IMG_9931

BitchBeate

01.04.2016 | 14:54

Ich sitze in der Universitätsbibliothek in Lincoln, was zehn Minuten Fahrtweg von meinem Campingplatz entfernt ist.
Ich habe Kopfhörer in den Ohren stecken, die mich von der akustischen Außenwelt abschirmen und höre „Unstille“ von „Der Weg einer Freiheit“.
Sie haben wohl letztens in Leipzig gespielt, was ich von einem Facebookeintrag meines lieben Ex-Kollegen Andreas ablesen konnte, welcher mich direkt zum Hören eben jener Band animierte.

Eigentlich sollte ich gerade in der Brauerei schuften, doch Beate hat mich mal wieder im Stich gelassen.
Aber von vorn:

Gestern, 7 Uhr.
Der Wecker klingelt.
Ich erwache.
Ich drücke auf mein Telefon.
Ich schlafe ein.

Gestern, 7.10 Uhr.
Der Wecker klingelt.
Ich erwache.
Ich drücke auf mein Telefon.
Ich schlafe ein.

Gestern, 7.20 Uhr.
Der Wecker klingelt.
Ich erwache.
Ich drücke auf mein Telefon.
Ich stehe auf.

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, es war kalt.
Ich warf mir ein paar Klamotten über und putzte mir die Zähne, begab mich auf den Fahrersitz, schnallte mich an, nahm den Zündschlüssel von der Armatur, steckte ihn ins Zündschloss, drehte ihn nach rechts und…
…nichts geschah.

Batterie.

Dorian bekam es zufällig mit, näherte sich mit seinem Auto, während ich mein Starterkabel hervorkramte, wir verbanden beide miteinander und starteten einen Versuch des Startens.

Nichts passierte.

Wir versuchten es wieder und wieder.

Irgendwann passierte der Stundenzeiger meines Telefons die „8“, während wir versuchten, der Beate neues Leben einzuhauchen.
Zu dieser Zeit hätte ich in der Brauerei sein müssen.

Ich schrieb Cameron, dem Braumeister, eine Nachricht, dass es später wird, aß eine Banane, einen Apfel, steckte mir meine rechte Kontaktlinse in das rechte Auge.
Und auch die linke Kontaktlinse in das linke Auge.

Dann machte ich ein Foto.

Gegen 8.30 Uhr sprang Beate endlich an.

Ich fuhr zur Brauerei. 9.15 Uhr angekommen, wollte ich mich für mein spätes Erscheinen entschuldigen, doch Cameron war in Eile, rief mir ein paar Aufgaben zu und verschwand mit dem Transporter um Bierfässer auszuliefern.

Währenddessen hiefte ich gefüllte Bierkartons in den Kühlcontainer und putzte. Und putzte. Und putzte.
Zwischendurch befüllte ich Fässer mit Bier, verkostete die Charge (Es war ein dunkles IPA) und bewegte viel zu viele gefüllte Bierfässer von A nach B.
Dumm: Ich war zu fleißig und habe zu viele Fässer auf eine Palette gehieft, welche wieder runter und ins Lagerhaus gebracht werden mussten.
Cameron, sichtlich amüsiert beim Anblick, mich mit den Fässern hantieren zu sehen (ist das noch ein Satz!?), klopfte mir auf die Schulter und meinte nur „Sorry, bro!“ als er mir das mitteilte.
Später putzte ich wieder.
Und reinigte Fässer.
Viele Fässer.

Dann verschwand Cameron in der Bar.
Für lange Zeit.
Ich putzte.

Unter dem Whirlpool liegend, reinigte ich diesen.
Das war ein Spaß.
Denn plötzlich öffnete sich über mir ein Ventil und ließ kochendes Wasser heraus.
Dank meiner Jedireflexe konnte ich schnell genug zur Seite robben und verbrühte mir nur ein wenig den Arm.

Jetzt weiß ich, warum es in Deutschland Arbeitsschutzeinweisungen gibt.
Ansonsten lief der Arbeitstag doch recht problemfrei.

Nach dem Monat Brauerei werde ich entweder aussehen wie ein Stier oder eine duchgebrochene Wirbelsäule haben.
Mal sehen.

17 Uhr hatte ich Feierabend.

Dorian sollte ich noch von einer Bibliothek, welche sich in meiner Nähe befand, abholen.
Ein Pizzabäcker befindet sich in der Nähe der Bibliothek, ca. 10 Minuten Fahrzeit hatte ich eingeschätzt.
Also wollte ich clever agieren, rief Dorian an, sagte ihm, dass er mir bitte eine Pizza bestellen solle, damit jene fertig sei, wenn ich dort ankomme, denn ich hatte den Tag über nichts gegessen und einen (Achtung, Veganerwitz:) Beerenhunger.
Er bestätigte mir die praktische Durchführung des Plans und so begab ich mich zu Beate, setzte mich auf den Fahrersitz, schnallte mich an, steckte den Schlüssel in das Zündschloss, drehte selbigen nach rechts und…
…nichts passierte.

So viel zu meinem Pizzaplan.

Ich ging in die Bar und fragte die Menschen dort, ob sie mir nicht ein Spenderauto zur Verfügung stellen können.
Die Begeisterung hielt sich in Grenzen.
Cameron bekam das mit, und machte sich ebenfalls noch stark für mich und schließlich erklärte sich jemand bereit.
Die Starthilfe half.

Ich holte Dorian ab und gemeinsam machten wir uns zurück zu Coes Ford.
Dort haben wir dann zwei Franzosen kennengelernt mit denen wir einen wundervollen spontan sehr langen Abend hatten.
Heute Morgen hatte ich eine nette Zettelnachricht von beiden auf den Tisch liegen, ich versuche mal dran zu denken, ein Foto zu machen.

10 Uhr sollte ich dann heute in der Brauerei sein.
Beate sah das anders.
Ich sagte also Cameron ab (wäre eh nur freiwillig dagewesen) und fuhr zu einer Werkstatt.
Hmmmm, ja, wir sind busy, du musst nen Termin für Montag machen.
Hach ja.
Das wird ein tolles Wochenende.

04.04.2016 | 09:52

Yeah, seit ner halben Stunde versuche ich, das Wifi in Gang zu kriegen. Das hat jetzt auch geklappt!
Ich sitze (wieder) in der Bibliothek in Lincoln.
Es ist kalt und es regnet draußen.
Beate habe ich in der Werkstatt abgegeben und nun versuche ich mich hier ein wenig zu beschäftigen, bis dann der Anruf kommt, was es denn kosten wird.
Das Wochenende war eher sinnlos.
Ich wollte unbedingt zum Kiwi-Beer-Festival nach Christchurch, aber da Beate nur Probleme gemacht hat, fiel das ins Wasser und so entschied ich mich, ein wenig aufzuräumen (meist hält der aufgeräumte Zustand <15 Minuten), zu lesen (immer noch Clockwork Orange) und Gitarre zu spielen.
Weiterhin habe ich angefangen, meinen Mitbewohnern Skat beizubringen, wobei die sich auch gar nicht mal so dumm anstellen.
Weiterhin hat mir Dorian auch die ersten Schritte auf dem Longboard beigebracht.
Ich bin dabei weder hingefallen, noch habe ich jemand unbeteiligten ernsthaft verletzt. 😀
Gestern haben wir den Tag über geskatet, ich war zum ersten Mal seit vielen Tagen wieder im Fluss baden und dann haben wir einen Maori kennengelernt, an dessen Camp wir uns nun angeschlossen haben.
Das bedeutete gestern Abend also viele Gespräche.
Jemand hatte uns viele Kartoffeln und Zwiebeln geschenkt, so dass ich mich bereit erklärte für die große Runde (vielleicht 10 Menschen unterschiedlicher Herkunft) Bratkartoffeln zu machen.
Es hat gemundet, wie ich finde. Und die anderen fanden das auch.
Dummer Weise habe ich all meine Gewürze über Nacht draußen vergessen und es fing an, stark zu regnen.
Ich hoffe ich kann ein paar davon retten.

Ansonsten hab ich gar nicht viel zu schreiben.
Aber ich habe Zeit.
Hmmmm, ich könnte euch einen Witz erzählen.

Mir fällt aber keiner ein.

Wie wär es denn mit unnützem Wissen.

Erdbeeren sind keine Beeren, sondern Sammelnussfrüchte, dafür sind Erdnüsse keine Nüsse, sondern Hülsenfrüchte. Melonen sind eigentlich Kürbisse und gehören damit zum Gemüse.
Ob Tomaten nun zum Obst oder Gemüse gehören, weiß ich auch nicht so genau.
Weiterhin, um das endlich mal klarzustellen: Marmelade wird aus Zitrusfrüchten gemacht und in 98 % aller Fälle, wenn ihr Marmelade sagt, meint ihr Konfitüre.
Auch wenn der Duden der Unwissenheit der Menschen so langsam entgegenkommt und sich da in der Definition öffnet.
Konrad Adenauer hat die Tofuwurst erfunden, wofür ich ihm persönlich sehr dankbar bin.
Vanille wird „Wanillje“ ausgesprochen und Worcester Sauce „Wusster Soße“.
Wer das alles schon weiß, dem tut es bestimmt gut, dass ich mal für ne Weile weg bin 😀

Und nun nun ein paar Wörter, die sich auf „Bier“ reimen:

– Tier
– Stier
– hier
– mir
– dir
– zier
– Grenadier
– Juwelier
– vier
– Barbier (ist das eigentlich ne männliche Barbie?)

Oh, ein was fällt mir noch ein, ich hatte das Wochenende wieder sehr schöne Momente: Meine Familie, sowie meine lieben Freunde haben mir ein paar Fotos zukommen lassen.
Ich kann mit Worten nicht beschreiben, wie sehr ich mich darüber freue, deswegen versuche ich das gar nicht erst!

IMG_9931
Beate und das Helferauto am frühen, frühen Morgen.

 

Ein Gedanke zu „BitchBeate“

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *