Dunedin bei Nacht!

Schwarzer Sabbath!

04.05.2016 | 9:50

Ich sitze auf dem Fahrersitz der Roten Beate.
In Dunedin.
Ich schaue auf das Meer.

Ich habe Zeit, denn Beates Batterie schläft noch.
Weit und breit kein Mensch.

Nachdem ich die letzte Woche hier in Dunedin ununterbrochen unterwegs war, ist so eine Zwangspause mal ganz gut.
Sicher hätte ich noch hunderte Geschichten über Christchurch in meinem letzten Beitrag schreiben können, aber eh mir das alles einfällt, teile ich mit euch und mir mir selbst lieber die letzte Woche.

Anlässlich des Black Sabbath-Konzerts zog es mich also wieder nach Dunedin.
Eine Menge Freunde, Bekannte und unentdeckte Orte warteten da auf mich, deswegen begab ich mich schon ein paar Tage eher hier her.

Am Morgen des Aufbruchs machte ich Beate reisetauglich.
Ich habe ihr gut zugeredet, Öl nachgefüllt, einen motivierenden Klaps auf den Hintern gegeben und sie somit optimal für die 5 Stunden Fahrt vorbereitet.

Danach rührselig von all den lieben Menschen verabschiedet und los gings.
Die Strecke zwischen Christchurch und Dunedin ist totlangweilig.

Bei einer Fahrt durch den Leipziger Citytunnel sieht man mehr.

So hoffte ich auf den ein oder anderen Tramper, der mir hätte Gesellschaft leisten können, aber der einzige, welcher sich am Wegesrand befand, hat sich so ungünstig an der Straße positioniert, dass man ihn erst sah, als man sich bereits auf seiner Höhe befand.
Und von einer Haltemöglichkeit keine Spur.
Also keine Spur von einer Haltespur. Höhö.

Also habe ich mir eine Audiomischung aus Black Sabbath und dem letzten Teil der Känguru-Trilogie gegönnt (Danke, nochmal, Mandy).

Des Nachmittags in Dunedin angekommen, wurde ich direkt nett empfangen und hatte einen netten Sonnenuntergangsabend auf einem schönen Campingplatz nahe der Stadt.
Am nächsten morgen traf ich dann ein paar Jungs wieder, die ich in Christchurch kennengelernt hatte und jammte ein wenig mit ihnen herum, bevor wir nachmittags gemeinsam in die Stadt fuhren.

Dort besuchte ich den Micha in der Brauerei, der sich freute, mich zu sehen und sich dann erstmal wieder über alles mögliche aufregte, in seiner charmant-lustigen Art.
Ich klärte, dass wir über das Wochenende auf dem Brauereiparkplatz campieren dürfen (vielleicht sagte ich auch nur „parken“), denn die Brauerei liegt nur 10 Fußminuten von der Innenstadt und vom Stadion (wo Black Sabbath spielen sollten) entfernt.
Außerdem organisierte ich uns noch einige Flaschen köstlichen Freibiers :-)

Abends ging es dann mit den Jungs und einem Mädel, welches die Jungs im Schlepptau hatten, in eine Bar, in der ich mich mit einer Freundin und ihren Mitbewohnern traf.
Es spielte eine Liveband und wir hatten viele interessante Gespräche.

Irgendwer kam nach der Schließung der Bar auf die Idee, dass man ja noch tanzen gehen könnte.
Naja, warum nicht, also ward schnell eine Tanzlokalität aufgesucht, und ein wenig die Hüften geschwungen.
Vor allem die anderen haben getanzt, ich habe das Barpersonal ein wenig über das Craft Beer weitergebildet, welches sie im Sortiment hatten.

Gegen 7 war ich dann auch schon wieder zurück bei Beate.

Der nächste Tag lief gemächlich an, wir jammten ein wenig vor der Brauerei (das war schon sehr gypsy-like) und mittags ging es dann zur Sandflie Bay, einem schönen Ort auf einer Halbinsel, mit einem tollen Strand, Robben (die ich sah) und Pinguinen (die ich nicht sah).
Nachmittags ging es aber auch schon zurück, es stand das Wiedersehen mit dem lieben Stefan an und dann, das Konzert der Konzerte von jener Band der Bands, die jede andere Band in ihrem musikalischen Schaffen beeinflusst hat (Sogar Beethoven gab in einem Interview mit dem Rolling Stone Magazine an, dass seine früheren Werke stark von ihnen beeinflusst waren, vor allem der Sound der E-Gitarren): Black Sabbath!

Vor dem Konzert fiel vor allem ein was auf: Die Neuseeländer betrinken sich gern bis zu Gesichtslähmung, werden dann aggressiv und fangen an, sich mit anderen Menschen zu streiten oder sich einfach generell daneben zu benehmen.
(Das klingt gerade sehr generalisiert, tatsächlich will ich sagen, dass dort sehr viele unangenehme Menschen vor Ort waren).
Während des Konzerts sprang mir ein Mädel mit ihrem Absatzschuhen so sehr auf den großen Zeh, dass der seitdem lustig geschwollen ist (Seitdem nenne ich ihn den „sehr  großen Zeh“).
Hätte ich nur mal meine Springer nach Neuseeland gebracht :-)

Doch wie war das Konzert an sich?

Die Songauswahl war vorbildlich!
Ein breites Spektrum an Klassikern, so, wie das die Fans halt wollen, wenn es denn schon die letzte Tour ist.

Das Wissen, dass hinter der Bühne teilweise andere Musiker stehen und für die alten Herren auf der Bühne stehen, hat sich leider durch einen Kumpel von Stefan verstärkt, der dort Aufbauhilfe war.
Ich meine auch, es ein mal mitbekommen zu haben.
Ozzys Gesang war zu 80 % schauderhaft.
Da hätte ich mir Playback fast gewünscht.

Am Sound gab’s nichts zu meckern.

Ich bin froh, auf dem Konzert gewesen zu sein (abgesehen davon, dass ich jetzt humple), aber es war kein feiern dieser Ikonen des Rocks, des Dooms, des whatever.
Es war die Erkenntnis, dass diese Helden gut daran tun, ihre letzte Tour zu spielen und vielleicht noch besser daran getan hätten, dass schon ein paar Jahre eher zu machen.
Paranoid von meiner ehemaligen Cover Band war auf jeden Fall cooler, als das, was die Opis da von sich gegeben haben.
Und dennoch erstarrte ich in Ehrfurcht, Tommy Iomys Gitarrenarbeit zu sehen.

Ergo: Ich kann behaupten, ich hab sie gesehen.

(Fürs Protokoll: Während des gesamten Konzerts, trank ich kein einziges Bier! Abgesehen von den harten Verhandlungen des Vorabends, gab es eh nur Speights, was eher an Spargelurin als an Bier erinnert.)

Nach dem Konzert war dann auch schnell Bett angesagt.

Der nächste Tag startete wieder gemächlich.
Ich besuchte Stefan und die Briten und traf mich nachmittags wieder mit der französischen Freundin und einer anderen Freundin von ihr.
Wir wollten tagsüber zur Sandfly Bay, doch daraus wurde nichts, weil die beiden Damen sich so sehr verspäteten, dass wir erst bei Dunkelheit loskamen.

Wir fuhren dennoch da hin.
In tiefster Dunkelheit machten wir uns Barfuß durch knietiefen Sand auf zum Strand und genossen einige Stunden die menschenleere Ruhe.

Wir sahen einige Sternschnuppen, hatten lustige Gespräche und dann machte sich plötzlich ein spontanes Highlight am Sternenhimmel auf:

Aurora Australis!

Minuten lang konnten wir dem Spektakel der Südlichter zusehen.
Sie kamen und gingen und es war traumhaft!

Leider habe ich kein Beweisfoto, ihr müsst mir das jetzt mal glauben :-)

Die Mädels daheim abgesetzt, ging es für mich wieder zum Camp Ground, in der Hoffnung noch ein wenig mit den anderen Karten spielen zu können, doch alle schliefen schon.

Gestern traf ich mich auch noch mal mit tausend Leuten, packte Mr. Basilo ein und fuhr noch mal allein an einen schönen Platz am Meer, an dem ich nun stehe und warte.

Und warte.

Und warte.

06.05.2016 | 14:50

NACHTRAG:

Ich sitze grad wieder in der Bibliothek in Lincoln und lade soeben diesen Beitrag hoch.
Zwei Sachen:

Erstens: Ich bin wohlbehalten wieder angekommen.

Zweitens: Ihr habt Spargelsaison, richtig!?

Darauf bin ich richtig neidisch!
Hier gibt es leider nur den schöden grünen… :-(

Aber: Ich will noch neidischer sein, daher rufe ich euch dazu auf (auch alle, die ich nicht so gut kenne, oder gar nicht kenne) das nächste Spargelessen zu knipsen und mit ein Bildchen an franz.uhlig.le@gmail.com zu senden, damit ich mich daran erfreuen kann!

Tut ihr mir den Gefallen?

Tschüssikowski! :-*

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