe die letzten Wochen nichts gemacht.
Nahezu nichts.
Nicht mal Blog geschrieben.
Ich schäme mich ein wenig.

Auf der anderen Seite war es auch ganz nett ein wenig Inhaltslosigkeit zu haben, sodass ich mich nicht wie ein Inhaltsloser fühle.

Was machte ich die letzten Wochen?

Ich pendelte zwischen zwei verschiedenen Campingplätzen in und um Christchurch und wartete auf eine Info von der Brauerei.
Die nicht kam.
Als ich dann wieder anrufte, teilte man mir mit, dass ich ohne IRD-Number (Lohnsteuernummer) nicht anfangen könnte.
Also legte ich mir einen Bank Account zu, beantragte die Steuernummer, meldete mich wieder bei den Braumenschen und siehe da, am nächsten Montag habe ich meinen ersten Arbeitstag!

Zwischenzeitlich lernte ich wirklich einige nette Menschen kennen, die mich praktisch 24:7 davon abhielten, irgendwas zu schaffen.
Gras- und Bierkonsum haben sich vervielfacht und wir genossen einfach die Zeit, die wir zusammen hatten.
Alles hatte eine sehr hippieeske zwischenmenschliche Atitüde.

Tag ein, Tag aus haben wir gelabert und gekocht und gegessen und Frisbee gespielt und Völkerball und Karten und weiß der Fuchs was.
Zurückblickend bleiben wenig berichtenswerte Highlights übrig, was nicht bedeutet, das es keine schöne Zeit war.
Die Hippiemädels Mali und Nina sind mir doch, obschon ihres sehr jungen Verhaltens (Hupkonzerte in der Nacht, immer und immer wieder) ans Herz gewachsen.
Genau so Dorian, ein netter Kerl mit einem respektvollen Haufen an Energie, die er hoffentlich irgendwann für sinvolle Sachen einsetzt. Nebenbei ein wahrlich gut geschulter Pianist, der spontan jede Melodie auf seiner Melodica nachspielen kann, dass einem die Kinnlade runterklappt.
Weiterhin ist da noch Till.
Ein dauergutgelaunter Mensch, den ich glaub ich, seitdem ich ihn kenne, noch nie unbekifft erlebt habe.
Genau so wie Dominik.
Ein Bayer, sehr witzig, denn ich verstehe ihn besser, wenn er englisch redet, als wenn er versucht, deutsch mit uns zu sprechen.
Auch dauerbekifft und tiefenentspannt.
Er verdient hier viel Geld und arbeitet seine 90 Stunden in der Woche.
Dann sind da noch Maike und Sara, zwei liebe Mädels und der Hannes, aus dem, verdammt, ich denke Erzgebirge.
Auf jeden Fall war er meine Ost-Connection :-)
Da wäre noch Johanna, die mir grad gegenüber sitzt.
Und lacht. Noch.
Denn sie hat noch nicht ihre Charakterbeschreibung gelesen.
Johanna kocht Instantnudeln wie keine zweite.
Und dann noch Lukas.
Der hat nen großen coolen Van und eine Engelsgeduld, wenn sich die kompletten Campbewohner in selbigen breit machen.

Aber eigentlich wollte ich über die Highlights schreiben.

1. Völkerball unter Einfluss von Bier und Gras.
Das war ein Spektakel für Groß und Klein und erinnerte mich ein wenig an das gute alte Sport ist Mord-Volleyballturnier der Bandcommunity, bei dem nüchterne Spieler ja auch eher selten anzutreffen sind.

2. Ich habe mir einen Poncho gekauft. Den ziehe ich nie wieder aus.

3. Jamsessions mit Dorian. Immer wieder eine Ehre.

4. Till wurden beim Graskauf beim Skaterpark 380 Dollar geklaut.

5. Aller drei Tage waschen im Fluss, wetterunabhängig. Es kostet erst Überwindung, doch dann ist fühlt man sich richtig gut.

6. Stoned Pink Floyd hören. Mami, Papi, das machen wir mal gemeinsam, wenn ich wieder da bin.

7. Aller paar Tage ein Erdbeben. „Huch, wer rüttelt da an meinem Auto? Ach nein, ich bin in Christchurch,“

Weiterhin habe ich etwas interessantes miterlebt.
In den letzten Wochen ist der Ärger unter der Bevölkerung gegen respektlose Backpacker stark gewachsen.
Die Medien nahmen die kostenlosen Campingplätze in den Fokus, interviewten einige von uns, die Berichterstattung war jedoch nicht sehr positiv für die Reisenden.
Verständlicher Weise.
Es gibt hier so viele Umherreisende, dass leider auch die Anzahl derer, die sich dauerhaft daneben benehmen, recht hoch ist.
Letzen Endes wurden auf dem schönen Surf Camp Ground in Christchurch die Kontrollen verschärft, wir wurden mit Megafon aus dem Bett geklingelt („I’ts 9 o’clock, you have to leave!“)
Und schlussendlich wurden alle kostenlosen Campingplätze in Christchurch vor zwei Tagen geschlossen.
Ärgerlich, denn der Surf Camp Ground wäre nur 5 Autominuten von meiner neuen Arbeitsstelle entfernt gewesen.

Naja, so ist es halt.
Der Plan ist nun, so lang in Christchurch zu bleiben, wie ich arbeiten kann.
Höchstens aber einen Monat bei dem gleichen Betrieb, ich will ja schließlich noch ein wenig was sehen.

2 Gedanken zu „Franz allein, mit Haus.“

  1. Nice, Franz. Ich bin zu tiefst berührt, dass du unsere gemeinsamen musikalischen Ergüsse ebenso zu wertschätzen scheinst, wie ich es tue.
    Und obwohl die obere Formulierung ihren Spielraum hat wenn es um zweideutige Interpretationen geht, möchte ich dennoch betonen, was es mir für eine Freude ist, dich kennen gelernt zu haben.

    Das waren meine ersten Worte unter diesem Blog,
    Es werden wahrscheinlich die letzten sein.
    Denn bekifft macht tippen nicht so viel Bock,
    so kippe er sich lieber Vino rein.

    Cheers!

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