Ja, ein wenig war ich in den Ofen verliebt.

Ofen aus, Beate tot.

04.06.2016 | 20:23

Ich befinde mich in einem Thairestaurant im Zentrum von Nelson.
Auf der Suche nach einem warmen Ort hat uns ein Schild mit der Aufschrift „15 % Rabatt auf alle Speisen, wenn man zwischen 17 und 18 Uhr bestellt“ hineingelockt.
Außerdem gibt es hier Wifi.
So langsam wird es so kalt, dann man sich irgendwie versucht von warmen Ort zu warmen Ort durchzuschlängeln, was auf Dauer keine gute Lösung ist.
Was ist in der letzten Zeit passiert?
Léa und ich haben Stefan verloren.
Wir schauten eines Abends einen netten neuseeländischen Film im Kino.
Der Film war wirklich richtig schön, aber irgendwie machte er mich auch ein wenig traurig, weswegen ich danach nicht gleich schlafen, sondern noch in eine Bar gehen wollte.
Stefan hingegen wollte schlafen.
Also gingen Léa und ich noch mal los und Stefan machte heiabubu.
Die Straße entlanglaufend hörten wir aus einer Richtung Livemusik schallen, zu welcher wir uns direkt begaben.
Glücklicher Weise stellte sich heraus, dass es sich bei der Livemusik um eine Open Jam Session handelte, was wiederum bedeutete, dass ich in der Tat al wieder E-Gitarre spielen durfte.
Und das auch noch vor Publikum!
Es war traumhaft!
So ne E-Gitarre ist schon was feines.
Ich habe an diesem Abend ne Menge netter Leute kennengelernt und viele gute Tunes mit denen gezockt.
Nebenbei ist anzumerken, dass während wir in der Bar unseren Spaß hatten, es auf der Straße eine Schlägerei gab, Krankenwagen und Polizei mussten kommen, weil jemand von jemand anderem mit einer Flasche am Kopf geschlagen wurde.
Ich weiß nicht warum, aber ich stelle hier in Neuseeland viel häufiger fest, dass jenes Volk, was ich in der Regel als sehr friedfertig kennengelernt habe, sich stark zu wandeln scheint, sobald Alkohol im Spiel ist, der Barkeeper erzählte, dass dies keine Seltenheit sei, es ist wirklich schockierend.
Aber naja, so viel am Rande.
Da der Abend also etwas länger ging, wachten wir am nächsten Tage reichlich später als Stefan auf, der sich wegen des Wifis gen Burgerking aufgemacht hatte.
Ich musste unbedingt Beate zum WOF schicken, was ich auch tat.
Nach langem Bangen das Ergebnis: Es müssen 900 Dollar investiert werden, damit Beate ein weiteres halbes Jahr überlebt.
Puh.
Dieses Erlebnis bedeutete bei mir eine emotionale Wende, die immer noch anhält.
Geld investieren? Oder doch den Schrottwert nehmen? Was sagt Ivo dazu?
Ich habe bereits wesentlich mehr in Beate investiert, als es der Plan war und nun noch mal so ein dicker Batzen?
Aber was sind Alternativen? Back to Germany? Hitchhiken?
Ein Kreis an Herauasforderungen kam auf mich zu. Und wie es bei Kreisen so ist, gibt es kein richtigen Anfang und kein Ende.
Während Stefan also der Hippiegruppe folgte zog es mich eher in ruhigere Gefilde, um alles zu überdenken.
Léa begleitete mich, was auch gut war, denn ohne 20-minütigen Ladens über Starterkabel hat sie zur Zeit keine Chance zu starten, da die Lichtmaschine komplett kaputt ist.
Und das bei JEDEM Start…
Nun gut.
Wir fanden einen Camp Ground, der gefühlt weit weg von jeglicher Zivilisation war.
Das tat gut.
Ich beschloss, ein paar wichtige Telefonate nach Deutschland zu führen und Ivo zu kontaktieren, der ja zu Recht ein Mitentscheidungsrecht zur Beatenthematik hat.
Er bat um ein paar Tage Bedenkzeit, die ich für einen megaentschleunigten Tagesablauf nutzte, der sich nur darum drehte, den ganzen Tag das Feuer des Kochofens am Laufen zu halten und… nun ja, zu kochen.
Und zu essen :-)
Unterdessen machten wir einen Ausflug nach Motueka, gingen auf einen Markt, duschten auch mal und schauten uns den aktuellen Alice im Wunderland-Film an.
Unser Tagesrhythmus war komplett an den Hell-Dunkel-Wandel angepasst, zum ersten Mal fühlte sich das für mich nicht schlimm, sondern selbstverständlich an, denn die Sonnenstunden des Tages waren so kurz, dass man sie einfach nutzen musste.
Wie dem auch sei, Ivo teilte mir mit, dass er keine Zukunft für Beate sieht, was mich in eine sehr missliche Lage bringt, derer ich gerade Herr zu werden versuche.
Alles klingt vielleicht ein wenig rätselnd, aber ich vermeide in der Tat zu vermeiden, etwas über die ebenfalls möglichen Optionen einer Rückkehr zu schreiben, da ich weder Erwartungen, noch Befürchtungen erwecken möchte :-)
Nun ist also die Frage, was passiert mit der Roten Beate.
Ich habe sie soooo lieb gewonnen, viel Liebe, Geld und Energie in sie investiert.
Ist das das Ende einer rostigen Beziehung?

Wir werden sehen….

PS.: Es gab Frühlingsrollen als Vorspeise und Scharfe Knobinudeln als Hauptgang.

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