Franz, der Geldverdiener

22.03.2016 | 11:06

Ich sitze auf auf dem Campingplatz unter der geöffneten Kofferaumklappe der roten Beate.
Eigentlich wollte ich heute einen Bibliothekstag einschieben, aber das Wetter ist gerade zu schön, um sich drinnen aufzuhalten.
Zumal die Schönwettertage so langsam aber sicher zur Minderheit werden.
Die anderen Campmates sind ein wenig entfernt von mir, hängen in der Hängematte und hören sehr mittelmäßige Musik (Das hab ich nur geschrieben, weil sie das eventuell lesen und ich höflich sein wollte. Eigentlich meine ich: schlechte Musik!)

Die letzten Tage waren aufwühlend.
Es standen einige Entscheidungen an, die mich selbst die Frage stellen lassen, ob wir als Menschen nun eher Vernunftswesen sind, oder nicht?
Oder ist es individuell unterschiedlich?
Was ist überhaupt Vernunft?
Man kann ja sagen, vernünftig ist es, in einer gewissen Weise nachhaltig zu agieren.
Aber kann es nicht genau so vernünftig sein, das nicht zu machen?
Müssen wir als Menschen die Bürde auf uns nehmen, weil wir vorausdenken können, auch selbiges zu tun?
Wenn wir uns schon für die überlegene Spezies halten, sollten wir vielleicht wenigstens auch zu einer überlegenden Spezies werden.
Schließlich geht mit Macht auch eine Verantwortung daher, oder?

Auf der anderen Seite, was wäre eine Gesellschaft, die nur überlegt agiert?
Glattbügeln aller Emotionen, ein roboteresker Habitus aller, eine Uniformierung des Wesens.
Ich lese derzeit Uhrwerk Orange, welches sich entfernt mit dieser Thematik auseinandersetzt.
Dieses Buch stellt die Frage, ob es besser ist böse zu sein, weil es im Wesen eines selbst verankert ist oder ob es besser ist, durch eine Gehirnwäsche zu einem guten Menschen zu werden.
Bisher tendiert der Duktus des Buches eher in Richtung freier Entfaltung des Wesens, egal ob guter Mensch oder schlechter Mensch.
Für mich als utilitaristisch geprägtes Hobbyphilosöphchen ist das ein spannender Komplex, den ich demnächst mal überdenken muss.

Damit ist jetzt auch Schluss, dass ich euch damit langweile :-)
Wenn jemand dazu allerdings Fragen, Gedanken, Überlegungen oder ähnliches haben sollte, dann schreibt das gern in die Kommentare.

Aber eigentlich wollte ich in diesem Beitrag, den ich auch entsprechend benennen werde, über meinen ersten Arbeitstag gegen echtes Entgelt nach fast einem halben Jahr faulenzen berichten.

Erste Erkenntnis: Es war früh!

8 Uhr ging es los.
Glücklicher Weise musste ich nicht eine halbe Stunde von meinem eigentlichen Campingplatz dahindüsen, denn am Abend vorher kam Linda (Ihr erinnert euch? Festivalbekanntschaft!) aus Australien an und hatte in Christchurch ein Haus klargemacht.
Sie lud mich also am Abend vorher zu einer heißen Dusche ein, was ich nicht ablehnen konnte.
Gemeinsam mit einem Freund von ihr hatten wir einen netten gemeinsamen Kochabend und ich durfte schließlich mit der roten Beate in der Einfahrt schlafen.

Punkt 8 Uhr war ich also in der Brauerei.
Bevor es losging habe ich ein wenig mit Cameron, dem Brauer geschnackt, was sich als schwierig erwies, da es in der Brauerei so laut war, dass ich kaum mein eigenes Wort verstand.
Die ersten sechs Stunden hieß es dann Fässer putzen.
Das hat die ersten zwei Stunden sogar Spaß gemacht, dann nahm der Spaßfaktor schlagartig ab :-)
ca. 30 Fässer waren es, ich brauchte ca. 10 Minuten je Fass.
Danach wollten viele volle und leere Fässer von einer Halle in die nächste Halle bewegt werden und ebenfalls viele von der nächsten Halle in die eine.

Hierbei stellte ich fest:
– gefüllte 50 Liter-Bierfässer sind schwer
– beim Umgang mit Hubwagen und Paletten bin ich zu 100 % talentfrei

So, mittlerweile ist es 14.37 Uhr.

Zwischenzeitlich hatte ich einige Intermezzi mit anderen Menschen des Camps.
Johanna kam vorbei und wir haben ein Selfie gemacht.

Wenn ich dran denke, lade ich das mit hoch.
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Dann kamen noch Lukas und Dorian rum und wir begannen über Vernunft und Unvernunft zu diskutieren.
Danach ging es in den Fluss, ein wenig Körperhygiene betreiben.
Dann kochen, Pasta mit Aubergine, Knobi und Olivenöl (Lupi, Extra Virgin).
Dann Essen.
Dann Apfel.
Dann noch mal Pasta.
Dann noch mal Apfel.

Und jetzt schreibe ich wieder.
Schön, wa? Habter auch watt davon :-)
Zurückkommend zu meinem Dasein als Brauassistent gibt es noch zu ergänzen, dass ich ebenfalls Fässer mit kostbaren Bier aus den Tanks befüllt habe.
Abgesehen davon, dass diese vollen Biere dann wieder in das Kühllager geschafft werden mussten, war das eine der coolsten Aufgaben.

Am Donnerstag geht es weiter. Putzen.

Kurz nachdem ich die Brauerei verließ, lernte ich dann noch einen älteren Typen namens Steve kennen.
Wir quatschten ein wenig und er fragte, ob ich nach noch mehr Arbeit suche, da er auf Baustellen Leute sucht.
Ich sagte dann, dass ich nicht abgeneigt wäre, und ob er denn öfter in der Brauerei ist, weil man sich dann noch mal unterhalten könne.
Er antwortete kurz: „Ich bin der Besitzer.“

Oha.

23.03.2016 | 15:11

Ich sitze in der Bibliothek.
Heute ist Bibliothekstag.
Der Plan war einfach: Einen Ort suchen, in dem ich schnelles Internet habe und dann ganz viel Kram erledigen.
Nun ja, das Internet funktioniert eher so mittel, aber ich bin guter Dinge, doch nach einigen Versuchen auch wieder ein paar Bilderchen hochladen zu können.
Gestern war ein angenehmer Tag.
Nachdem ich die erste Tageshälfte auf dem Campingplatz verbrachte, ging es dann am Nachmittag in eine Bar, zum Treffen mit Clémence.
Vorher holte ich noch meine reparierte Felge vom Felgenmann ab.
Die Antwort „Nein“ auf die Frage, ob ich eine Rechnung benötige, erbrachte mir eine Ersparnis von einigen Dollar :-)
Mit der reparierten Felge im Gepäck ging es dann also weiter zum Treffen mit Clémence.
Es sollte unser vermeintlich letztes Treffen sein.
Wir tranken ein Paar gute Biere und siehe da, der Laden hatte tatsächlich Gose!!!
Nebenbei bemerkt handelt es sich um die Bar, in dessen Brauerei an der Rückseite des Hauses ich arbeite.
Andy, dir würde es da gefallen.
Backsteinwände, eine urige Atmosphäre, die in NZ sehr selten ist und hallo!? Eine Jukebox!
Wie auch immer, wir laberten, sie stellte fest, dass ihre Pläne nicht hinhauen und entschloss sich mit auf ein Festival zu kommen, welches wir über Ostern besuchen werden.

So, mehr ist nicht, ich werde jetzt mal versuchen alles hochzuladen :-)

Ach nein halt doch!
Ich habe soeben noch ein Projekt eröffnet.
Ich bin ja, hier der ganz alte in der Camprunde.
Ich werde demnächst mal die Kinderchen fragen, was sie eigentlich vom Leben erwarten.
Wo sie den Sinn ihres selbigen sehen.

Halte ich mich doch noch für halbwegs rebellisch, den Aufstand gegen die Umstände vollziehend, sehe ich bei meinem Campkindern eher den Aufstand gegen den Anstand…

Ich werde es euch wissen lassen :-)

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