Yeah, wir nach dem Bananenglück

Banana!

13.04.2016 | 19:03

Ich sitze in der Roten Beate am hochgeklappten Tisch.
Draußen ist es eisig kalt. Und dunkel.
Auf dem Tisch steht eine Kerze, ein Räucherstäbchen erfüllt den Raum mit sanftem Duft.
Dorian sitzt mir gegenüber und klimpert auf der Gitarre.
Das passt gerade gut.
Es ist recht gemütlich, hier drin ist es auch ein wenig wärmer, als draußen.
Überraschender Weise ist es schon wieder länger als eine Woche her, dass ich schrieb.
Und wieder versuche ich zurückzublicken und denke darüber nach, was es Berichtenswertes gibt.
Interessant, im Laufe der Zeit beginnen viele Sachen nicht mehr so wichtig zu sein, wie zu Beginn der Reise.
Jeden Tag lerne ich neue nette Leute kennen. Sie kommen und gehen.
Die Erkenntnis ist, es gibt sehr viele nette Menschen in der Welt.
Aber besonders berichtenswert war niemand von ihnen.
Das hat mehrere Gründe: Entweder waren sie nicht interessant genug (für mich) oder nur Nebendarsteller, oder ich war der Nebendarsteller.
Ein wenig hat sich auch Alltag bei mir eingeschlichen.
Ich arbeite aller zwei Tage in der Brauerei und verdiene mir mein Feierabendbier.

Aber bevor ich jetzt willkürlich über irgendwas berichte, versuche ich mich schon meiner selbst wegen mal zu ordnen und alles chronologisch anzugehen.

Ich hab keine Ahnung.

Beate hatte ihre Problemchen. Die sind jetzt erstmal behoben.
Und verdammt, doch, Ivo ist wieder da!!!
Ich holte ihn letzte Woche vom Flughafen ab und überlege grad an welchem Tag das war.
Doch ich habe keinen blassen Schimmer.
Ist aber auch egal, wir sahen uns und alles war beim Alten, so wie das sein muss!
Danach folgen wieder viele Gedächtnislücken.
Samstag verließen uns Lukas und Johanna!
Ich bin sehr betrübt darüber.
Johanna hat die besten Instant-Nudeln auf Gottes grüner Erde gemacht!

Am Sonntag ging es am frühen Morgen mit Ivo auf den Farmers Market.
Wir haben Gemüse gekauft und ich mir zwei Häkel-Nadeln.
Und ein Kebab haben wir uns beide gegönnt, was ich nur erwähne um zu erwähnen, dass die Verkaufsfrau erwähnte, ich hätte einen ausgeprägten amerikanischen Akzent.
Ich habe hier noch nie ein so tolles Kompliment vernommen!

Nach dem Markt ging es zu George, dem Sohn des Bruders des Farmers, auf dessen Farm Ivo zu aller erst arbeitete.
19 Jahre jung, haust George in einer WG mit ein paar anderen Menschen, unter anderem, öhm, nenne wir ihn Johnny.
Ebenfalls 19 Jahre.
Nirvana-Smiley-T-Shirt (das, was Julia Rubia auch mal zu Schulzeiten besaß (und ja, daran erinnere ich mich)), schulterlange Haare, Kurt Cobain-Poster im Zimmer und nen Bass mit Verstärker sowie einer E-Gitarre mit Verstärker.

Halt!
E-Gitarre!!!

Wuhahahaha!!!!

Damn, yeah!

Ich habe zum ersten Mal seit einem verdammten halben Jahr wieder E-Gitarre gespielt, die anem Amp hing!

Ich kann einfach mit Worten nicht beschreiben, wie gut sich das anfühlte.
Ich holte noch das Cajon und wir machten prompt ne Dreier-Jamsession.

Nach einer langen deprimierenden Zeit an der Akustikklampfe war es echt mal wieder ein großartiges Gefühl, sich wieder wie Gott zu fühlen.

Es war so ein vertrautes Gefühl, ich versuche grad ein Gleichnis zu finden, aber das gibt es nicht.
Und genau das ist das tolle an Musik!

Naja, irgendwann ging es zurück zum Camp.

Ein Maori-Kerl war ebenfalls Teil dieses Camps.
Generell ein Schnorrer, der dubiose Geschichten erzählte.
Vielleicht wirkte er auch nur fremd, weil er einem für uns recht unbekannten Kulturkreis entspringt.

Wie dem auch sei, bat er mich vor ein paar Tagen um Geld.
Ich habe kurz gezögert.

Die meisten Maori haben hier keinen guten Stand.
Einige scheinen kriminell zu sein und und und…

Ich dachte kurz darüber nach und hatte eine Ahnung, dass ich das Geld nie wieder sehen würde.
Dann dachte ich mir, dass es doch schon sehr rassistisch wäre, ihm kein Geld zu leihen, denn jedem anderen hätte ich es gegeben.
Und im schlimmsten Fall sind ja 20 Dollar auch verschmerzbar.
Also gab ich es ihm.

Tagelang vergaß er dann mir das Geld wiederzugeben und eines Morgens war an der Stelle, an dem sonst sein Zelt stand, eine braune, plattgedrückte Grasfläche.

Jetzt bin ich um 20 Dollar ärmer :-)

Im Nachhinein betrachtet wäre es auch gar nicht rassistisch gewesen, ihm das Geld nicht zu geben, denn er kam mir aufgrund seines Habitus nicht gerade wie ein vertrauenswürdige Person vor.

Also war es fast schon rassistisch, ihm das Geld zu geben (glaub ich).

Die Moral von der Geschicht: Sei kein Rassist, sonst bezahlst du dafür (20 Dollar)!

Okay, ich stelle fest, ich sollte später weiterschreiben, wenn ich imstande bin, wieder einen zusammenhängenden Text auszuformulieren.

Die anderen haben sich mit ein paar Franzosen zusammengetan, aber ich habe gerade keine Lust auf Menschen, also werde ich wohl noch ein wenig Clockwork Orange lesen, bevor es dann hier sehr zeitig ins Bett geht.

25.04.2016 | 14:15

Ich sitze in der Stainless Brauerei in Christchurch und habe aufgrund leichter Abstimmungsproblem noch etwas Zeit, bis mein Chef kommt um den Schlüssel entgegenzunehmen.
Die letzten Zwei Tage war ich allein hier arbeiten, das war großartig!
Ich konnte laut Musik hören und habe in aller Ruhe den lieben langen Tag vor allem Bierfässer geputzt.
Mit erschrecken muss ich feststellen, wie lange ich schon wieder nicht mehr geschrieben habe, die letzte Zeit ist echt verflogen.
Dabei führe ich derzeit ein recht schnödes Alltagsleben.

Zunächst einmal gibt es eine überraschende Wendung im 20-Dollar-Maorifall:

Am Morgen, nachdem ich die letzten Zeilen schrieb, tauchte er plötzlich aus dem Nichts auf und gab mir meine 20 Dollar zurück.
Also, Kinder, ich glaube, was ich daraus lernen soll, ist, dass man anderen Menschen immer mit Vertrauen begegnen sollte.
Was aus Menschen werden kann, die ein grundsätzliches Misstrauen anderen gegenüber haben, konnte ich die letzten Jahre im Petersholzweg sehr gut beobachten.

So, ansonsten wollte ich wieder so viel schreiben, aber vor lauter Schreck fällt es mir nicht mehr ein.
Grundlegend gab es in letzter Zeit mehrere Bausteine, die einen Tag zusammengesetzt haben:

Nachts:

  • schlafen

Tagsüber:

  • auf dem Camp Ground abhängen und den ganzen Tag mit anderen Menschen über Gott und die Welt labern
  • Jam-Sessions machen
  • in Brauerei arbeiten
  • kochen
  • in Bib an Zukunft arbeiten, Geräte laden, Nachrichten beantworten
  • duschen fahren

Abends:

  • am Lagerfeuer sitzen
  • zu sechst in der Roten Beate sitzen und Karten spielen

Die letzten Tage haben sich also meist so gestaltet, dass eine willkürliche Kombination dieser Bausteine zum Tragen kam.

Sonntags fuhren wir immer auf einen Farmer’s Market in Christchurch.
Ihr Leipziger könnt euch den ein wenig wie den Markt am Zentralstadion vorstellen, nur ein paar Nummern größer.
Dort kauften wir stets frisches Gemüse für die Woche und so ein.
Beim letzten Mal kam das komplette Camp mit, eine lustige Gruppe, aus anderen vernünftigen und netten Deutschen sowie zwei durchgeknallten Schweden.
Nachdem der Markt geschlossen hatte, hatten sich ein paar von uns vor unsere Autos gesetzt, um auf die anderen zu warten.
(Ja, jetzt kommt zur Abwechslung endlich mal wieder ne spannende Geschichte)
Ein Mann mit Anhänger fuhr heran, führte mit uns ein kurzes Gespräch und fragte uns, ob wir Bananen haben wollen, da er nicht alle verkaufen konnte.
Wir nahmen das Angebot freudestrahlend an und so ward jedem von uns eine Staude Bananen geschenkt.
Wir freuten uns riesig und haben sogar lustige Bananenbilder gemacht, und während wir das Glück dieser reichen Beschenkung noch nicht fassen konnten, kam dieser nette Mann noch mal wieder und fragte uns, ob wir nicht eine komplette Kiste haben wollen.
Unfassbar war diese Bescherung für uns, wir nahmen auch die Kiste dankend an und fuhren zurück zum Camp Ground, nachdem die anderen gekommen waren.
Zurück in Coes Ford (hatte ich jemals den Namen, dieses ehrwürdigen Camp Grounds erwähnt!?) haben Ivo und ich dann auf dem kompletten Campingplatz Bananen verteilt und freudestrahlende Gesichter hergezaubert.
Und ja, ich bin mir des lustigen Umstands bewusst, dass ausgerechnet die beiden Ossis auf einem Campingplatz am anderen Ende der Welt Bananen verteilen. Was für ein Symbol für die Freiheit! :-)

Ansonsten bleibt noch zu erwähnen, dass wir eines Abends zum Abendessen in großer Runde im Hause meines Chefs eingeladen wurden.
Es war ein toller Abend, ich habe veganes Curry bekommen und wir tranken den ganzen Abend ausgezeichnete Craftbiere.
Nebenbei lernte ich noch ein paar weitere Brauer kennen (das ist ein riesiger Inzesthaufen) und wir durften sogar dort übernachten und duschen! :-)
Am nächsten Morgen zog es Chef zum Golf und so halfen wir seiner Freundin Penny ein wenig beim Rasenmähen und gingen eine große Runde mit Johna, deren Hund spazieren (da das das einzige Mal war, dass ich ein meine Kamera dachte, ist die Galerie sehr spazierganglastig :-)

So, weitere, spannendere Beiträge folgen bald :-)

2 Gedanken zu „Banana!“

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