IMG_9892_1

Rohe Ostern

29.03.2016 | 14:54

Ich sitze in meinem Auto in Oamaru und warte, bis Mali und Nina ihre Sachen aus ihrem Auto in das meine transferiert haben.

Ein guter Moment, um die letzten Tage zu resümieren.
Fleißig bin ich dabei, die Brauerei auf Vordermann zu bringen.
Am nächsten Wochenende findet ein Bierfestival in Christchurch statt, da muss die Brauerei glänzen wie ein Judenei.
Schade, dass da gefühlt seit mehreren Jahren niemand mehr geputzt hat. Naja, viele Stunden bringen viel Geld.
Das Osterwochenende bin ich auf ein Festival gefahren, zur Autumn Arena.
Es handelte sich hierbei um ein kleines Hippiefestival mit ein paar hundert Leuten und es war ein riesiges Highlight auf meiner Reise.
So viele wundervolle positive Menschen an einem Ort habe ich selten erlebt.
Es war ein Festival der Wissensweitergabe, des Ausprobierens mit vielen Workshops und Musik.
Am ersten Abend spielte eine Trommelgruppe und irgendwann konnte sich jeder ein Trommel schnappen.
So trommelte ich sicherlich 3 Stunden lang mit vielen anderen Menschen, während spontan dazu gesungen wurde und viele Menschen ums Lagerfeuer tanzten.
Ein tolle Atmosphäre war das.
Am nächsten Morgen spielte jemand allein auf dem Feld Didgeridoo, ein paar Leute aus meine Camp und ich gesellten uns zu ihm um ihm ein wenig zu lauschen.
Ich fragte, ob ich es auch mal versuchen dürfte, was dazu führte, dass er sich extrem viel Zeit für mich nahm, mir Pust- und Atemtechniken erklärte, die ich die letzten Tage viel geübt habe.
Nebenbei lieh er mir auch noch ein selbstgebautes Didgeridoo für die Festivaltage, damit ich damit üben konnte, was ich auch rege tat.
Auch Slacklining war wieder mit von der Partie, woran ich mich wieder frenetisch ausprobierte.
Ansonsten sind überall auf dem Festival spontan nette Gespräche und Jamsessions entstanden, zu denen man sich jederzeit dazugesellen konnte.
Weiterhin gemeinsames Essen, an einem Abend Party (sonst war es eher ein ruhiges Festival) und und und.
Also echt richtig schön.
Leider kam ich erst auf die Idee ein paar Bilder zu machen, nachdem die meisten schon abgereist waren.
Aber wenigstens einen kleinen Eindruck könnt ihr eventuell davon gewinnen.

Gestern sollte es dann wieder zurück nach Christchurch gehen, da ich heute arbeiten sollte, doch dann kam alles anders.
Mali und Nina waren mit ihrem Van, den sie erst vor zwei Wochen gekauft hatten, nachdem ihr erster einen Motorschaden erlitten hatte, schon los in Richtung ihres nächsten Ziels gefahren, während ich noch auf dem Festival verweilte.
Irgendwann kam ein Anruf, sie hatten einen Unfall, sind einem Lastwagen hinten draufgefahren.
Also machte ich mich auf, schließlich bin ich ja Trostspender, Therapeut und Lebensberater.
Das Auto sah schlimm aus.
Die komplette Front demoliert, Kühler kaputt, alles kaputt.
Immerhin hatte ein netter Einheimischer ihnen ein wenig geholfen, sie erstmal nach Hause genommen und und und.
Nun stand eine Entscheidung an, was mir recht schwer fiel, da ich auch noch viele andere Sachen im Kopf hatte die mich beschäftigten.
Nun ja, es war also nun die Frage, ob ich rechtzeitig wieder nach Christchurch fahre um da am nächsten Tage pünktlich in der Brauer aufzutauchen, oder ob ich in Oamaru bleibe, um den Mädels zu helfen.
Es war eine schwere Entscheidung, denn die Brauereiarbeit ist mir sehr wichtig und ebenso wichtig ist mir zu zeigen, dass ich ein zuverlässiger Geselle bin und vor allem in Richtung meines Traumes in der Heimat hinzuarbeiten.
Nebenbei gibt es dort auch gutes Geld.
Auf der anderen Seite waren die Mädels blank mit den Nerven und in der Regel bin ich nicht so schlecht darin, recht sachlich zu sein und einen kühlen Kopf zu bewahren.
Ein klassisches Beispiel mal wieder, das Pendel in Bewegung zu setzen, abzuprüfen, was für mich die vernünftigste Entscheidung ist, oder inwiefern Moral und Herz da reinspielen.

Ich habe mich entschieden, den beiden zu helfen, was für sie sicher auch eine gute Entscheidung war.

Der nette Einheimische gab mir seine Adresse und sagte mir, dass die Mädels dort übernachten werden.
Ich fuhr dann erstmal zurück zum Festival, gönnte mir noch ein wenig Zeit für mich, packte meinen Rest ein und den Müll, verabschiedete mich von den Horden an tollen Menschen und machte mich zu der Adresse auf.
Angekommen wurde ich auch schon von einer älteren Dame empfangen, die schon meinte, dass ich wohl auf der Suche nach den zwei Mädels bin.
Das Grundstück war sehr schön, relativ verwildert oder aber eben naturbelassen.

Das Haus war sehr interessant eingerichtet.
Überall war Holz an den Wänden, was für eine warme Atmosphäre sorgte.
Ebenfalls ein Ofen sorgte für Wärme.
Auf der anderen Seite standen und hangen überall gruselige Puppen, Jesusbilder und Bibelsprüche.
Katholiken also.
Wir wurden von dem älteren Paar zum Abendessen eingeladen, es gab Gemüse mit Kartoffelpüree und leckeren Salaten (und für die anderen Wurst).
Wir unterhielten uns recht lang über Flüchtlinge in Deutschland und in Neuseeland, den Krieg in Syrien und seine Ursachen und über unsere Erfahrungen vom Festival.
Es stellte sich heraus, dass die beiden nicht nur an Gott glauben, sondern auch an eine Art New World Order, also einer Vereinigung, die Weltweit alle Fäden in der Hand hat.
Nach dem Essen erzählte uns der Mann, dass er mit 20 Alkoholiker war, einen Menschen beinahe totgeprügelt hatte und unter Schizophrenie litt.
Dann hat er zu Gott gefunden und alles war danach tutti.
Eine nette Geschichte, nach der uns direkt ein paar Bibeln geschenkt wurden.
Und ein lustiger Comic, der sicherlich eine unterhaltsame Zusammenfassung der Bibel darstellt.
Er meinte, es läge an uns, ob wir uns damit auseinandersetzen wollen oder nicht.
Schließlich bot die Frau auch mir an, bei ihnen zu übernachten, das war sehr nett und ich nahm die Einladung an.
Ich bekam mein eigenes Zimmer, so konnte ich mich richtig breit machen und musste mir kein Gehuste und Geschnarche anhören.
Kurz vorm Schlafen zeigte uns die Frau noch, wie man mittels eines Spinnrad Wollfäden herstellt und dann ging es auch schon in die Koje.

Heute morgen ging es dann recht zeitig aber nicht rechtzeitig raus aus den Federn (Plan der Mädels war 7 Uhr, geschafft haben wir 8 Uhr).
Wir fuhren dann zu ihrem Hakuna Matata-Mobil und ich schleppte sie ab.
Der Katholikenmann hatte mir am Vortag gezeigt, wo ein Handel mit Autoteilen und eine Werkstatt ist, die wir ansteuern können.
Also, Rundreise mit Seil durch die Stadt.
Am Ende ein paar mal hin- und hergefahren, weil uns niemand so recht helfen konnte und dann die finale Diagnose: Totalschaden, Reparatur nicht sinnvoll.

Es folgten Tränen, dann ein Kaffee zur Besinnung und nun packen die Damen ihre Sachen, holen sich gleich noch 50 Dollar für den wagen ab, für den sie letzte Woche noch 1.800 Dollar bezahlt und den sie gestern für 80 Dollar betankt haben und dann nehme ich sie mit nach Christchurch, von wo sie dann wahrscheinlich weiter trampen werden.
Ich hoffe nebenbei, dass mich die Brauerei noch leiden kann, aber es sieht ganz gut aus :-)

30.03.2016 | 21:53

Ich sitze auf meinem Stammcampingplatz in Coes Ford nahe Cristchurch.
Es ist dunkel und bitterkalt.
Ich habe mich in sämtliche Decken eingepackt, die mir zur Verfügung stehen und finde es gerade schön, den Abend damit ausklingen zu lassen, diesen unspektakulären Tag Revue passieren zu lassen.
Morgen früh 7 Uhr klingelt der Wecker, denn 8 Uhr muss ich in der Brauerei sein.
Es wird ein harter Tag.
Aber ich hatte heute meine erste Gehaltszahlung, mit 17 Dollar pro Stunde verdiene ich als Backpacker gar nicht mal so schlecht (Ja, das weiß ich erst, seitdem mir das Geld gezahlt wurde :-))

Den Großteil des Tages war ich allein und habe mich mit Beate nicht von der Stelle bewegt.
Das tat ungeheuer gut, denn ich konnte mal ein paar physische und psyschiche Sachen ordnen.

Die Nacht vorher habe ich eher bedingt gut geschlafen, denn die beiden obdachlosen Mädels wurden auf die Fahrzeuge von mir und Lukas und Johanna aufgeteilt.
Mali hat es sich im Großen Van von Lukas und Johanna gemütlich gemacht und ich habe Nina abbekommen, die so stark schnarcht, dass die Seismografen in Christchurch deswegen anschlagen.

Am Morgen hieß es dann wirklich Lebewohl sagen.
Wir haben das jetzt schon ein paar Mal gemacht, doch bisher hat uns das Schicksal oder die nicht Selbstlebensfähigkeit der Damen wieder zusammengeführt.
Wie auch immer.
Diesmal scheint es dann endlich mal geklappt zu haben.

Nachdem alle weg waren, habe ich mich ein wenig um Beate gekümmert.
Seit einiger Zeit reiste meine reparierte Felge auf dem Fahrersitz mit, ohne, dass ich sie mit dem Ersatzrad wieder ausgetauscht hatte.
Das sollte sich heute ändern.
Jetzt hat die Beate wieder 4 wunderschöne Aluschühchen an den Füßen.
Des Weiteren hatte mich generell ein Um- und Aufräumfimmel gepackt.
Ich hatte einiges Zeug aus dem Hakuna Matata-Van zur Verfügung gestellt bekommen (ein paar Tücher, Vorhänge…), was ich anbringen wollte.
Außerdem sind meine Vorhänge auch schon seit ein paar Wochen kaputt, das wurde heute alles mal in die Hand genommen.
Es sieht auch direkt ein wenig gemütlicher aus, ein cooles Tuch hängt jetzt am Beatenhimmel und die Vorhänge sind jetzt sogar ein wenig schön und nicht nur praktisch.
Insgesamt hat Beate also jetzt ein wenig an Gemütlichkeit zugenommen, was bei den kommenden kalten Monaten auch nicht schaden kann.
Sogar die Küche habe ich aufgeräumt (siehe Foto)!

Generell ist die kommende Jahreszeit so langsam ein Thema, dem ich mich stellen muss.
Ich stelle fest, das der letzte Monat, des Feierns und Nichtstuns durch das Festival einen würdigen Abschluss gefunden hat.
Es war eine schöne Phase, aber wer in Deutschland 2 Jahre lang parallel einen Vollzeitjob, einen Teilzeitjob, ein Studium und noch 2 Bands hatte, der fängt dann irgendwann an, sich mit dem Nichtstun nicht sonderlich wohlzufühlen.
Deswegen steht der Fokus jetzt klar auf der Arbeit und auf dem Sparen von Geld.
Das wird definitiv ein harter Monat. Zwar arbeite ich nur 2 oder 3 Tage die Woche, aber (es mag vielleicht lustig klingen) am Tage nach einem Brauereitag, bin ich Dank Ganzkörpermuskelkater und zahlreichen Blessuren zu nichts zu gebrauchen.
Dafür stimmt das Geld halt wirklich.
Und ich lerne gerade sehr viel über die Abläufe in einer Craft Beer-Brauerei, was von unschätzbarem Wert für meine Zukunft sein wird.
Am Dienstag werde ich dann endlich wieder Ivo wiedersehen.
Hatten wir am Ende unserer gemeinsamen Zeit doch den ein oder anderen Konflikt, freuen wir uns gerade beide sehr darauf uns wiederzusehen und ein wenig Zeit miteinander zu verbringen.
Wie lang das sein wird und generell und überhaupt, das werden wir sehen.
Ende April wird es dann wieder nach Dunedin gehen.
Ich hoffe für länger.
Anlass ist das Konzert von (Trommelwirbel) Black Sabbath (!!!).
Taktisch ist es gut, dort ein wenig zu bleiben, weil die beiden Briten mich wieder bei sich wohnen lassen würden, was in der kühlen Jahreszeit mit kurzen Tagen ungeheuer nett wäre.
Außerdem könnte ich, sofern das Wetter noch mitspielt, mich noch mal dem Surfen widmen, schließlich geht es meinen Rippen ja endlich wieder gut.

Danke im Übrigen für die Zuschriften über meinen letzten Beitrag.
Mir war schon bewusst, dass meine letzte Etappe von der Außenansicht nicht sonderlich positiv wahrgenommen wird.
Aber ich hatte mich dennoch entschieden es in meinen Blog mit aufzunehmen, denn Zensur in einem Tagebuch erachte ich als nicht sinnvoll.
Einige von euch lernen mich wahrscheinlich durch diesen Blog besser kennen, als es zuvor der Fall wahr, ich selbst lerne mich durch das Niederschreiben dieser Zeilen besser kennen.
Jedenfalls freue ich ich über jede Diskussion, verstehe auch, wenn der ein oder andere besorgt ist, kann diejenigen aber auch beruhigen, dass ich doch weiterhin hin ein Vernunftsmensch bin, der natürlich aber auch Spaß dran hat, einfach mal vieles mitzumachen, was sich einem anbietet.
Es war auch gut, einfach nur mal nichts zu tun, sich dem Rausch hinzugeben, denn jetzt freue ich mich wieder auf die nächste Änderung.
Denn nun steht auf dem Programm, die Tage zwischen meinen Arbeitstagen zu nutzen, um die Umgebung Christchurchs allein zu erkunden.
Ich freue mich riesig drauf!
Und wenn es doch anders kommt!?

That’s Life!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *